Urlaub umbuchen

Reise auf eine andere Person übertragen: Welche Kosten entstehen?

Eine Urlaubsreise verfallen zu lassen, wäre schade. Stattdessen versuchen viele, die Reise auf jemand anderen zu übertragen.
Eine Urlaubsreise verfallen zu lassen, wäre schade. Stattdessen versuchen viele, die Reise auf jemand anderen zu übertragen.

Quelle: Sutiratanachai/gettyimages.de

Zwei Personen buchen eine 10-tägige Reise nach Thailand. Als einer der beiden krank wird, finden sie zum Glück zwei andere Interessierte, die die Reise übernehmen wollen. Doch der Reiseveranstalter stellt sich quer: Um die Reise zu übertragen, seien neue Flugtickets notwendig. Das war den Reisenden und ihren Nachrückern zu teuer, sie stornierten die Reise und mussten dafür 85 Prozent des Reisepreises zahlen. Ist das rechtens? Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe in diesem und einem ähnlichen Fall, in dem es um eine Reise nach Dubai geht, am 27. September entschieden.

BGH: Reiseveranstalter darf hohe Gebühren für Umbuchung verlangen

Die Richter des BGH entschieden zugunsten der Reiseveranstalter. Diese müssten es den Kunden zwar ermöglichen, eine Reise auf eine andere Person umzubuchen. Sie könnten die entstehenden Mehrkosten allerdings auf die Kunden und die Ersatzreisenden umlegen. Dazu zählten gegebenenfalls auch, so die Richter weiter, die Kosten für neue Flugtickets. Denn die Veranstalter seien nicht verpflichtet, ihre Reisen zu so gestalten, dass sie im Bedarfsfall möglich leicht auf andere Personen umzubuchen sind. Das gelte insbesondere für Flugtickets. Hier seien häufig gerade jene die günstigsten, die keine Umbuchung erlauben. Auch wenn es in diesem Fall für die Reisenden meist sehr teuer ist, die Reise umzubuchen, sei das kein Grund, dem Reiseveranstalter die Kosten aufzubürden.

Für Reisende bleibt es also ein teures Unterfangen, Reise kurzfristig auf andere umzubuchen. Lesen Sie hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema:

Wann darf man eine Reise überhaupt auf eine andere Person übertragen?

Dem Gesetz zufolge kann jeder Reisende bis zum Reisebeginn verlangen, „dass statt seiner ein Dritter in die Rechte und Pflichten aus dem Reisevertrag eintritt“. Beispielsweise könnten also zwei Freunde den gebuchten Urlaub den Eltern von einem der beiden überlassen. Der Veranstalter darf das nur verweigern, wenn der Ersatz-Reisende „den besonderen Reiseerfordernissen nicht genügt“. Das geht nur im Ausnahmefall, wie Reiserechtsexperte Felix Methmann vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) erläutert: Unter anderem wenn jemand zu alt oder krank ist für eine Tropenreise oder die notwendigen Impfungen nicht hat.

Wie kann man eine Reise auf eine andere Person übertragen?

Um eine Pauschalreise zum Beispiel bei Krankheit an einen Dritten abzugeben, ist nur wenig Aufwand nötig. Dazu genügt ein einfaches Schreiben, in dem festgehalten ist, wer statt einem selbst in den Reisevertrag eintritt. Die Reise zu übertragen ist bis zum Reisebeginn möglich.

Wichtig dabei ist, dass alter und neuer Reisender als Gesamtschuldner haften, warnt die Verbraucherzentrale NRW. Das bedeutet: Auch wenn der Ersatzurlauber in den Vertrag eintritt, kann sich der Veranstalter für die Zahlung der Reise und eventuelle Mehrkosten für den Austausch der Person an den ursprünglichen Vertragspartner wenden. Zahlt der Ersatzurlauber aus irgendeinem Grund nicht, kann der Veranstalter das Geld also von dem ersten Reisenden verlangen.

Wie hoch dürfen die Kosten sein, wenn eine Reise übertragen wird?

Wer kurzfristig eine Pauschalreise nicht antreten kann, zahlt zwar nicht den vollen Preis, aber meist hohe Storno-Gebühren. Die Prozentsätze, die die Reiseveranstalter in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen nennen, sind nach Auskunft des vzbv allerdings nicht gesetzlich geregelt. Durch die Rechtsprechung im Einzelfall habe sich herauskristallisiert, welche Gebühren angemessen sind. Demnach zahlen abspringende Kunden bis zu 30 Tage vor Reisebeginn in der Regel 20 Prozent des Reisepreises, ab sechs Tage vorher sind es schon 55 und bei Nichtantritt 75 Prozent. Wird die Reise angetreten, aber vorher auf eine Person umgebucht, können die Reiseveranstalter den Reisenden alle Kosten berechnen, die durch die Umbuchung entstehen. Im Zweifel auch ein neues Flugticket.

Weshalb haben die Reisenden geklagt?

Zurück zu den zu verhandelten Fällen: Beide Kläger wollten wegen Krankheit zwei Tage vor der Reise ihre Plätze an Bekannte oder Verwandte abgeben. Das wäre Sie allerdings teuer zu stehen gekommen. Bei Flügen nach Dubai wollte der Veranstalter entweder pro Person 1850 Euro mehr für Sitze in der Business Class oder je 725 Euro für die Umbuchung auf eine andere Verbindung. Die zweite Reise nach Thailand sollte mit neuen Flugtickets knapp 1650 Euro pro Person zusätzlich kosten. Angesichts dieser Kosten stornierten die Kläger jeweils ihre Reisen – wofür sie wiederum 90 beziehungsweise 85 Prozent des Reisepreises berappen mussten. Die Kläger, die die Reise ursprünglich gebucht hatten, klagen darauf, die Reise ohne Storno-Gebühren absagen zu können.

Reise auf andere Personen umbuchen: Wie haben die Vorinstanzen entschieden?

Beide Kläger waren zunächst vor dem Amtsgericht München gescheitert. Das Landgericht gab in der Berufung aber den Reisenden Recht. Nach Auffassung der Richter haben die Veranstalter ihre Vertragspflichten schuldhaft verletzt. Sie hätten die Übertragung der Reise auf Dritte ermöglichen müssen, und zwar zu akzeptablen Bedingungen. Sie sind außerdem der Meinung, dass mit den genannten Mehrkosten nur die Verwaltungsgebühren gemeint sind, die den Reiseveranstaltern für die Umschreibung der Reisebestätigung und die Benachrichtigung der Airline entstehen. Der BGH hat nun die Urteile des Landgerichts aufgehoben und die des Amtsgerichts wiederhergestellt.

Caroline Gebhardt Alexis Brudermann Angelika Schumann-Bengfort Martin Böhlmann Michael Habeck

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