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Kleiner Prellbock

Scheidung: Trennungs­schmerz versus Kindeswohl

Das Wohl ihrer Kinder verlieren im Sorgerechtskrieg manchmal aus dem Blick. © Quelle: WavebreakmediaMicro/ panthermedia.net

Die Gespräche sind längst versiegt, Anwälte müssen vermitteln: Wenn Eltern sich trennen, überlagert der Konflikt oft das Mitein­ander. Über das Kindeswohl muss im Härtefall dann im Prozess gerichtet werden. Sorge und Umgang sollen dabei nicht an den Kindern vorbei entschieden werden. Im Zweifel setzt sich ein eigener Anwalt für sie ein.

Olympia lässt Bode Miller glänzen. Noch vor kurzem wegen einer Verletzung nieder­ge­rafft, fährt der Ski-Rennläufer in Sotschi inzwi­schen wieder Bestzeiten. In den Schlag­zeilen war Miller zuletzt aller­dings wegen einer anderen Sache: einer Kurzzeit­be­ziehung zu einer Frau, die von ihm schwanger wurde. Nach der Trennung wollte Miller davon zunächst nichts mehr wissen. Er heiratete eine andere Frau. Dann kam sein Sohn zur Welt. Miller erstritt sich das Sorge­recht und auch, seinem Kind einen weiteren Namen geben zu dürfen: Nate. So nennt er ihn – im Gegensatz zur Kinds­mutter. Für sie ist der Junge Sam.

Eltern dürfen im Alleingang nicht Kinder­namen ändern

Inge Saathoff von der Arbeits­ge­mein­schaft Famili­en­recht im Deutschen Anwalt­verein (DAV) ist ein solcher Fall noch nicht unter­ge­kommen. Hierzu­lande seien die Hürden hoch aufgehängt, den Namen eines Kindes nach einer Trennung zu ändern. „Es steht einem Vater wohl frei, sein Kind bei einem anderen Namen zu rufen als dessen Mutter“, sagt die Famili­en­recht­lerin. Sie denke hier vor allem an einen Kosenamen. Im Alleingang dürfe ein Elternteil aber nicht über den Namen eines Kindes entscheiden. Bei gemein­samem Sorge­recht müsse ein Konsens über die Namensänderung zwischen beiden Eltern bestehen. Das gelte sowohl für den Vor- als auch für den Nachnamen.

elter­liche Sorge

Das Recht und die Pflicht der Eltern (oder eines Eltern­teils), für das minderjährige Kind zu sorgen (§§ 1626 ff. BGB). Die elter­liche Sorge umfasst die Personen- und die Vermögenssorge.1) Wesen des Rechts: Die elter­liche Sorge begründet nicht nur ein famili­en­recht­liches Rechtsverhältnis, sondern bildet auch ein absolutes Recht (sonstiges Recht im …

Cordula Lasner-Tietze vom Deutschen Kinder­schutzbund weiß aus ihrer Erfahrung: „Wenn Eltern während ihrer Trennung eine Beratungs­stelle aufsuchen, sind die Gespräche häufig von Paarkon­flikten überlagert.“ Sorge­rechts­fragen stünden dem Streit hinten an.

Ab 14 Jahren dürfen Kinder mitsprechen und sich beschweren

Um sicher­zu­stellen, dass Kinder in einem Sorge- und Umgangs­rechtss­treit nicht übergangen werden, sieht das deutsche Recht vor, dass sie vor Gericht angehört werden. Ab 14 Jahren besteht eine Pflicht dazu. Wenn zum Beispiel die Eltern eines 14-Jährigen beschließen, die alleinige Sorge wird auf die Mutter übertragen – darf ihr Kind dem widesprechen. Ebenso dürfte es eine Beschwerde einlegen, wenn das Gericht über das Sorge­recht gegen seinen Willen entschieden hat.

Nicht selten, berichtet Saathoff, würden aller­dings bereits Kinder im Kinder­gar­ten­alter befragt. „Inwieweit diese Anhörungen für die Entscheidung relevant sein können, hängt dann davon ab, wie weit das Kind jeweils im Einzelfall entwi­ckelt ist“, so die Rechtsanwältin.

Schei­dungen dürfen wegen Kindern vereitelt werden

Das Kindeswohl betrachten Richter nicht ausschließlich mit Blick auf Sorge- und Umgangs­rechte. Das deutsche Recht sieht in einer sogenannten Härteklausel vor, dass eine Ehe nicht geschieden werden darf, wenn „im Interesse der aus der Ehe hervor­ge­gangen minderjährigen Kinder aus beson­deren Gründen die Scheidung abzulehnen ist“, sagt Rechtsanwältin Saathoff. Dieser besondere Grund könne vorliegen, wenn das Kind ernst­hafte Selbst­mord­ab­sichten habe.

Einen eigenen Anwalt fürs Kind vor Gericht

Haben Richter den Eindruck, Kinder würden in einem Sorge­rechtss­treit nicht ausrei­chend bedacht, können sie ihnen einen eigenen „Anwalt“ zur Seite stellen. Im Prozess vertritt Kinder dann ein sogenannter Verfah­rens­pfleger, der ihnen Gehör verschafft – wenn ihre Sorgen vom Streit der Eltern überlagert werden. Auf diesen „Anwalt der Kinder“ können auch das Jugendamt oder die jewei­ligen Rechtsanwälte der Eltern dringen.

Beratungs­stellen für Schei­dungs­kinder

Wenn die eigenen Eltern nicht mehr ansprechbar sind, können sich Kinder auch extern Hilfe holen. Anlauf­stellen können der Deutsche Kinder­schutzbund, Famili­en­be­ra­tungs­stellen oder zum Beispiel die Caritas sein. Wer sich hier meldet, muss nicht fürchten, dass sein Fall öffentlich wird. Famili­en­hilfen sind wie Ärzte zum Schweigen verpflichtet.

Themen
Kinder Scheidung Sorgerecht

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