Selbstverteidigung

Ist es erlaubt, Pfefferspray dabei zu haben?

Mit einem Pfefferspray in der Handtasche fühlen sich viele Frauen sicherer.
Mit einem Pfefferspray in der Handtasche fühlen sich viele Frauen sicherer.

Quelle: DAV

Sicherheit auf den Straßen kann man nicht kaufen, zumindest nicht direkt – das Gefühl, sich zur Not verteidigen zu können, schon. Das Mittel der Wahl ist für viele derzeit Pfefferspray. Wann ist es erlaubt und wann sinnvoll? Was potenzielle Nutzer wissen sollten.

Pfefferspray „nur zur Tierabwehr“ darf mitgeführt werden

Pfeffersprays sind in Deutschland in speziellen Waffengeschäften und Online-Shops erhältlich. Wenn sie mit der Aufschrift „nur zur Tierabwehr“ versehen sind, können sie ohne Altersbeschränkung gekauft und mitgeführt werden. „Es mag paradox klingen, aber mit dieser Aufschrift fallen Pfeffersprays nicht unter das Waffengesetz“, erklärt Rechtsanwalt Dr. Patrick Riebe, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Strafrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Anders verhalte es sich bei Sprays, die zur Abwehr von Menschen konzipiert sind. Hier gebe es Altersbeschränkungen für Kauf und Besitz. Nach §3 Abs. 2 Waffengesetz dürfe man solche Sprays ab 14 Jahren kaufen und bei sich haben.

Nur zur Notwehr und Nothilfe erlaubt

Auch die Pfeffersprays „zur Tierabwehr“ sind ausschließlich zur Notwehr – wenn man selbst angegriffen wird – oder Nothilfe – wenn man jemand anderem hilft – erlaubt. „Das gilt für Pfefferspray genauso wie für alle anderen Dinge, die man zur Selbstverteidigung einsetzen kann“, bemerkt Rechtsanwalt Riebe. Da sei zum Beispiel ein Schlüsselband genannt, Holzstücke oder was immer in der jeweiligen Situation gerade zu finden sei.

Keine Notwehr: Einsatz von Pfefferspray ist gefährliche Körperverletzung

Wer ein Pfefferspray einsetzt, ohne in Gefahr gewesen zu sein, begeht eine gefährliche Körperverletzung und macht sich damit strafbar. Das Problem: Im Nachhinein ist oft nicht zweifelsfrei festzustellen, ob man aus Notwehr gehandelt hat oder nicht.

Wendet eine angegriffene Person das Pfefferspray zu lange oder zu intensiv an, kann es sich um einen Notwehrexzess nach § 33 Strafgesetzbuch handeln. Das ist dann der Fall, wenn der Angreifer schon unschädlich gemacht wurde und zum Beispiel schon am Boden liegt, man aber trotzdem aus Angst oder Panik weiter sprüht.

Für die angegriffene Person kann es in dem Moment natürlich schwer feststellbar sein, ob ein Sprühstoß aus der Pfeffersprayflasche ausreichend und ein zweiter womöglich schon zu viel ist. Auch im Nachhinein steht häufig Aussage gegen Aussage. Wenn es wirklich in einem solchen Fall zu einem Strafverfahren käme, würden Personen, die sich eines Notwehrexzesses schuldig gemacht haben, aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht verurteilt.

Angriffen von einem Hund: Pfefferspray im Notfall erlaubt?

Darf man ein Pfefferspray einsetzen, um sich gegen Tiere zu wehren - zum Beispiel gegen einen Hund? „Genau wie gegen einen Menschen darf man Pfefferspray nur gegen einen Hund einsetzen, um einen Angriff abzuwehren“, sagt Rechtsanwalt Andreas Ackenheil. Besteht keine Gefahr, sei es nicht erlaubt.

Ob man das Spray bereits benutzen dürfe, wenn man sich nur bedroht fühlt, zum Beispiel weil ein Hund auf einen zuläuft, komme auf den Einzelfall an. Das Problem: Ob man sich bedroht fühlt oder nicht, sei ein subjektiver Eindruck. Zudem kann es passieren, dass das Spray nicht nur den Hund, sondern auch das Herrchen oder andere Menschen trifft.

Pfefferspray: Einsatz gegen Tiere nicht zu empfehlen

Rechtsanwalt Ackenheil rät sowieso davon ab, Pfefferspray gegen Hunde zu sprühen – auch bei Gefahr: „Wenn ein Hund einen Menschen angreift, bedeutet das, dass er ihn als Bedrohung sieht“, erklärt der Rechtanwalt. Pfefferspray könne den Hund zusätzlich reizen. Er sei dann unberechenbar. Besser ist es da, sich bei Gefahr zum Beispiel groß zu machen, um den Hund abzuschrecken, oder ihn zu treten.

Ähnlich ist es bei Wölfen. Diese sind in der Regel menschenscheu. Trifft man im Wald aber einen Wolf und flüchtet dieser nicht, sondern rennt auf den Menschen zu, darf man sich verteidigen. Bei Lebensgefahr ist es auch erlaubt, Pfefferspray zu nutzen. Rechtsanwalt Ackenheil warnt allerdings auch hier zur Vorsicht. Es sei nicht bekannt, wie ein Wolf reagiere, wenn er durch das Spray gereizt wird.

Fazit: Pfefferspray nur in Notsituationen anwenden

Eine Frage bleibt: Ist es überhaupt sinnvoll, Pfefferspray dabei zu haben? Nicht nur in Zusammenhang mit Hunden wird oft davor gewarnt, dass eine solche Waffe zur Eskalation der Situation beitragen, oder dass der Täter der angegriffenen Person das Spray entreißen kann.

Mit einem Pfefferspray, das man legal mit sich führen darf, ist man insgesamt aber vermutlich sicherer unterwegs als ohne Spray. Und wer sich sicherer fühlt, tritt selbstbewusster auf - sowohl Menschen als auch Hunden gegenüber. Das kann potenzielle Angreifer ebenfalls abschrecken. Wichtig ist in jedem Fall, das Pfefferspray maßvoll und nur in Notsituationen anzuwenden.

Ingo Klaus Wamser Mark Fischer Raphael Banaszkiewicz Heike Luttmer-Schmidt Insa Peters-Rehwinkel

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