Im und am Haus

Weihnachtsdekoration: Was ist erlaubt? Wann droht Kündigung oder Haft?

Das junge Paar hat gerade einen Weihnachtsbaum gekauft - oder geschlagen?
Das junge Paar hat gerade einen Weihnachtsbaum gekauft - oder geschlagen?

Quelle: Sam Edwards/gettyimages.de

Der Wald spielt für die Deutschen eine wichtige Rolle. Er ist für viele ein Sehnsuchtsort und wichtiger Bestandteil von dem, was Deutschland ausmacht. Fast ebenso wichtig und identitätsbildend ist der Weihnachtsbaum – der, als Tannenbaum, zumindest grundsätzlich zum Wald gehört. Ein Dilemma? Nicht unbedingt: Lesen Sie hier, was erlaubt ist, wenn es darum geht, einen Tannenbaum zu schlagen, ihn zu transportieren – und die Hausfassade weihnachtlich zu schmücken.

Weihnachtsbeleuchtung an der Fassade: Erlaubt ist, was nicht zu hell ist

Viele Mieter, Wohnungs- oder Hauseigentümer beleuchten ihr Zuhause vor Weihnachten - auch von außen. Manche nur mit einer Lichterkette, andere mit blinkenden Lichtskulpturen und Installationen, die sich um das ganze Gebäude ziehen. Ist das erlaubt? In der Regel ja: Jeder hat grundsätzlich das Recht, seine Wohnung weihnachtlich zu beleuchten. Das geht unter anderem aus einem Urteil des Landgerichts Berlin aus dem Jahr 2010 hervor (Az. 65 S 390/09).

Allerdings darf die Beleuchtung nicht so hell sein, dass sie die Nachbarn stört. Aus Rücksicht sollte man sie um 22 Uhr abschalten. Denn bei der Weihnachtsbeleuchtung handelt es sich wie bei jeder anderen Lichtquelle um eine Immission, welche die ortsübliche Beleuchtung nicht wesentlich überschreiten darf. Wer als Mieter die Fassade mit Weihnachtsbeleuchtung dekorieren möchte, sollte unbedingt vorab den Vermieter um Erlaubnis fragen.

Darf ich im Wald einen Weihnachtsbaum schlagen?

Lichterketten an Fenster, Balkon und Fassade sind zwar schön anzusehen. Das wichtigste, wenn es um Weihnachtsdekoration geht, ist aber immer noch der Weihnachtsbaum. Doch woher nehmen? Auf jeden Fall nicht einfach aus dem Wald. Denn jeder Wald hat einen Eigentümer. Bevor man dort einen Baum schlägt, muss man diesen um Erlaubnis fragen. Wer der Eigentümer ist, erfährt man beim Forstamt. Ohne Erlaubnis einen Baum zu schlagen gilt als Sachbeschädigung oder Diebstahl. Es droht eine Geld- oder Freiheitsstrafe.

Wo dürfen Weihnachtsbäume verkauft werden?

Wer in der Adventszeit durch eine deutsche Stadt spaziert, könnte den Eindruck gewinnen, dass an jeder Ecke Weihnachtsbäume verkauft werden. Doch das stimmt nicht ganz. In Parks dürfen zum Beispiel nur unter bestimmten Voraussetzungen Weihnachtsbäume verkauft werden. Das hat das Verwaltungsgericht (VG) Berlin am 31.10.2016 entschieden (AZ: 24 L 348.16).

Zu der Entscheidung kam es, nachdem ein Weihnachtsbaumverkäufer beim Bezirksamt beantragt hatte, zwischen dem 01. und dem 24.12.2016 Weihnachtsbäume vor der Neuen Nazarethkirche in Berlin-Mitte verkaufen zu dürfen. Dieser etwa 600 qm große Ort ist Teil einer öffentlichen Grün- und Erholungsanlage. Nachdem das Bezirksamt Mitte die Erteilung einer hierfür erforderlichen Genehmigung versagt hatte, wandte sich der Antragsteller an das Verwaltungsgericht. D

as Gericht lehnte den Antrag ab. Dem VG zufolge dürfen öffentliche Grün- und Erholungsanlagen grundsätzlich nur so benutzt werden, wie es sich aus der Natur der einzelnen Anlage und ihrer Zweckbestimmung ergibt. Weihnachtsbäume zu verkaufen, zählt nicht dazu. Damit die Behörde den Verkauf trotzdem genehmigen könne, müsse ein überwiegendes öffentliches Interesse bestehen. Das sei hier nicht der Fall.

