Schüler

Schule schwänzen – welche Strafen drohen?

Schulschwänzern drohen in manchen Bundesländern Bußgelder.
Schulschwänzern drohen in manchen Bundesländern Bußgelder.

Quelle: Pawlowska/fotolia.com

Warum manche Schüler es vorziehen, zu Hause zu bleiben statt die Schulbank zu drücken, hat viele Gründe: Langweilige Fächer, blöde Lehrer, Streit mit den Mitschülern. Einige Kinder und Jugendliche haben auch Angst vor der Schule und wollen deshalb erst gar nicht hingehen. Aber unproblematisch ist das Schule schwänzen nicht. Denn in Deutschland gilt eine gesetzliche Schulpflicht von neun Jahren. Über diese Zeit hinaus unterliegen Jugendliche einer beruflichen Schulpflicht, die erst mit dem 18. Geburtstag endet.

Was ein Schulschwänzer an Ärger zu erwarten hat, hängt davon ab, wie lange er dem Unterricht fern bleibt und in welchem Bundesland er lebt. Denn Schulrecht ist Ländersache. Die einzelnen Bundesländer regeln eigenverantwortlich, wie sie mit unentschuldigtem Fehlen von Schülern umgehen und welche Sanktionen sie ihnen und manchmal auch den Eltern auferlegen.

Wie gehen Schulen bei längerem Fehlen vor?

Fehlt ein Schüler hier und da eine Stunde unentschuldigt, mag das noch angehen. Aber ratsam ist auch das nicht. Denn die Zeugnisse eines Schülers weisen dessen Fehlzeiten aus, darunter auch die unentschuldigten. Bei Bewerbungen zum Beispiel um eine Lehrstelle machen sich selbst einige wenige unentschuldigte Fehlstunden nicht wirklich gut.

Fehlt ein Kind oder Jugendlicher nicht nur einige Stunden, sondern mehrere Tage, leiten die Schulen ein bestimmtes Prozedere ein, um den Schüler wieder in den Unterricht zu bringen. „In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel ruft die Schule bei längerem unentschuldigten Fehlen des Schülers zunächst seine Eltern an und fragt, was mit dem Schüler los ist“, erklärt der auf Schulrecht spezialisierte Münsteraner Rechtsanwalt Dr. Frank Schulze vom Deutschen Anwaltverein (DAV).

Gerade bei jüngeren Kindern seien Schulen sogar dazu verpflichtet, die Eltern anzurufen und sie darüber zu informieren, dass ihr Kind nicht im Unterricht aufgetaucht ist. Manche Eltern erfahren durch diese Anrufe oft überhaupt erst, dass ihr Kind die Schule nicht besucht.

Ordnungsamt kann Schulverweigerer abholen

In Fällen von Schulverweigerung ist erst einmal die Pädagogik gefragt. Lehrer, Eltern und die Sozialarbeiter oder Psychologen der Schule überlegen zunächst gemeinsam, wie sie das Kind oder den Jugendlichen unterstützen und dazu bringen können, wieder am Unterricht teilzunehmen. Auch den Schüler beziehen die Schulen manchmal in diese Gespräche ein. „Helfen pädagogische Gespräche und auch Maßnahmen wie Nachsitzen nicht, steht den Schulen ein ganzes Bündel an Ordnungsmitteln zur Verfügung, um den Schüler dazu zu bringen, wieder am Unterricht teilzunehmen“, sagt Dr. Frank Schulze.

Schulen können Verweigerern zum Beispiel einen schriftlichen Verweis erteilen oder ihnen mit dem Rauswurf von der Schule drohen. Sogar das Ordnungsamt können Schulen zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen einschalten. In solchen Fällen holt das Amt krasse Schulverweigerer von zu Hause ab und bringt sie in den Unterricht.

Schulverweigerer über 14 Jahre müssen auch mit Bußgelder von bis zu 1.000 Euro rechnen. „Wenn die Jugendlichen diese Geldbuße nicht selbst zahlen können, kann der Jugendrichter festsetzen, dass sie statt der Geldbuße eine bestimmte Arbeitsleistung erbringen müssen“, erklärt Dr. Schulze. Als letztes Mittel schließlich können Schulen die Schwänzer rauswerfen.

Welche Sanktionen drohen Eltern?

Nach dem Schulgesetz sind Eltern dazu verpflichtet, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Sie müssen auch eingreifen, wenn ihr Nachwuchs sich weigert, am Unterricht teilzunehmen. Eltern, die Interesse daran zeigen, dass ihr Kind wieder die Schule besucht und die mit den Lehrern zusammenarbeiten, müssen keine Sanktionen befürchten. Rechtlich belangt werden können sie nicht.

„Probleme entstehen dann, wenn sich die Eltern nicht darum kümmern, ob ihre Kinder zur Schule gehen“, sagt Rechtsanwalt Dr. Schulze. „Dann laufen ja auch alle Sanktionen gegen den Schüler ins Leere.“ Gegen Eltern, die sich nicht dafür interessieren, ob ihr Kind die Schule besucht oder nicht, gehen die Behörden vor. Elterliche Ignoranz ist eine Ordnungswidrigkeit, auf die Bußgelder stehen. Diese können nach dem Schulgesetz in Nordrhein-Westfalen bis zu 1.000 Euro betragen.

Dass Jugendämter desinteressierten Eltern hartnäckiger Schulverweigerer das Sorgerecht entziehen, mag vorkommen. „In solchen Fällen ist das Schule schwänzen aber nicht der einzige Grund für den Entzug des Sorgerechts“, sagt Rechtsanwalt Schulze. „Meistens geht es in solchen Fällen um ein ganzes Bündel an Vernachlässigungen, von denen das Desinteresse der Eltern am Schulbesuch der eigenen Kinder nur ein Teil ist.“

Allerdings hat das Oberlandesgericht Hamm vor Kurzem entschieden, dass Eltern, deren Kind nicht regelmäßig zur Schule geht, zumindest teilweise das Sorgerecht verlieren können. Es kann ihnen zum Beispiel für den Bereich Schulangelegenheiten entzogen werden (AZ: II-4 UFH 1/14m 4 UFH 1/14).

Was passiert mit Schülern über 18 Jahre?

Schüler, die älter als 18 Jahre alt sind, unterliegen nicht mehr der Schulpflicht. Dennoch sind auch sie dazu verpflichtet sein, zur Schule zu kommen, wenn sie etwa eine Berufsschule besuchen oder ihr Abitur machen. Fehlt ein volljähriger Schüler innerhalb von 30 Tagen 20 Stunden unentschuldigt, kann ihn die Schule zumindest nach dem nordrhein-westfälischen Schulgesetz ohne vorherige Warnung von der Schule werfen. Meistens bestätigen die Verwaltungsgerichte diese Regel auch. Allerdings kennen viele Schüler sie nicht. Doch in der Praxis sind solche Fällen selten, denn volljährige Schüler können sich ihre Entschuldigungen selbst schreiben. Schulen wiederum können bei begründetem Verdacht ärztliche Atteste verlangen.

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