Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Getrennte Eltern

Umgangs­recht: Übernachtung beim anderen Elternteil gegen Kindes­willen?

Umgangsrecht: Dazu gehört oft auch, dass das Kind beim umgangsberechtigten Elternteil übernachtet. © Quelle: Short/gettyimages.de

Üblicher­weise umfasst das Umgangs­recht auch, dass ein Kind bei dem umgangs­be­rech­tigten Elternteil, dem Vater oder der Mutter, übernachten darf. Eine solche Umgangs­re­gelung entspricht meist dem Kindeswohl. Was ist aber, wenn das Kind nicht beim Vater oder der Mutter übernachten möchte?

In Trennungs- oder Scheidungsfamilien ist es ein großes Thema: Wie sieht das Umgangsrecht des Elternteils aus, bei dem das Kind nicht hauptsächlich wohnt? Hier zeigen sich viele Fragen, zum Beispiel: Welche Regelungen sieht das Umgangsrecht für ein Kleinkind vor? Wie lange bleibt das Kind beim umgangsberechtigten Elternteil? Gehören Übernachtungen zum Umgangsrecht? Muss ich mein Kind beim Vater übernachten lassen?

Das Oberlan­des­ge­richt Brandenburg hat zum Thema Umgangs­recht und Übernach­tungen entschieden, dass man bei Fragen rund um das Umgangs­recht grundsätzlich auch den Willen eines Kindes berücksich­tigen muss. Das gilt auch für den Fall, dass das Kind immer wieder erklärt, zwar Umgang mit dem anderen Elternteil haben zu wollen, aber nicht dort übernachten möchte (Urteil vom 7. August 2015, AZ: 9 UF 8/10.

Trennung, Scheidung, Umgangs­recht: Antrag auf Umgang mit Übernachtung

Über den Fall, der dem Urteil zugrunde liegt, berichtet die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Danach trennten sich die Eltern nach der Geburt des 2007 geborenen Jungen. Nach einem Sorgerechtsverfahren  lebt das Kind seit 2012 beim Vater. Ende 2012 begehrte die Mutter eine gerichtliche Umgangsregelung. Trotz verschiedener Vereinbarungen hatte das Kind nur wenig persönlichen unbegleiteten Umgang mit ihr und hatte dort auch nur einmal übernachtet. Seit April 2014 war der Umgang faktisch unterbrochen.

Im Jahr 2015 beantragte die Mutter einen Umgang alle zwei Wochen am Woche­nende von Freitag bis Sonntag. Des Weiteren wollte sie Ferie­numgang haben. Bei der Anhörung erklärte das Kind, zwar Umgang mit ihr haben zu wollen, aber nicht bei ihr übernachten möchte.

Trennungs- und Schei­dungs­fa­milien: Gehört eine Übernachtung immer zum Umgangs­recht?

Die Richter bestätigten, dass Übernach­tungen eines achtjährigen Kinds beim umgangs­be­rech­tigten Elternteil in der Regel dem Kindeswohl entsprechen. Erst dadurch werde der umgangs­be­rech­tigte Elternteil zu mehr als einem „Sonntag­s­el­ternteil". Daher müssten Umgangs­re­gelung ohne Übernach­tungen besonders begründet werden, erläuterte das Gericht.

Solche beson­deren Umstände sahen die Richter hier aber gegeben. Zum einen gab es seit 2012 wenig persönlichen Kontakt zur Mutter. Weiterhin habe der Junge erst einmal dort übernachtet. Seit 2014 sei der Kontakt fast ganz abgebrochen. Das Gericht berücksich­tigte auch den Wunsch des Jungen. Er wolle grundsätzlich Umgang mit der Mutter haben, lehne es aber konse­quent ab, bei ihr zu übernachten. Daher entspreche es in diesem Fall dem Kindeswohl am besten, wenn das Kind nicht bei ihr übernachte.

Getrennte Eltern und Umgangs­recht: Müssen Kinder und Jugend­liche bei Gericht angehört werden?

Ab dem vollen­deten 14. Lebensjahr müsse das Gericht Kinder persönlich anhören. Bei jüngeren Kindern sei es möglich, wenn die Neigungen, Bindungen oder der Wille des Kindes für die Entscheidung von Bedeutung seien. Dann könne das Kind ab dem dritten Lebensjahr angehört werden, um eine gute Umgangs­re­gelung zu finden.

Bei einer Trennung und Scheidung sind alle konkreten Folgen zu bedenken, eben auch alle Fragen rund um gemeinsame Kinder. Eine einmal festge­stellte Umgangs­re­gelung muss dabei nicht für alle Zukunft gelten. Man kann eine Änderung beantragen. Hierbei sollte man sich aller­dings von einer Rechtsanwältin oder einem Rechts­anwalt für Famili­en­recht beraten und vertreten lassen.

Themen
Eltern Familie Kinder Trennung Umgangsrecht

Zurück

Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

zur
Startseite