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Familien

Kindes­un­terhalt: Fragen und Tipps für getrennte und geschiedene Eltern

Eltern müssen ihren Kinder manchmal Unterhalt bis ins Erwachsenenalter zahlen. © Quelle: Zovoilis/gettyimages.de

Wenn sich Eltern trennen oder scheiden lassen, steht den Kindern Unterhalt in einer bestimmten Höhe zu. Den Anspruch auf Unterhalt hat ein Kind auch dann, wenn die Eltern nicht mitein­ander verhei­ratet waren. In diesem Überblick zeigen wir die wichtigsten recht­lichen Regeln beim Kindes­un­terhalt.

Scheidung oder Trennung der Eltern: Steht Kindern Unterhalt zu?

Eltern sind verpflichtet, für ihre leiblichen Kinder zu sorgen. Im Alltag leben Familien diesen Grundsatz ganz selbst­verständlich, aber das kann sich ändern, wenn Eltern sich trennen. Denn dann sorgen Fragen nach der finan­zi­ellen Versorgung der Kinder oft für Streit zwischen den ehema­ligen Partnern.

Allerdings ist die Rechtslage beim Kindesunterhalt eindeutig: „Ein Kind hat immer Recht auf Unterhalt, auch wenn seine Eltern sich trennen“, sagt die Rechtsanwältin Eva Becker von der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). „Dieses Recht gilt unabhängig davon, ob die Eltern miteinander verheiratet waren oder nicht.“ Bei unverheirateten Paaren muss der Vater das Kind aber anerkannt oder ein Gericht die Vaterschaft festgestellt haben, damit der Anspruch des Kindes auf Unterhalt greifen kann.

Kind und Unterhalt: Wer muss den Kindes­un­terhalt zahlen?

§ 1629 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) legt fest, dass derjenige Elternteil den sogenannten Barunterhalt für das Kind zahlen muss, bei dem es nicht hauptsächlich lebt. Das kann der Vater oder die Mutter sein.

Nach Trennung oder Scheidung: Kindes­un­terhalt trotz Wechselm­odell?

Die Frage nach dem Kindesunterhalt kann sich auch stellen, wenn die Eltern das Kind nach der Trennung gleichberechtigt betreuen und zum Beispiel ein sogenanntes Wechselmodell praktizieren. Dabei wohnt das Kind zum Beispiel in der einen Woche beim Vater und in der anderen bei der Mutter. Wenn die Elternteile unterschiedlich hohe Einkommen verdienen, kann es sein, dass dem Kind Unterhalt zusteht. 

Wie berechnet man den Kindes­un­terhalt?

Die Höhe des Kindes­un­ter­halts hängt davon ab, wie viele Kinder ein Unter­halts­pflich­tiger alimen­tieren muss und wie alt die Kinder sind. Die rechne­rische Grundlage für den Kindes­un­terhalt bildet das sogenannte unter­halts­re­le­vante Netto­ein­kommen.

Kindes­un­terhalt: Wie hoch ist der Selbst­behalt?

Das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen ist das Einkommen, das über den sogenannten Selbstbehalt hinausgeht. Der Selbstbehalt ist das Existenzminium eines Menschen, ein Betrag, der dem eigenen Lebensunterhalt dient und zum Beispiel nicht in die Berechnung des Kindesunterhaltes einfließt. Aktuell liegt der Selbstbehalt bei 1.080 Euro im Monat für einen erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen. In diesem Text finden Sie die aktuellen Höhen der Selbstbehalte insgesamt.

Kindes­un­terhalt nach Trennung und Scheidung: Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

Die Düsseldorfer Tabelle legt in zehn Einkommens- und vier Alter­s­stufen die Höhe des Kindes­un­ter­halts fest. Diese Sätze gelten bundesweit, definiert werden sie von den Oberlan­des­ge­richten und dem Deutschen Famili­en­ge­richtstag. Sie aktua­li­sieren die Düsseldorfer Tabelle alle zwei Jahre. Die Düsseldorfer Tabelle gilt nur eingeschränkt für überdurch­schnittlich gut Verdie­nende, denn diese müssen oft mehr Unterhalt zahlen, als die Tabellensätze vorsehen.

