Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Famili­en­recht-Blog

Verbotene Vornamen: „Waldmeister“ geht zu weit

Eltern haben das Recht, ihrem Kind einen Namen zu geben. Standesämter dürfen den wiederum aber auch ablehnen. © Quelle: Benoist/corbisimages.com

Als wäre es ein Natur­gesetz: Eltern haben das Recht, die Vornamen ihrer Kinder zu bestimmen. Der Gesetz­geber begreift das als Teil ihrer elter­lichen Sorge. Aller­dings gilt auch hier: Keine Regel ohne Ausnahmen, kein Gesetz ohne Schranken: So dürfen Standesämter Namen ablehnen, wenn die die Gefahr bergen, das Kind der Lächerlichkeit preis­zu­geben. Das Beispiel „Waldmeister“ und warum den Richtern dieses Namens­ex­pe­riment zu weit ging.

Der Sachverhalt: Die Eltern des am 12.7.2010 geborenen Sohnes beantragten die Eintragung der Vornamen T.M. Waldmeister. Nachdem der zuständige Standesbeamte die Beurkundung des Namens ablehnte, weil er die Auffassung vertrat, dass Waldmeister eine Pflanzenbezeichnung und eine Assoziation für Getränke und Speisen sei, legten die Eltern Widerspruch ein. Nach ihrer Auffassung impliziere der Name vor allem Naturverbundenheit. Der Widerspruch wurde vom zuständigen Amtsgericht (AG) Bremen abgewiesen. Das AG vertrat die Auffassung, dass die Eltern zwar grundsätzlich frei seien in ihrer Namensgebung, sie aber das Kind nicht der Lächerlichkeit Preis geben dürften, was bei diesem Namen der Fall sei. Das AG half der Beschwerde der Eltern nicht ab, daher hatte sich das OLG Bremen mit dem Fall zu beschäftigen.

Auch das OLG Bremen betonte, dass Eltern grundsätzlich frei seien in ihrem Namens­be­stim­mungs­recht, aber eine Beeinträchtigung des Kindes­wohls durch verant­wor­tungslose Namenswahl zu verhindern sei. Das OLG geht davon aus, dass der gewählte Vorname die nahelie­gende Gefahr begründe, er werde Befremden oder Anstoß erregen und den Namensträger dadurch der Lächerlichkeit preis­geben oder ihn in der Entfaltung seiner Persönlichkeit beeinträchtigen.

Ein Name solle die Bezeichnung für einen Menschen erkennen lassen und nicht im Allge­meinen eine Bezeichnung für Gegenstände, Pflanzen, Städte, Krank­heiten usw. sein. Das Wort „Waldmeister“ sei aber eine Bezeichnung für Speiseeis, eine Geschmacks­richtung für Limonade, einem Beruf oder einer Pflanze und daher als Vorname für einen Menschen nicht geeignet.

Der Entscheidung der Gerichte ist voll und ganz zuzustimmen. Auch wenn Berühmtheiten ausge­fallene Nachnamen für Ihre Kinder wählen (z.B. Apple Blythe Allison -  Tochter von Gwyneth Paltrow, Maddox Chivan – Kind von Angelina Jolie und Brad Britt, Poppy Honey – Sohn von Jamie Oliver), sollten derart Trend­namen nicht zugelassen werden, um die Kinder nicht der Lächerlichkeit Preis zu geben. Nicht die Eltern, sondern die Kinder sind die Leid tragenden.

Viola Lachenmann ist Fachanwältin für Familienrecht und berät zudem als Fachanwältin für IT-Recht im Internetrecht, Softwarerecht, Urheberrecht und Datenschutzrecht. Sie betreibt einen eigenen Blog, der unter www.kanzlei-lachenmann.de/blog aufzurufen ist. Für die Deutsche Anwaltauskunft bloggt Frau Lachenmann regelmäßig zum Thema Familienrecht.

Themen
Eltern Geburt Kinder Sorgerecht

Zurück