Das Interesse daran, die Berliner Bevölkerung in der Weihnachtszeit möglichst wohnortnah mit Weihnachtsbäumen zu versorgen, falle hier nicht ins Gewicht. Bei der Entscheidung sei zu prüfen, so das VG, ob an anderen Standorten weniger Schaden angerichtet würde. Der Antragsteller habe schon nicht glaubhaft gemacht, dass es in der näheren Umgebung keine anderen Verkaufsflächen für Weihnachtsbäume gäbe. Ungeachtet dessen habe der Verkauf von Weihnachtsbäumen durch den Antragsteller in den letzten Jahren zu erheblichen Schädigungen der öffentlichen Grün- und Erholungsanlage geführt.

Wie muss man einen Weihnachtsbaum im Auto transportieren?

Hat man einen Verkaufspunkt gefunden und einen Baum erstanden, wartet die nächste Frage: Wie bekommt man ihn nach Hause? Wer einen Weihnachtsbaum im Auto transportiert, muss ihn jedenfalls gut sichern. Bei kleinen Weihnachtsbäumen, die ins Auto passen, muss man keine besonderen verkehrsrechtlichen Regeln beachten. Ist der Baum so lang, dass die Kofferraumklappe offen bleiben muss, gehört an den Wipfel eine rote Fahne. Abends und nachts müssen Autofahrer einen überstehenden Baum mit einem roten Licht kennzeichnen. Wer den Weihnachtsbaum auf dem Dach des Autos transportieren möchte, sollte ihn in einem Dachgepäckträger befestigen.

Wie muss man seinen Weihnachtsbaum entsorgen?

In den meisten Städten gibt es zentrale Abholtermine für alte Weihnachtsbäume. Wer den Termin nicht einhalten kann oder will, kann den Weihnachtsbaum zu einem Recyclinghof bringen. Teilweise nehmen auch Zoos die Bäume an. Von der regulären Müllabfuhr werden alte Weihnachtsbäume in der Regel nicht mitgenommen.

Nicht erlaubt ist es, den Weihnachtsbaum einfach im Wald oder einem Park abzulegen. Das gilt als illegale Müllentsorgung. Für die illegale Entsorgung von Weihnachtsbäumen wird je nach Bundesland ein Bußgeld zwischen 25 und 100 Euro fällig. Den Baum zu verbrennen ist auch nicht ratsam: Harz und Saft des Baumes sorgen für eine starke Rauchentwicklung. Den Baum zu kompostieren, ist schwierig, da es sehr lange dauert, bis Tannenbäume verrotten.

Welche Strafen drohen, wenn man seinen Weihnachtsbaum vom Balkon wirft?

Zurück zum Abholtermin: Wie bekommt man den Baum aus der Wohnung auf die Straße? Wer seinen Baum aus dem Fenster oder vom Balkon auf den Gehweg werfen will, sollte dabei sehr vorsichtig sein. Fällt der Baum zum Beispiel auf ein Auto oder einen Passanten, muss derjenige, der ihn geworfen hat, für die Schäden haften. Außerdem sind strafrechtliche Konsequenzen möglich.

„Wirft man den Baum achtlos aus dem Fenster oder vom Balkon und verletzt dabei einen Passanten, macht man sich zumindest der fahrlässigen Körperverletzung schuldig“, sagt Rechtsanwalt Dr. Dirk Lammer, Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Strafrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Dann drohe mindestens eine Geldstrafe.

Hat man die Gefahr für Passanten erkannt und eine Verletzung billigend in Kauf genommen, liegt sogar eine vorsätzliche gefährliche Körperverletzung vor, bei der auch Freiheitsstrafen verhängt werden können. Beschädigungen an Autos oder anderen Balkonen sind Sachbeschädigungen. Zwar ist eine fahrlässige Sachbeschädigung nicht strafbar, für die Schäden, zum Beispiel an Autos oder anderen Balkonen, muss man allerdings immer aufkommen.

Petra Hiller Michael Habeck Uwe Melzer Hans-Günter Knaupp Daniel Rohmeyer

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