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Tierrecht-Blog

Der Hundeführerschein - ein Überblick

Kann ein Hundeführerschein vor Beißattacken bewahren? © Quelle: bonzami/panthermedia.net

“Vielleicht stünde es besser um die Welt, wenn die Menschen Maulkörbe und die Hunde Gesetze bekämen“, hat bereits George Bernard Shaw gesagt. Das Thema „Hundeführerschein“ ist aktuell wie nie. Kann der Hundeführerschein dafür sorgen, dass die Gefahr­hund­listen abgeschafft werden?

Im April 2016 wurden Pläne der Berliner Landes­re­gierung bekannt, den verpflich­tenden Führerschein für alle neuen Hunde­be­sitzer einzuführen.

Halter sollen künftig verpflichtet werden, eine theore­tische Prüfung für einen Hundeführerschein zu absol­vieren. Die sogenannte Rasse­liste gefährlicher Hunde soll in Zukunft außerdem nicht mehr gesetzlich festge­schrieben sein.

Alle Berliner, die sich einen neuen Hund anschaffen wollen, sollen künftig diese theore­tische Sachkundeprüfung ablegen. Ausge­nommen sind lediglich Käufer sehr kleiner Tiere unterhalb einer noch festzu­le­genden Größe. Wer bereits seit mehreren Jahren einen Hund besitzt, soll für das betref­fende Tier keine Prüfung ablegen müssen – wohl aber, wenn man sich einen neuen Hund zulegt.

Was ist der Hundeführerschein?

Er ist ein Befähigungs­nachweis für Hunde­halter, der belegen soll, dass der Halter seinen Hund im Alltag sicher unter Kontrolle hat und von dem Hund keine Gefahren für die Allge­meinheit ausgehen. Der Schein ist nach dem Erwerb bei sich zu führen und auf Verlangen den Ordnungs­be­amten vorzu­zeigen.

Wo kann er erworben werden?

Die Zahl der Anbieter von Kursen, in denen ein Hundeführerschein erworben werden kann, steigt stetig an. Neben lokalen Anbietern (häufig speziell fort- und weiter­ge­bildete Tierärzte und Tierärztinnen, Vereine oder Hunde­schulen) kann er aktuell länderübergreifend von Prüfern nach den Richt­linien des VDH (Verband für das deutsche Hunde­wesen), des BVZ (Berufs­verband zerti­fi­zierter Hunde­schulen) oder des BHV (Berufs­verband der Hunde­er­zieher und Verhal­tens­be­rater) vergeben werden.

Wie sieht die Prüfung aus?

Die Prüfung beinhaltet einen theore­ti­schen (meist ein Multiple-Choice-Test) und einen prakti­schen Teil. In diesem müssen Hund und Halter Alltags­si­tua­tionen bestehen (Verhalten im Straßenverkehr, Vorbei­laufen eines Joggers im Park etc.). Es wird das konkrete Verhalten des Hundes sowie dessen Gehorsam überprüft. Beherrscht der Hund die notwen­digen Kommandos und werden diese richtig umgesetzt? Die Kosten für den „Führerschein“ liegen meist zwischen 50,00 und 200,00 €. Obwohl die positive Wirkung unbestritten ist hat bisher nur das Land Nieder­sachsen den Hundeführerschein zum 1. Juli 2013 eingeführt. Einige andere Bundesländer wollen zukünftig nachziehen und dann im Gegenzug voraus­sichtlich die „Gefahr­hund­listen“ abschaffen.

Gibt es Ausnahmen in Nieder­sachsen?

Wer nachweist, dass er seit 2003 mindestens zwei Jahre lang durch­gehend einen Hund gehalten hat, kann sich befreien lassen. Alle anderen Hunde­halter, die sich nach dem 1. Juli 2011 einen Hund angeschafft haben, müssen den Sachkun­denachweis erbringen, der laut Niedersächsischem Minis­terium für Ernährung, Landwirt­schaft und Verbrau­cher­schutz dem Schutz vor Beißattacken und dem Tierschutz dienen soll. Der theore­tische Teil des Hundeführerscheins muss noch vor dem Erwerb des Hundes abgelegt werden, der prakti­schen Teil während des ersten Jahres der Hunde­haltung. Der „Hundeführerschein“ gilt rasseübergreifend. Auch müssen alle Hunde in einem zentralen Register eintragen werden, mit welchem ein Hunde­halter schnell ermittelt und ein Hund identi­fi­ziert werden kann.

Gibt es auch Kritik?

Es gibt Stimmen, die meinen, der Hundeführerschein führe zu mehr Bürokratie und zusätzlichen Kosten für den Hunde­halter. Gerade bei sozial schwächeren Personen könne dies dazu führen, dass sie sich einen Hund nicht leisten können, obwohl die Hunde­haltung über die Freie Entfaltung der Persönlichkeit zu einem Grund­recht jeden Bürgers gehöre.

Fazit

Die Erfah­rungen aus Nieder­sachsen werden zeigen, ob der Hundeführerschein zukünftig bundesweit verpflichtend eingeführt wird. Jeden­falls bleibt zu hoffen, dass durch die Schärfung des Verständnisses des Halters für den Hund, auf den der Hundeführerschein abzielt, letztlich Beißattacken vermieden werden können.

Andreas Ackenheil ist Anwalt mit dem Schwerpunkt Tierrecht und betreibt einen eigenen Blog, der unter www.der-tieranwalt.de aufzurufen ist. Für die Deutsche Anwaltauskunft bloggt Herr Ackenheil regelmäßig zum Thema Tierrecht.

Themen
Schadensersatz Tiere

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