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Familien

Die 10 wichtigsten Fragen zum Kindergeld

Quelle: MKeal / corbisimages.com
Kindern steht von Geburt an Kindergeld zu.
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Wie viel Kindergeld steht Kindern zu und wie lange? Welche Vorgaben gelten bei Studium und Ausbildung? Die Deutsche Anwaltaus­kunft beant­wortet diese und weitere wichtige Fragen zum Thema Kindergeld.

Welche Kinder haben Anspruch auf Kindergeld?

Grundsätzlich bekommen alle Kinder von der Geburt an bis zum 18. Geburtstag jeden Monat Kindergeld. Manche Kinder können aber auch über das 18. Lebensjahr hinaus Kindergeld erhalten. Das Kindergeld muss man vom Kinderzuschlag unterscheiden. Der Kinderzuschlag kann manchmal zusätzlich zum Kindergeld gezahlt werden, wenn Familien nur über ein niedriges Einkommen verfügen. Statt des Kindergeldes können manche Familien auch einen Kinderfreibetrag nutzen.

Der Kinder­frei­betrag beträgt ab Januar 2017 4.716 Euro pro Jahr, ein Anstieg um 108 Euro.

Wo muss man den Antrag auf Kindergeld stellen?

Das Kindergeld zahlt die Familienkasse der Agentur für Arbeit aus. Bei dieser in der Alltagssprache oft Kindergeldkasse genannten Behörde muss man auch das Kindergeld beantragen. Der Antrag muss schriftlich und über einen dafür vorgesehenen Vordruck erfolgen, einreichen muss man ihn eine anspruchsberechtigte Person bei der zuständigen Familienkasse. Wer im öffentlichen Dienst arbeitet, dem zahlt der Dienstherr das Kindergeld aus.

Kindergeld kann auch Großeltern zustehen

Kindergeld steht unter Umständen nicht den Eltern, sondern den Großeltern zu. Dies geht aus einem Urteil des Finanz­ge­richts Rheinland-Pfalz (Urteil vom 29. August 2017, AZ: 4 K 2296/15) hervor. Der Fall: Ein Beamter bezog zunächst das Kindergeld für seine Enkelin, die – ebenso wie die Tochter – im gleichen Haushalt wohnte. Als die Tochter jedoch auszog, zahlte die Famili­en­kasse das Kindergeld nicht mehr an den Beamten, sondern an die Mutter des Kindes. Und das, obwohl die Enkelin weiterhin mehrmals pro Woche im großelter­lichen Haus übernachtete. Dagegen klagte der Beamte – und bekam Recht. Die Richter befanden, dass das Kind seinen Lebens­mit­tel­punkt im Haushalt der Großeltern habe. Dies sei maßgeblich dafür, wer das Kindergeld erhalte. Das Urteil war für den Mann von beson­derer Bedeutung, da er als Beamter einen Famili­en­zu­schlag erhält. Hätte seine Tochter das Kindergeld bezogen, wäre der Betrag um monatlich 367,58 € niedriger ausge­fallen.

Wer bekommt das Kindergeld ausge­zahlt?

Das Kindergeld bekommt der Anspruchs­be­rech­tigte, also in der Regel die leiblichen Eltern. Daneben kann die Famili­en­kasse das Kindergeld aber auch an Großeltern, Pflege- oder Stief­eltern oder andere Personen auszahlen.

Kinder können über einen Antrag auf eine sogenannte Abzweigung das Kindergeld direkt ausge­zahlt bekommen, was sich zum Beispiel bei Studenten oder Auszu­bil­denden anbietet. Das Kindergeld kann auch an Behörden ausge­zahlt werden.

Auch wer im Ausland lebt, kann Kindergeld erhalten - sofern er in Deutschland einkom­mens­steu­er­pflichtig ist.

Wieviel Kindergeld bekommt man?

Ab Januar 2017 beträgt das Kindergeld für das erste und zweite Kind jeweils 192 Euro, für das dritte Kind 198 Euro und für jedes weitere Kind 223 Euro. Ab 2018 steigen diese Beträge noch einmal um jeweils zwei Euro an.

Wann wird das Kindergeld ausge­zahlt?

Das Kindergeld zahlt die Familienkasse immer im Laufe eines Monats. Wann genau die Kasse das Kindergeld überweist, hängt von der Kindergeldnummer ab. Über diesen Link finden Sie eine Liste mit den Auszahlungsterminen 2017.

Kindergeld, Zählkinder und Patchwork­fa­milien

Das Kindergeld wird in der Regel den Eltern ausbezahlt. Leben die Eltern getrennt, bekommt derjenige das Kindergeld, bei dem das Kind überwiegend lebt. Hat der andere Elternteil eine neue Familie gegründet und darin weitere Kinder bekommen, zählt die Familienkasse beim Kindergeld für diese Kinder auch das Kind aus der ersten Beziehung mit. Durch dieses sogenannte Zählkind werden die andern Kinder der Familie zu Kind zwei und drei und erhalten damit mehr Kindergeld. 

