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Geschmackssache

„Bo“ oder „Maha“: Ämter lehnen Namen seltener ab

Eltern sind in der Namensfindung für ihre Kinder hierzulande weite Grenzen gesetzt © Quelle: Palaez/ corbisimages.com

„Alaska“ als Name? Seit einem Urteil des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richts 2008 sind Eltern in der Wahl des Vornamens grundsätzlich frei. Ein Kuriositätenka­binett an Namen und wann die Standesämter sich quer stellen.

„Cinde­rella-Melodie“ oder „Imperial-Purity“: Manche Eltern wollen für ihr Kind einen ausge­fal­lenen Namen. Bei deutschen Standesämtern haben die immer häufiger eine Chance. Das ergab eine bundes­weite Umfrage.

Ein Vorname wie „Pumuckl“ oder „Pepsi-Carola“ kann für ein Kind zur Qual werden - doch Deutschland ist offener geworden und bei Standesämtern werden ungewöhnliche Namenswünsche von Eltern immer seltener abgelehnt.In Essen etwa sagte das Standesamt zuletzt im Jahr 2007 Nein, als ein Junge „Anakin Skywalker“ heißen sollte. In Wiesbaden liegt die letzte Ablehnung 23 Jahre zurück. Auch in Münster lehnt das Standesamt nur selten ab: „Städtenamen zum Beispiel gehen nicht“, sagt Amtsmit­ar­bei­terin Sarah Pröbsting. Bei der Kombi­nation „Marie-Johanna“, die schnell gesprochen nach „Marihuana“ klinge, weise man Eltern nur darauf hin, dass der Name Probleme machen könne.

Grenzen auf dem Standesamt

In Kiel dagegen gab es 2013 eine Ablehnung: Mit dem Antrag, ihr Mädchen „Gucci“ - nach der italie­ni­schen Luxus-Modemarke - zu nennen, kamen die Eltern nicht durch. Anders erging es dagegen einem Jungen, dessen Eltern sich den Vornamen „Maier“ für ihren Sohn wünschten - Mutter und Vater wiesen nach, dass „Maier“ durchaus ein üblicher männlicher Vorname sei, wenn auch in den Nieder­landen.

elter­liche Sorge

Das Recht und die Pflicht der Eltern (oder eines Eltern­teils), für das minderjährige Kind zu sorgen (§§ 1626 ff. BGB). Die elter­liche Sorge umfasst die Personen- und die Vermögenssorge.1) Wesen des Rechts: Die elter­liche Sorge begründet nicht nur ein famili­en­recht­liches Rechtsverhältnis, sondern bildet auch ein absolutes Recht (sonstiges Recht im …

Die Stadt Essen erlaubte 2013 unter anderem für eine Tochter den Namen „Milka“ sowie auch „Imperial-Purity“ sowie „Sunshine“. Zwei Jungs bekamen die Namen „Courage“ und „Sheriff“. In Hamburg sagt Bezirksamts-Sprecherin Lena Voß in Wandsbek, die multikulturelle Gesellschaft habe die Namensgebung geändert.

Namens­be­ra­tungs­stelle Leipzig

Einige Städte verweisen bei allzu Abstrusem auf die Namenberatungsstelle in Leipzig, das Namenkundliche Zentrum der dortigen Universität. Deren Webseiten listen Gerichtsurteile vergangener Jahre auf: So ging 1992 der Name „Lafayette“ durch - für einen Jungen, der noch einen weiteren männlichen Vornamen benötigte.

„Maha“ wurde als Name für ein Mädchen erlaubt; die kleine „Prestige“ und die kleine „Bo“ brauchen noch einen zweiten, eindeutig weiblichen Namen. „Fanta“ hingegen steht für sich alleine - für Mädchen natürlich.

