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Getrennte Familien

Gefährdung des Kindes­wohls: kein gemein­sames Sorge­recht

Kann eine gemeinsame elterliche Sorge das Kindeswohl gefährden? © Quelle: Westend61/gettyimages.de

Nach einer Trennung streiten Mütter und Väter nicht selten erbittert um das elter­liche Sorge­recht für die Kinder. Eine gemeinsame Sorge der beiden Eltern­teile ist nur dann möglich, wenn sie dem Kindeswohl nicht schadet.

Die gemeinsame elterliche Sorge ist für ein Kind wünschenswert – in den meisten Fällen zumindest. Wann eine gemeinsame elterliche Sorge nicht angebracht ist, zeigt der folgende Fall: Nachdem sich die nicht verheirateten Eltern getrennt hatten, lebte der Sohn bei der Mutter. Diese hatte das alleinige Sorgerecht, der Vater hatte ein Umgangsrecht. Er beantragte nach der Trennung jedoch die gemeinsame elterliche Sorge. Darüber hinaus erstrebte er das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind.

Sein Antrag auf gemeinsame elter­liche Sorge blieb in beiden Instanzen erfolglos. Nachdem das Oberlan­des­ge­richt Hamm ein famili­en­psy­cho­lo­gi­sches Sachverständigen­gut­achten eingeholt und die beiden Eltern­teile persönlich angehört hatte, kam es zu dem Ergebnis, dass die gemeinsame elter­liche Sorge dem Kindeswohl wider­spreche (Entscheidung vom 24. Mai 2016; AZ: 3 UF 139/15).

Die Mutter und der Vater seien nach wie vor vollkommen zerstritten. Die beiden Eltern­teile würden ihr eigenes Verhalten nicht reflek­tieren und seien nicht in der Lage, aufein­ander zuzugehen. Eine gemeinsame Aufent­halts­re­gelung sei deswegen ebenso wenig möglich: Die Eltern­teile könnten sich schon nicht über den Alltags­auf­enthalt ihres Sohnes einigen.

Getrennte Eltern und Sorge­recht: Wem steht die elter­liche Sorge zu?

Das elterliche Sorgerecht stehe nach dem Gesetz zunächst allein der Mutter zu. Beantrage ein Elternteil das gemeinsame Sorgerecht, könne dies auf Vater und Mutter übertragen werden, sofern es dem Kindeswohl nicht widerspreche. Eine solche Übertragung setze allerdings voraus, dass zwischen Mutter und Vater „eine hinreichend tragfähige soziale Beziehung“ bestehe und ein Mindestmaß an Übereinstimmung. Außerdem müssten beide Elternteile eine grundsätzliche Fähigkeit zum Konsens haben. Das alles sei im vorliegenden Fall nicht gegeben.

Gemeinsame Sorge und Kindeswohl: Eltern müssen zusam­men­ar­beiten

Die Richter wiesen darauf hin, dass es sich bei der erstmaligen Anordnung der gemeinsamen elterlichen Sorge um eine so genannte Prognoseentscheidung handele, da ja noch keine Erfahrungswerte vorliegen könnten. Vor diesem Hintergrund dürften die Hürden für eine solche gemeinsame elterliche Sorge nicht zu hoch angesetzt werden. Fehle es jedoch an der Bereitschaft zu Zusammenarbeit und Kommunikation von Mutter und Vater und sei auch mit professioneller Unterstützung hier keine Besserung zu erwarten, sei das alleinige Sorgerecht der Mutter vorzuziehen. Hier könne bereits eine ‚Probephase’ dem Kind und dem Kindeswohl schaden.

Trennungsfamilien sollten sich in Fragen des Sorgerechts, aber auch bei anderen Themen an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt für Familienrecht wenden.

Themen
Ehe Eltern Kinder Sorgerecht Trennung

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