UN-Konvention

Kinder haben Rechte

Wie sehen die Rechte von Kindern in Deutschland aus?
Wie sehen die Rechte von Kindern in Deutschland aus?

Quelle: Connett/gettyimages.de

Haben Kinder das Recht, über ihr Vermögen zu bestimmen?

Kinder dürfen Geld von ihrem Vermögen oder Konto abheben, wenn es ihre Eltern erlauben. Eltern vertreten ihre Kinder rechtlich und haben daher auch die Vermögenssorge für sie. Diese gibt Müttern und Vätern einen großen Spielraum im Umgang mit dem Geld ihrer Kinder. Eltern dürfen das Geld jedoch nicht für sich selbst ausgeben. Auch dürfen sie etwa Grundstücke ihrer Kinder nicht so ohne weiteres verkaufen oder ihre Erbschaften ausschlagen. Für beides brauchen Eltern die Erlaubnis eines Familiengerichts. Das gilt auch, wenn sie vom Geld der Kinder Grundstücke erwerben wollen.

Was dürfen Kinder von ihrem Taschengeld kaufen?

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) legt fest, dass Kinder unter sieben Jahre noch nicht geschäftsfähig sind, damit dürfen Kita-Kinder streng genommen noch nichts kaufen. Das ändert sich aber mit dem 7. Geburtstag, denn ab da gelten Kinder als beschränkt geschäftsfähig. Sie haben damit das Recht, Dinge zu kaufen, wenn ihre Eltern es erlauben. Dieses Okay brauchen Kinder dann nicht, wenn sie ihre Einkäufe vom eigenen Taschengeld finanzieren. Denn Eltern geben ihren Sprösslingen Taschengeld, damit diese frei darüber verfügen können. Das legt der berühmte Taschengeldparagraph im BGB fest. „Aber auch vom Taschengeld dürfen Kinder nicht alles kaufen was sie wollen“, sagt Rechtsanwältin Eva Becker von der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). „Für teure Anschaffungen brauchen sie die Erlaubnis ihrer Eltern.“

Hat ein Kind das Recht, Verträge abzuschließen?

Mit jedem Einkauf schließen Kinder wie auch Erwachsene einen Vertrag ab. Kinder haben also das Recht, Verträge abzuschließen, aber ihnen sind dabei enge Grenzen gesteckt. Wenn ihre Eltern es nicht erlauben, dürfen Kinder zum Beispiel keine Verträge für Handy-Abos oder Sportstudios abschließen. Mit diesem Verbot will der Gesetzgeber Kinder davor bewahren, sich zu verschulden. Denn Abos sind in der Regel teuer, über ihr Taschengeld allein können Kinder die Kosten dafür kaum bestreiten.

Ist es Kindern erlaubt, zu arbeiten?  

Zu den Kinderrechten in Deutschland gehört auch, dass Kinder ab 13 Jahren arbeiten dürfen, wenn ihre Eltern einverstanden sind. Kindern ist es erlaubt, pro Tag zwei Stunden tätig zu sein, in der Landwirtschaft sind drei Stunden gestattet. Dabei dürfen Kinder nur leichte Arbeiten verrichten, und das auch nur nach der Schule und nicht zwischen 18 Uhr und acht Uhr morgens. Wie hoch der Lohn der Kinder ausfallen muss, ist juristisch nicht geregelt. Klar ist aber, dass er nicht sittenwidrig niedrig sein darf. Im elterlichen Betrieb gelten andere Regel, denn Kinder müssen bei der sogenannten familienrechtlichen Mitarbeit gar nicht entlohnt werden.

Haben Kinder das Recht, ihren Wohnort zu bestimmen?

Familienrichter befragen bereits kleine Kinder im Alter von drei oder vier Jahren nach ihrer Meinung in familienrechtlichen Streitereien, wenn sich die Eltern etwa getrennt haben oder dabei sind, sich scheiden zu lassen. „Der Wunsch der Kinder spielt eine Rolle, aber entscheiden können sie nicht, wo sie zum Beispiel wohnen wollen“, sagt die Familienrechtsexpertin Eva Becker. „Das wäre auch eine zu große Verantwortung für ein Kind, die ihm der Gesetzgeber nicht zumuten will.“ Anders sieht es aber aus, wenn ein Kind älter als 14 Jahre ist. Ab diesem Alter erhält die Meinung von Kindern und Jugendlichen ein so großes Gewicht, dass Familienrichter sie auf jeden Fall berücksichtigen müssen und das Kind unter Umständen auch entscheiden kann, ob es bei Mutter oder Vater wohnen will.

Dürfen Kinder in Wohnungen Krach machen?

Auf Spielplätzen ist die Rechtslage klar: Hier haben Kinder das Recht, so viel zu toben und zu lärmen wie sie möchten. In Mietwohnungen müssen Nachbarn akzeptieren, wenn Kinder spielen und Krach zu machen. Denn der Lärm von Kindern ist rechtlich gesehen keiner, jedenfalls kann man ihn nicht mit dem von Autos oder Baustellen vergleichen. Deshalb müssen Mieter auch das Schreien eines Babys oder eines kleinen Kindes etwa nach 22.00 Uhr, also in den üblichen Ruhezeiten, erdulden. Anders sieht es rechtlich aber aus, wenn ein Teenager mitten in der Nacht laut Musik hört oder ältere Kinder in der Wohnung Fußball spielen. Das müssen Nachbarn nicht tolerieren.

Andrea Hierl Viola M. Reimer Jörg Kleinwegener Elke Hölzer Nicole Busse

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