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Famili­en­recht-Blog

Eltern trennen sich – wer hilft den Kindern?

Besonders Kinder unter drei Jahren benötigen im Falle einer Trennung oftmals einen Verfahrensbeistand. © Quelle: Westend61/gettyimages.de

Vor dem Famili­en­ge­richt haben die Mutter und der Vater jeweils einen Anwalt, der ihre Inter­essen schützen soll. Wie sieht es mit den Kindern aus? Haben sie auch einen Anwalt?

Ja, das Gericht kann einen Verfah­rens­bei­stand bestellen, den „Anwalt des Kindes­in­ter­esses“.

Das Gericht bestellt für das Kind gemäß § 158 FamFG dann einen Verfah­rens­bei­stand, wenn im Falle eines Inter­es­sen­kon­flikts zwischen Eltern und Kind die einseitige Vertretung des Kindes ermöglicht werden soll. Dabei soll dem Willen des Kindes und seiner Inter­essen Rechnung getragen werden. Das Kind soll als Subjekt wahrge­nommen werden und nicht als „Verfah­rens­ge­gen­stand“ zwischen den Eltern und deren Anwälten verhandelt werden. Der Verfah­rens­bei­stand ist ausschließlich im Interesse der Kinder tätig.

In jedem famili­en­ge­richt­lichen Verfahren, in dem die Kindes­in­ter­essen berührt sind, kann ein Verfah­rens­bei­stand bestellt werden, z. B. in Verfahren der elter­lichen Sorge, des Umgangs­rechts, der Herausgabe des Kindes oder der Vormund­schaft.

Wie geht der Verfah­rens­bei­stand vor? Er/sie redet mit den Kindern allein und bereitet sie auf das Verfahren vor, außerdem spricht er/sie mit beiden Eltern. Er/sie verschafft sich ein Bild von den Kindern in ihrem sozialen Umfeld, von ihren Inter­essen, Fähigkeiten, Bindungen zu den Eltern und Geschwistern, zu ihrer Umgebung. Nicht selten gehen die Verfah­rens­pfleger in den Kinder­garten, in die Schule, um die Meinung der Erzieher oder Lehrer zu erfragen. Erzieher und Lehrer unter­liegen keiner Schwei­ge­pflicht im Gegensatz zu Ärzten und Thera­peuten, diese müssen von den Eltern erst von ihrer ärztlichen Schwei­ge­pflicht entbunden werden.

Der vom Verfah­rens­bei­stand ermit­telte Wille des Kindes wird dem Gericht (möglichst) in einem schrift­lichen Bericht mitge­teilt, in diesem gibt der Verfah­rens­bei­stand auch Empfeh­lungen, wie eine kindge­rechte Inter­essenlösung aussehen könnte.

Besonders Kinder unter 3 Jahren, die vom Richter noch nicht selbst vernommen werden können, benötigen einen Verfah­rens­bei­stand. Ältere Kinder werden vom Richter selbst angehört. Aber auch für sie wird ein Verfah­rens­bei­stand bestellt, außer das Kind ist in der Lage, seine Inter­essen selbst erschöpfend wahrnehmen können. Wenn Kinder vor Gericht angehört werden müssen, ist das für sie besonders belastend.

Eltern haben keine Möglichkeit, sich gegen den Beschluss des Famili­en­ge­richts, einen Verfah­rens­bei­stand zu wählen, zu wehren.

Erfah­rungsgemäß neigen die Richter dazu, sich der Meinung des Verfah­rens­bei­stands anzuschließen, sodass es für Eltern empfeh­lenswert ist, mit dem Verfah­rens­bei­stand zu sprechen und sich mit ihm auszut­au­schen. Fazit: Der Verfah­rens­pfleger hat eine für das Kind wichtige Funktion. Im Idealfall soll sich das Kind ihm/ihr gegenüber frei aussprechen und seine/ihre Nöte und Sorgen, aber auch seinen/ihren Willen kundtun können. Das Kind sollte sich angenommen und verstanden fühlen und sich gegenüber einem neutralen Dritten ohne den beste­henden Loyalitätskon­flikt, zwischen den Eltern entscheiden zu müssen, frei äußern können.

Viola Lachenmann ist Fachanwältin für Familienrecht und berät zudem als Fachanwältin für IT-Recht im Internetrecht, Softwarerecht, Urheberrecht und Datenschutzrecht. Sie betreibt einen eigenen Blog, der unter www.kanzlei-lachenmann.de/blog aufzurufen ist. Für die Deutsche Anwaltauskunft bloggt Frau Lachenmann regelmäßig zum Thema Familienrecht.

Themen
Kinder Kinderrechte Scheidung

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