Was fällt dann überhaupt noch durch? Antwort: „November“, „Pfeffer­minze“ oder „La Toya“. „Dior“ dagegen ist - anders als „Gucci“ in Kiel - erlaubt, sofern es enge Bindungen zum senega­le­si­schen Kultur­kreis gibt, denn da kommt der Name her. Ein Berliner Standesamt erlaubte auch „Chanel“ als Mädchenname.

In Wiesbaden wird ein Mädchen „Cinde­rella-Melodie“ gerufen. Das Standesamt hat den Namen durch­gehen lassen, schließlich seien es zwei gültige Vornamen. „Und einen Binde­strich kann man immer machen“, sagt Mitar­bei­terin Daniela Funk. „Auch wenn ich denke: Oh je.“

Größere Toleranz

Gerhard Bangert vom Bundes­verband der deutschen Standes­be­amten und Standes­be­am­tinnen im osthes­si­schen Bad Salzschlirf erklärt, dass die Recht­spre­chung der Amtsge­richte großzügiger geworden sei - nach einer Entscheidung des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richts 2008. Danach seien die Verwal­tungs­vor­schriften angepasst worden. „Aber ‚Satan‘ würde man immer noch ablehnen“, sagt Bangert. Nur noch zwei Einschränkungen gebe es: Der Name dürfe dem Kindeswohl nicht schaden und er müsse dem Wesen nach ein Vorname sein. Strei­tig­keiten seien inzwi­schen selten.

Und zwar weil die Standesämter beraten, sagt Andrea Hart, die Leiterin des Frank­furter Standesamts. Zum Beispiel habe man den Eltern, die ihre Tochter „Seniorina“ nennen wollten, davon abgeraten. Das heißt „Fräulein“ - zu wenig Name im Wort, fand das Standesamt. Aber „Osama“ oder „Adolf“ abzulehnen, sei nicht möglich, sagt Hart. Das Standesamt in Hannover gab auch bei „Despot“ seine Erlaubnis.

Inspirationsquellen

In Mainz sagt der Sprecher der Stadt, Ralf Peter­hanwahr: „Es gibt sicherlich eine Zunahme von Anleh­nungen an Kunst­fi­guren aus Film oder Literatur, wie etwa Momo oder Michel. Das sind immer Phänomene der Zeitge­schichte. Dadurch ist das Spektrum natürlich breiter als noch vor 50 Jahren, als die Menschen noch konser­va­tiver waren.“

Eine Rückbesinnung auf tradi­tio­nellere Namen macht das Münchner Standesamt aus: „Der Trend geht zu tradi­tio­nellen Namen zurück“, sagt Leiter Gerhardt Wirsing. Anton oder Charlotte seien populärer als so manche Namens-Neuschöpfung. Ungewöhnlich seien zum Beispiel „Crazy Horse“, „Peppels“ oder „Regen“ gewesen. Meistens hätten sich die Eltern jedoch einsichtig gezeigt.

Auch in Nürnberg gibt es fast nichts, was es nicht gibt. „Wir haben keine schwarzen Listen“, sagt Dagmar Heckel vom dortigen Standesamt. Für Verwun­derung bei den Beamten hatte die fränkische Version von Jacqueline gesorgt. Doch „Schaklyn“ war offiziell genehmigt worden.

Im Südwesten schöpfen Eltern ebenfalls aus dem Vollen: „Bluebell“, „Nussi“ und „Cosmo“ sind nur drei Beispiele für Namen, die Standes­beamte in Baden-Württemberg erlaubten.

Binde­strich-Namen erlaubt?

In Sachsens Landes­haupt­stadt Dresden häufen sich indes Binde­strich-Namen wie Rosa-Charlott oder Melodie-Mia für Mädchen und Noah-Jakob oder Dee-Jay für Jungen. Der Leiter des Standes­amtes, Frank Neubert, sagt: „Was in manchen Ohren fremd und exotisch klingt, kann in anderen Gegenden ein gebräuchlicher Vorname sein.“ Dazu zählt er Moka und Jazz für Mädchen sowie Orlando und Filou für Jungs.

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Eltern Geburt Kinder Sorgerecht

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