Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Sonderkündigungs­recht

Fitness­studio-Vertrag: Wann darf man kündigen?

Quelle: King/corbisimages.com
Nicht wenige Hobbysportler tauchen nach den ersten Trainingseinheiten nie wieder im Fitnessstudio auf.
© Quelle: King/corbisimages.com

Viele Kunden von Fitness­studios lassen sich zu langfris­tigen Verträgen überreden – und ärgern sich, wenn sie das Studio später kaum nutzen. Trainings­faulheit allein ist leider kein Grund für eine vorzeitige Kündigung. Doch unter bestimmten Umständen hat man durchaus Chancen, vorzeitig aus dem Fitness-Vertrag zu kommen.

Der Frühling ist für die Fitness­branche die lukra­tivste Zeit. Viele Sport­muffel beschließen jetzt, sich für die Badesaison in Form zu bringen: Gewicht runter, Muskel­masse rauf, und das so schnell wie möglich. Voller Euphorie führt der Weg ins Fitness­studio, wo dann langfristige Verträge für die Arbeit an der Traum­figur abgeschlossen werden.

Leider gilt für sport­liche Ambitionen das gleiche wie für alle anderen guten Vorsätze: Sie halten oft nicht lange. Nach den ersten harten Trainings­ein­heiten schmilzt die Motivation deutlicher schneller als die Fettpolster. Die Folge: Geschätzt die Hälfte aller Mitglieder in Fitness­studios sind Kartei­leichen. Sie tauchen nach wenigen Besuchen nie wieder im Studio auf – zahlen müssen sie aller­dings weiterhin. 24 Monate Vertrags­laufzeit sind dabei laut einem Urteil des Bundes­ge­richtshofs durchaus zulässig.

Aus einem solchen Vertrag kann man nicht ohne weiteres vorzeitig aussteigen – zumindest, wenn Trainingsfaulheit die einzige Begründung ist. Es gibt allerdings wichtige Gründe, die laut geltender Rechtsprechung eine vorzeitige Kündigung rechtfertigen: 

Krankheit 

Wer durch eine Erkrankung oder einen Unfall dauerhaft keinen Sport ausüben kann, hat einen wichtigen Grund für eine vorzeitige Vertragskündigung. Als Beleg dafür reicht eine ärztliche Bescheinigung über die dauerhafte Sportunfähigkeit aus. Ein Attest, aus dem die genaue Erkrankung hervorgeht, ist laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs nicht nötig (AZ: XII ZR 42/10).

Fitnessstudios können sich in der Regel auch nicht darauf berufen, dass die Kunden trotz ihrer Verletzung noch bestimmte Einrichtungen des Studios wie zum Beispiel den Wellnessbereich nutzen können. Zudem sind Klauseln in den AGBs unwirksam, die für die Meldung der Erkrankung bestimmte Fristen setzen. 

Umzug 

Auch ein Umzug kann ein wichtiger Grund für eine Kündigung sein – aller­dings nicht in jedem Fall. Zieht ein Sportler in eine weit entfernte Stadt um und hat keine Möglichkeit mehr, das Studio zu besuchen, besteht ein Sonderkündigungs­recht.

Viele große Fitness-Ketten verfügen aber über ein dichtes Netz von Filialen in ganz Deutschland. Zieht ein Mitglied in eine Stadt, in der die Kette auch präsent ist, kann das Studio ihn einfach an die andere Filiale „überweisen“. Eine Kündigung ist dann nicht mehr möglich.

Kompli­ziert wird es, wenn das Mitglied nach einem Umzug das Studio zwar noch besuchen könnte, dafür aber lange Fahrt­zeiten und Umwege in Kauf nehmen müsste. Wie weit der neue Wohnort entfernt sein muss, damit gekündigt werden darf, wurde bisher nicht höchstrich­terlich festgelegt. Solche Strei­tig­keiten zwischen Studio und Sportler werden im Zweifel als Einzelfall vor Gericht entschieden. 

Schwangerschaft

Auch eine Schwangerschaft kann ein wichtiger Grund für eine Kündigung sein. Es gibt allerdings auch Gerichtsentscheidungen, nach denen eine Schwangerschaft statt einer Kündigung nur das Ruhen des Vertrages rechtfertigt: Bis zur Geburt müssen dann keine Beiträge bezahlt werden. Allerdings verlängert sich der Vertrag entsprechend.

Wer schon beim Abschluss des Vertrages eine Schwan­ger­schaft plant, sollte sich für diesen Fall vom Studio ein Sonderkündigungs­recht im Vertrag einräumen lassen. 

Fazit 

Wer sportunfähig wird, in eine weit vom nächsten Studio entfernte Gegend zieht oder schwanger wird, hat gute Chancen, vorzeitig aus dem Vertrag entlassen zu werden. Es empfiehlt sich in so einem Fall, zunächst das Gespräch zu suchen. Viele Studios sind heute durchaus kulant und lassen mit sich reden. Hilft das aller­dings nicht, kann es sich gerade bei langfris­tigen und damit teuren Verträgen lohnen, recht­liche Schritte zu prüfen. 

Schon beim Abschluss eines Vertrages lassen sich aber viele Probleme vermeiden: Statt sich gleich für 24 Monate zu binden, sollte man sich zunächst erkun­digen, ob nicht kürzere Laufzeiten möglich sind – zum Beispiel drei oder sechs Monate. Viele Studios bieten solche Kurzverträge auf Nachfrage an. Der monat­liche Beitrag kann dann etwas höher ausfallen. Trotzdem kommt man mit einer kürzeren Laufzeit günstiger davon, wenn die sport­lichen Ambitionen schon nach dem ersten Training dahin sind.

Sind Sie bei Facebook? Dann liken Sie die Anwaltauskunft 

Themen
Sport Sportunfall Vertrag

Zurück