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Sommer, Sonne, Wurst

Grillen im Garten und auf dem Balkon: Was ist erlaubt?

Grillen im Garten und auf dem Balkon – was ist erlaubt?

Mit dem Frühling grillt es in Deutschland und mit dem Grillen stellen sich Fragen: Wie oft darf auf dem Balkon und im Garten gegrillt werden? Und wie viel Rauch­ent­wicklung müssen die Nachbarn hinnehmen? Die Deutsche Anwaltaus­kunft beant­wortet die wichtigsten recht­lichen Fragen rund ums Grillen vor den eigenen vier Wänden.

Deutschland ist Grill­welt­meister! Laut einer Studie von Tomorrow Focus Media aus dem Jahr 2011 schmeißen ein Drittel der Deutschen ihre Schwenker, Holzkohle-, Gas- oder Elektro­grills sogar ganzjährlich an. Die Anderen ziehen dann mit den ersten warmen Tagen nach, meist mit Freunden oder der Familie. Denn Grillen ist Gemein­schaft, doch kann sie ein jähes Ende finden – etwa, wenn die Nachbarn Kontakt mit der Polizei oder dem Vermieter aufnehmen. Aber wie viel Gegrilltes steht jedem zu? Die wichtigsten Antworten.

Darf ich auf dem Balkon meiner Mietwohnung grillen?

Jein. Ein „Recht aufs Grillen“ gibt es nicht. Dennoch spricht nichts dagegen, auf seinem Balkon zu grillen. Dabei gibt es jedoch Ausnahmen. Beispiels­weise kann im Mietvertrag oder der Hausordnung explizit geschrieben stehen, dass Grillen auf dem Balkon oder der Terrasse verboten ist (Urteil des Landge­richt Essen vom 7. Februar 2002, AZ: 10 S 438/01). Ebenfalls kann das Grillen verboten werden, wenn so viel Rauch, Ruß oder dichter Qualm in die Nachbar­woh­nungen zieht, dass dadurch die Wohnbe­din­gungen massiv verschlechtert werden. Diese Beurteilung liegt im Zweifel dann bei den Gerichten. Um es so weit nicht kommen zu lassen, empfehlen Mietrechts­ex­perten vom Holzkohle- zum Gas- oder Elektro­grill zu wechseln, da sie weniger Rauch produ­zieren.

Wie oft darf ich grillen?

Diese Frage lässt sich nicht generell beant­worten, Gerichte entscheiden immer nur über den einzelnen, indivi­du­ellen Fall. Eine Auswahl der Urteile: Laut dem Amtsge­richt Berlin-Schöneberg dürfe jährlich 20 bis 25 Mal für etwa zwei Stunden und maximal bis 21 Uhr gegrillt werden (2. Oktober 2007, AZ: 3 C 14/07). Demgegenüber steht eine Entscheidung des Landge­richts Aachen, wonach zweimal im Monat zwischen 17 und 22.30 Uhr das Fleisch auf den Grill geworfen werden darf (14. März 2002, AZ: 6 S 2/02). Das Oberlan­des­ge­richt Oldenburg ist da etwas strenger: Zwar dürfe bis 24 Uhr gegrillt werden – aller­dings nur viermal jährlich (29. Juli 2002, AZ: 13 U 53/02). Es gilt das Gebot der Rücksicht­nahme – und so unter­schiedlich die Urteile ausfallen, so unter­schiedlich sind auch die jeweils zugrunde liegenden Streitfälle.

Kann mir Grillen im eigenen Garten verboten werden?

Grundsätzlich schon – doch ist ein Verbot auf einem allein­ste­henden Grundstück unwahr­schein­licher als bei einem Mehrfa­mi­li­enhaus. Wie beschrieben gilt bei der Beurteilung vor Gericht das Gebot der Rücksicht­nahme. Und da ein Garten in der Regel Teil eines Grundstücks inklusive Haus ist, sind die Nachbarn allein deshalb schon in größerem „Sicher­heits­ab­stand“ zum Grill, als in einem Mietshaus in einer Innen­stadt. Insofern das Grundstück dem Betrof­fenen gehört, kann demnach auch kein Mietvertrag das Grillen verbieten. Dennoch hat etwa das Bayerische Oberste Landes­ge­richt eine recht harte Entscheidung getroffen: Der beklagte Hauseigentümer darf dem Urteil zufolge nur am äußersten Rand des Gartens, 25 Meter vom Haus entfernt, grillen, damit der Rauch nicht bei seinem Mieter in die Wohnung zieht. Und das zudem nur fünfmal im Jahr (18. März 1999, AZ: 2 Z BR 6/99). Prinzi­piell heißt eigener Garten nicht gleich die Erlaubnis für tägliches Grillen bis tief in die Nacht: Schließlich gibt es auch eine Nachtruhe. Und auch beim eigenen Haus gilt: Wenn es zum Recht­streit kommt, entscheidet das Gericht von Fall zu Fall.