Ausbildung und Studium: Kindergeld auch über das 18. Lebensjahr hinaus?

Ja. Zwar endet norma­ler­weise der Kinder­geld­bezug, sobald ein Kind seinen 18. Geburtstag begeht. Doch man kann das Kindergeld bei der Famili­en­kasse auch für die Zeit danach beantragen. Kindergeld bekommt man dann, wenn das Kind eine Ausbildung oder ein Studium absol­viert und man dies belegt. Dann können Kinder sogar bis zum 25. Lebensjahr Kindergeld erhalten. Behin­derte Kinder können unter bestimmten Voraus­set­zungen auch nach dem 25. Lebensjahr Kindergeld beziehen.

Der Anspruch auf Kindergeld entfällt aber, wenn jemand während einer Zweit­aus­bildung mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet. Das gilt auch, wenn man ein berufs­be­glei­tendes Studium beginnt, das eine abgeschlossene Ausbildung sowie einjährige Berufs­er­fahrung voraus­setzt. Das hat der Bundes­fi­nanzhof (BFH) entschieden. Nach Auffassung der Richter steht einem kein Kindergeld zu, wenn man nach einer abgeschlos­senen Ausbildung ein Studium aufnimmt und weiterhin 30 Stunden pro Woche arbeitet.

Anders sieht die Rechtslage aus, wenn jemand in der Zweit­aus­bildung nicht erwerbstätig ist. Dann berücksichtigt die Famili­en­kasse in der Regel seinen Anspruch auf Kindergeld. Das gilt auch, wenn er während der Zweit­aus­bildung weniger als 20 Stunden pro Woche arbeitet, geringfügig beschäftigt oder als Azubi tätig ist. Das Urteil des Bundes­fi­nanz­hofes ist vom 4. Februar 2016 und wurde am 1. Juni 2016 veröffent­licht (AZ: III R 14/15).

Kindergeld für behin­dertes Kind: Wie lange wird Kindergeld gezahlt?

Grundsätzlich hat ein Kind, das das 18. Lebensjahr vollendet hat, Anspruch auf Kindergeld, wenn es wegen einer Behinderung seinen Lebensunterhalt nicht selbst finanzieren kann. Das gilt dann, wenn die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten ist. Wird bei einem Kind erst sehr spät zum Beispiel ein Gendefekt diagnostiziert, also nach dem 25. Lebensjahr, kann auch ein Anspruch auf Kindergeld bestehen. In einem entsprechenden Fall hat das Finanzgericht Köln den Anspruch einer dreißigjährigen Frau auf Kindergeld bestätigt, wie die Arbeitsgemeinschaft Familiengericht mitteilt (Entscheidung vom 12. Januar 2017; AZ: 6 K 889/15). (Quelle: red/dpa)

Können auch Kinder ohne Ausbil­dungs- oder Arbeits­platz Kindergeld bekommen?

Will ein Kind eine Berufs­aus­bildung aufnehmen, findet aber keinen Ausbil­dungs­platz, zahlt die Famili­en­kasse das Kindergeld auch dann. Das setzt aber voraus, dass das Kind sich bemüht, einen Ausbil­dungs­platz zu finden. Ist ein Kind bei der Agentur für Arbeit im Inland als Arbeit­su­chender gemeldet, zahlt die Famili­en­kasse das Kindergeld auch für einen Volljährigen bis zum 21. Lebensjahr.

Fällt das Kindergeld im Freiwil­li­gen­dienst oder in Übergangs­zeiten weg?

Nein. Wer einen berücksich­ti­gungsfähigen Freiwil­li­gen­dienst, also etwa ein freiwil­liges soziales oder ökologi­sches Jahr ableistet, der erhält weiterhin Kindergeld. Wer sich in einer Übergangszeit etwa zwischen zwei Ausbil­dungs­schritten befindet, dem zahlt die Famili­en­kasse weiterhin Kindergeld. Diese Zeit darf aber höchstens vier Monate dauern.

Wann kann der Anspruch auf Kindergeld entfallen?

Vor 2012 mussten volljährige Kinder und ihre Eltern das Einkommen des Kindes nachweisen und belegen. Denn für den Kinder­geld­bezug volljähriger Kinder gab es eine Einkom­mens­grenze von jährlich 8.004,00 Euro. Lag der Volljährige darüber, entfiel sein Anspruch auf Kindergeld.

Diese Regel hat der Gesetz­geber aber gestrichen, nun kommt es bei der Erstaus­bildung nicht auf Einkommen und Erwerbstätigkeit des Kindes an.

Das Kindergeld entfällt jedoch, wenn das Kind nach der Erstaus­bildung oder dem Erststudium eine weitere Ausbildung beginnt und dabei mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet.

Seit 2016 Steue­ri­den­ti­fi­ka­ti­ons­nummer notwendig

Eltern, die Kindergeld beziehen, müssen bei der Famili­en­kasse seit 2016 ihre Steue­ri­den­ti­fi­ka­ti­ons­nummer sowie die ihrer Kinder angeben. Die Nummer muss beim Antrag eingefügt oder nachge­reicht werden.

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