Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Geld

Trennung und Scheidung: Wer zahlt die Schulden?

Trennt sich ein Paar, muss es manchmal auch klären, wer für die Schulden aufkommt. © Quelle: Grill/Tetra Images/corbisimages.com

Wer muss für Kredite oder andere Schulden aufkommen, wenn sich ein Ehepaar trennt? Müssen die Ex-Partner sich zu gleichen Teilen an offenen Zahlungen betei­ligen?

Eine Ehe soll ewig halten, doch die Realität sieht bekanntlich anders aus. Denn viele Paare halten es nur einige Jahre mitein­ander aus und gehen dann getrennter Wege. Fast 170.000 Paare ließen sich im Jahr 2014 scheiden.

Eine Scheidung, aber auch schon die Trennung, stellt die ehemaligen Partner vor viele und vor allem finanzielle Fragen. Dabei müssen sie zum Beispiel klären, wer den Unterhalt für die gemeinsamen Kinder und den ehemaligen Partner zahlt oder wie sie das Geld und Vermögen unter sich aufteilen. Häufig müssen sie auch festlegen, wer für die Schulden aufkommt, die sie in ihrer Ehe womöglich aufgehäuft haben.

Wer haftet für die Schulden, die der Partner mit in die Ehe bringt?

Dabei ist wichtig zu wissen, dass es zwischen Ehegatten einen „Haftungs­aus­schluss“ gibt. In einer Ehe haftet also nicht jeder der Partner automa­tisch für die Schulden des anderen. Das gilt auch dann, wenn sich das Paar trennt oder sich scheiden lässt. Die Schulden des Ex muss man also nicht unbedingt tilgen. Ein Beispiel:

Wenn einer der Partner vor der Heirat Schulden aufhäuft und diese mit in die Ehe bringt, werden in der Ehe daraus keine gemeinsamen Verbindlichkeiten. Der verschuldete Partner bleibt zumindest rechtlich gesehen allein für sie verantwortlich und muss sie abzahlen – auch nach einer Trennung. „Diese Regel gilt auch dann, wenn die Eheleute keine Gütertrennung vereinbart hatten, sondern im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben“, sagt der Rechtsanwalt Burkhard Bühre von der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Ähnlich ist es, wenn einer der Partner während der Ehezeit Schulden aufnimmt und dabei die Schuld- oder Darle­hens­verträge allein unter­zeichnet. Auch in dem Fall ist nur er Vertrags­partner und muss die Verbind­lich­keiten daher auch allein tilgen – in der Ehe und nach ihrem Ende.

Wie teilen sich gemeinsame Schulden zwischen den Ex-Partnern auf?

Anders sieht es aber aus, wenn die Partner in der Ehezeit gemeinsam Darlehen aufnehmen und beide die Verträge unter­schreiben. „In diesem Fall haften auch beide für Verbind­lich­keiten“, sagt Rechts­anwalt Burkhard Bühre. „Die Pflicht, gemeinsame Schulden abzuzahlen, greift auch nach einer Trennung oder Scheidung.“

Rechtlich gesehen müssen sich ehemalige Partner unter­ein­ander zu gleichen Teilen daran betei­ligen, die gemein­samen Schulden zu tilgen. Doch mancher Ex-Partner schafft das finan­ziell nicht, so dass die Tilgung der Schulden am anderen hängen bleibt. Denn Gläubiger können sich auch nur an einen der Ex-Partner wenden und das ausste­hende Geld von diesem verlangen, wenn dieser finanzstärker ist.

Gibt es einen Ausgleich für die Tilgung von Schulden?

In solchen Fällen hat der zahlende Ex-Partner das Recht, einen Ausgleich für seine einseitige finan­zielle Leistung zu verlangen. Diese kann unter­schiedlich aussehen: „Derjenige, der die Schulden allein abzahlt, kann die Summe unter Umständen von seinem Einkommen abziehen, so dass sich der Unterhalt für den ehema­ligen Partner und/oder die Kinder verringert“, sagt Rechts­anwalt Burkhard Bühre. „Denkbar ist auch, dass jemand als Gegen­leistung zur Tilgung das Recht erhält, allein im gemein­samen Haus zu wohnen.“

Es hängt also auch von den individuellen Umständen der ehemaligen Gatten ab, welcher finanzielle Ausgleich zwischen ihnen greifen kann. Den Ausgleich können die Partner individuell vereinbaren oder im Streitfall vom Familiengericht im Rahmen des sogenannten Zugewinnausgleichs ermitteln lassen.

Übrigens: Auch wer keine gemein­samen Verbind­lich­keiten abzahlt, sondern dieje­nigen, die er allein vor oder während der Ehe aufge­nommen hat, kann diese unter Umständen im Zugewin­n­aus­gleich geltend machen. Auch „alleinige“ Schulden mindern also unter Umständen das Einkommen und Vermögen und damit mögliche Ansprüche auf Unterhalt.   

Wenn Sie Fragen zum Thema Trennung, Scheidung und Schulden haben - in unserer großen Anwaltssuche finden Sie kompetente Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, die Sie gern beraten.

Themen
Ehe Familie Scheidung Schulden Trennung

Zurück