Ist der Gestank entscheidend bei möglichen Grill­ver­boten?

Nein, der Rauch. Ein Vegetarier, der sich durch Fleisch­geruch gestört fühlt, wird vor Gericht wohl schlechte Chancen haben, dem Nachbarn ein Grill­verbot aufzu­er­legen. Anders im Falle von starkem Rauch: Das Landge­richt Stuttgart empfahl einst, neben dem Elektro­grill auch auf Aluschalen zur Zubereitung des Essens zurückzugreifen, um die Rauch­ent­wicklung einzudämmen (14. August1996, AZ: 1 T 359/96). Sollten sich Nachbarn gestört fühlen, ist neben möglicher Ruhestörung die erhöhte Rauch­ent­wicklung entscheidend und hierbei eine Beeinträchtigung im Sinne der Immis­si­ons­ge­setze des jewei­ligen Bundes­landes. In Brandenburg ist das Grillen nach diesem Gesetz etwa verboten, wenn dadurch die Bewohner in ihren Wohn- und Schlafräumen „erheblich belästigt“ werden. Dann droht ein Bußgeld und die Betrof­fenen können die Polizei rufen.

Bei unerlaubtem Grillen: Welche Strafen drohen mir?

Von Hinweisen des Vermieters, über Verwar­nungen bis hin zu Geldbußen und der frist­losen Kündigung, theore­tisch alles. Doch sind letztere unwahr­scheinlich, zumindest dann, wenn man sich an beste­hende oder neu ausge­spro­chene Hinweise zum Grillen hält. Daher sollte jeder Mieter Beschwerden der Nachbarn ernst nehmen und rücksichtsvoll handeln; im Idealfall wird ein Grill­abend hausintern angekündigt. Zwar lassen sich kleinere Strei­te­reien womöglich auch dadurch nicht vermeiden – alle weiteren Ausein­an­der­set­zungen aber durchaus.

Grillen im Park: Welche Regeln gelten?

Sollten Grill­lieb­haber dem möglichen Stress mit den Nachbarn entgehen wollen – oder gar keinen Balkon haben – bleibt immer noch der Gang nach Draußen. Hier unter­scheiden sich die Vorschriften von Gemeinde zu Gemeinde, übergreifend lässt sich aber festhalten: Es darf überall da gegrillt werden, wo die Erlaubnis sichtbar ist, etwa durch ein Hinweis­schild. Wer einfach so in der freien Natur grillt, muss mit Bußgeldzah­lungen rechnen, vor allem in Natur­schutz­ge­bieten ist Grillen strikt verboten. Außerdem gilt länder- und kommunenübergreifend: Wenn alles aufge­gessen ist, muss der gesamte Müll inklusive Kohle­reste mitge­nommen und selber entsorgt werden. Auch hier drohen andern­falls Bußgeldstrafen.

Grill-Fazit

Ein Recht auf Grillen gibt es nicht. Gute Chancen, um Stress mit den Nachbarn, dem Vermieter, der Polizei oder gar einem Anwalt zu vermeiden, haben Balkon-Griller, die...

  • ... kein Grillverbot im Mietvertrag oder in der Hausordnung stehen haben,
  • ... einen Gas- oder Elektrogrill nutzen,
  • ... nur selten, etwa einmal pro warmen Monat grillen,
  • ... die Ruhezeiten beachten.

Es gilt das Gebot der Rücksicht­nahme, an das sich auch Gericht bei ihren Entschei­dungen orien­tieren.

Themen
Bußgeld Garten Mietstreit Mietvertrag

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