Diese Tabelle zeigt den Mindestunterhalt für Kinder ab Januar 2017.

Kindes­un­terhalt: Was muss man davon bezahlen?

Nachhilfe, Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung oder beispielsweise Studiengebühren sind nicht mit dem Kindesunterhalt abgegolten, sondern fallen unter den sogenannten Mehrbedarf. Den Mehrbedarf müssen die Unterhaltspflichtigen zusätzlich zum Kindesunterhalt zahlen. Außerdem kommt manchmal noch ein Sonderbedarf hinzu, also  meist einmalige, hohe Ausgaben. Was darunter fällt, entscheidet sich im Einzelfall.

Getrennte Eltern: Kann man den Kindes­un­terhalt einklagen?

Ja. Man kann den Unterhalt für ein Kind einklagen. Dazu sollten sich Betroffene am besten anwaltlich beraten lassen, denn bei einer Klage ist einiges zu beachten – von Unterhaltstiteln beim Jugendamt bis zur Frage, ob man Kindesunterhalt auch rückwirkend erhalten kann.

Kindes­un­terhalt: Wird das Kindergeld angerechnet?

Ja. In der Regel überweist die Familienkasse das Kindergeld dem Elternteil, bei dem das Kind lebt. Da das Kindergeld rechtlich aber beiden Eltern zusteht, wird es zur Hälfte auf den Kindesunterhalt angerechnet. Bei Volljährigen wird das komplette Kindergeld angerechnet.

Kindes­un­terhalt: Bekommen volljährige Kinder Unterhalt?

Ja. auch für Kinder, die volljährig sind, ist Unterhalt fällig. Außerdem wird ab dem 18. Geburtstag auch das Einkommen des anderen Eltern­teils beim Kindes­un­terhalt berücksichtigt und das komplette Kindergeld abgezogen.

Dauer des Kindes­un­ter­halts: Wie lange muss man Unterhalt zahlen?

„Eltern können bis ins Erwach­se­nen­alter ihres Kindes unter­halts­pflichtig sein“, sagt die Famili­en­rechts­ex­pertin Eva Becker. „Zum Beispiel steht Kindern, die zu Hause wohnen und noch zur Schule gehen, bis zum 21. Geburtstag Unterhalt nach den für Minderjährige geltenden Regeln zu.“

Kindes­un­terhalt während des Studiums oder einer Ausbildung?

Ähnlich wie bei dem Kindesunterhalt für Volljährige, sehen die Regeln für den Unterhalt von Kindern aus, die noch studieren oder eine Ausbildung absolvieren: Auch während des Studiums oder einer Ausbildung dürfen Kinder Unterhalt verlangen.

Kindes­un­terhalt und Regress: Unterhalt zurückzahlen?

Nach einem Gesetz­entwurf von Bundes­jus­tiz­mi­nister Heiko Maas, den das Bundes­ka­binett Ende August 2016 beschlossen hat, könnte eine Rückzahlung von Unterhalt drohen, wenn das Kind nicht vom Unter­halts­zahler stammt, dieser das aber geglaubt und Unterhalt für das Kind gezahlt hat. Künftig können Scheinväter gegenüber Müttern in Regress gehen und Unterhalt zurückfordern. Der Regress­an­spruch soll aber auf zwei Jahre begrenzt werden. Mütter selbst sollen nach Maas' Gesetz­entwurf eine Auskunfts­pflicht gegenüber Scheinvätern haben und den Namen des leiblichen Kindes­vaters nennen müssen. 

Themen
Jugendliche Kinder Scheidung Trennung Unterhalt

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