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Schule und Familie

Fehlender Schul­besuch gefährdet das Wohl von Kindern

Eltern sind verpflichtet, ihre Kinder zur Schule zu schicken. © Quelle: Hutchinson/gettyimages.com

Eltern müssen dafür sorgen, dass ihr Kind regelmäßig die Schule besucht. Kommen sie dieser Pflicht nicht nach, können sie zumindest teilweise das Sorge­recht verlieren. Das gilt auch, wenn ein Kind hochbegabt ist, sich auffällig verhält und „unbeschulbar" ist. Verhindert die Mutter etwa, dass das Kind begut­achtet wird, droht ihr ein teilweiser Entzug des Sorge­rechts.

Sind Hochbe­ga­bungen für Kinder und ihre Familien ein Fluch oder ein Segen? Diese Frage stellt sich besonders eindrücklich bei in Fall, mit dem sich das Oberlan­des­ge­richt Hamm befasst hat: Gutachter hatten einem Jungen eine Hochbe­gabung im Bereich "Funktionen abstra­hieren" attes­tiert. Deshalb besuchte er eine andere Grund­schule als eigentlich vorge­sehen. In dieser Schule betreute eine Integra­ti­ons­kraft das Kind und förderte es sonderpädagogisch besonders in seiner emotio­nalen und sozialen Entwicklung. Aller­dings endete diese Hilfe im zweiten Schuljahr, weil es zum Streit zwischen der Mutter und dem „Institut zur Fo(e)rderung beson­derer Begabungen“ kam. Das Institut stellte den Integra­ti­ons­helfer.

Nachdem diese Hilfe endete, gingen die massiven Probleme des Jungen in der Schule weiter: Er gefährdete sich und andere, war unkonzentriert, unruhig und vergesslich. Rund 30 Gespräche führte die Schulleitung mit der Mutter, doch diese blieben erfolglos. Die Mutter, die das alleinige Sorgerecht hatte, lehnte es ab, ihren Sohn stationär einweisen zu lassen. Ein Umzug an einen anderen Ort und damit ein Wechsel der Schule änderten nichts an den Problemen des Jungen, der nicht mehr regelmäßig zur Schule ging.

Die Mutter lehnte es ab, das Kind in eine Tagesklinik aufnehmen zu lassen, auch eine sozialpädagogische Familienhilfe ließ sie nicht zu. Schließlich ging der Junge gar nicht mehr zur Schule, die Mutter reichte jede Woche ärztliche Atteste ein.

Zuneh­mende Gefahr für das Wohl des Kindes

Die Richter des Oberlan­des­ge­richtes Hamm stellten in diesem Fall fest: Das Wohl des Kindes sei gefährdet. Dies verstärke sich täglich durch den fehlenden Schul­besuch. Mit einer einst­wei­ligen Verfügung entzogen die Richter der Mutter das Sorge­recht für die Bereiche Schulan­ge­le­gen­heiten und Gesund­heitsfürsorge. Und sie entzogen ihr das Recht, zu bestimmen, wo sich der Junge aufhalten soll. Damit wollten die Richter sicher­stellen, dass das Kind stationär in einer Klinik unter­kommen könnte, um es dort eventuell begut­achten zu lassen. Die Richter meinten, ein Gutachten könne eventuell für das Haupt­sa­che­ver­fahren nötig werden. In diesem Verfahren würde es um die Frage gehen, ob der Kindes­mutter das Sorge­recht in diesen Bereichen dauerhaft, aber vielleicht auch für andere Bereiche zu entziehen sei.

Mutter koope­rierte nicht

Bedingung dafür, der Mutter das Sorge­recht zu entziehen, sei eine Gefährdung des Kindes­wohls, erläuterten die Richter. Es müsse eine derartige Gefahr vorliegen, dass sich – sollte die bisherige Entwicklung des Jungen so weiter­gehen - eine erheb­liche Schädigung seines geistigen, seeli­schen oder körperlichen Wohls mit großer Sicherheit voraus­sehen lasse.

Im vorlie­genden Fall resul­tiere die Gefährdung des Kindes­wohles daraus, dass der Junge die Schule nicht besuche und die Mutter den Schul­besuch nicht gewährleiste. Sie mache es sich zu einfach, wenn sie die Schwie­rig­keiten ihres Sohnes auf Schul­pro­bleme reduziere und als Grund hierfür seine Hochbe­gabung anführe. Diese Gabe erkläre zum Beispiel nicht, warum der Junge kaum belastbar und bereits nach rund zwei Stunden erschöpft sei. Alle Fachleute hätten empfohlen, diese Auffälligkeit diagno­s­tisch abklären zu lassen. Das habe die Mutter verhindert und etwa abgelehnt, den Jungen stationär in eine Klinik aufnehmen zu lassen. Sie habe in der Folgezeit bis auf Lippen­be­kennt­nisse nichts für eine diagno­s­tische Abklärung getan und sich auch weiteren Hilfen verweigert (AZ: II-4 UFH 1/14, 4 UFH 1/14).

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Kinder Schule Sorgerecht

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