Familien

Umgangsrecht: Was gilt rechtlich?

Auch das Kind hat nach einer Trennung seiner Eltern das Recht, seinen Papa und seine Mama regelmäßig zu sehen.
Auch das Kind hat nach einer Trennung seiner Eltern das Recht, seinen Papa und seine Mama regelmäßig zu sehen.

Quelle: Shinn/ corbisimages.com

Es muss schon viel passiert sein, wenn ein Familienrichter einem Elternteil den Umgang mit seinem Kind verbietet. Solche Verbote sind in der deutschen Rechtspraxis eher selten. Juristischer Konsens ist vielmehr, dass sich Eltern und Kind auch nach einer Trennung und dem Auszug von Vater oder Mutter aus der ehelichen Wohnung weiterhin regelmäßig sehen sollten. Daher haben beide Elternteile das Recht auf Umgang mit dem Kind. Dieses Recht gilt sowohl für verheirate Eltern als auch für solche, die ohne Trauring zusammen gelebt haben. „Beim Umgangsrecht zählt vor allem das Wohl des Kindes“, erklärt die Berliner Rechtsanwältin Eva Becker, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). „Deshalb gilt es unabhängig vom Familienstand der Eltern – und es gilt unabhängig davon, ob die Eltern ein gemeinsames Sorgerecht für das Kind haben.“

Umgangsrecht trotz rechtlichem Vater

Wenn es dem Wohl eines Kindes dient, können auch Väter auf ein Umgangsrecht pochen, die vielleicht nie mit dem Kind zusammengelebt und kaum Kontakt zu ihm hatten. Ausschlaggebend ist hier, dass sie die biologischen Väter sind. Ihnen kann auch dann ein Umgangsrecht zustehen, wenn das Kind bereits einen rechtlichen Vater hat. Diese Situation entsteht zum Beispiel dann, wenn die Mutter geheiratet und ihr Ehemann das Kind adoptiert hat, er also zu seinem rechtlichen Vater geworden ist. Diese Rechtslage gilt seit der Verabschiedung des „Gesetzes zur Stärkung der Rechte des leiblichen, nicht rechtlichen Vaters“ im Sommer 2013.

Übernachtungen gehören zum Umgangsrecht

Teil des Umgangsrechts ist nicht nur, dass das Elternteil, das nicht mit dem Kind zusammen wohnt, es regelmäßig sehen darf. Dazu gehört auch, dass ihm dieser Elternteil schreiben und mit ihm telefonieren darf. Auch Übernachtungen gehören zum Umgangsrecht, wie das Oberlandesgericht Saarbrücken im Januar 2013 entschieden hat (AZ: 6 UF 20/13). Schließlich würden Übernachtungen die Beziehung zwischen dem umgangsberechtigten Elternteil und dem Kind festigen, argumentierten die Richter in ihrem Urteil.

Doch nicht nur die Eltern haben ein Umgangsrecht mit dem Kind, sondern umgekehrt hat auch das Kind das Recht, Papa und Mama regelmäßig zu sehen. „Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass zum Beispiel alle Menschen ein Umgangsrecht mit dem Kind haben, die eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen“ sagt die Familienrechtsexpertin Eva Becker. Das können die Großeltern, die Geschwister und enge Bezugspersonen sein, die sich um das Kind kümmern und Verantwortung übernehmen.

Was tun bei Streit wegen des Umgangsrechts?

Was den Umgang angeht, haben sich in den letzten Jahren unterschiedliche Betreuungsmodelle entwickelt, die oft auch vom Alter des Kindes abhängen. Kita-Kinder besuchen ihren Papa oder ihre Mama oft häufiger, aber kürzer. So wird ihnen die Zeit zwischen den Treffen nicht zu lang. Schulkinder besuchen den anderen Elternteil oft alle vierzehn Tage am Wochenende. Manche Eltern einigen sich auf ein Wechselmodell. Dabei lebt das Kind in der einen Woche zum Beispiel bei dem einen Elternteil, in der anderen Woche bei dem anderen.

Gerichte regeln Umgangsrecht

Gerichte greifen immer dann in das Umgangsrecht ein, wenn sich die Eltern nicht darauf einigen können, bei wem das Kind leben soll oder wann es der andere Elternteil sehen darf. In strittigen Fällen helfen die Familiengerichte. Dort müssen entweder die Mutter oder der Vater einen Antrag stellen, damit die Richterinnen oder die Richter das Umgangsrecht regeln. Die richterlichen Regelungen sind verbindlich, alle Beteiligten müssen sich daran halten - sonst drohen Ordnungsstrafen. Bevor man einen Antrag beim Familiengericht stellt, ist es ratsam, sich beim Jugendamt oder bei einem Fachanwalt für Familienrecht beraten zu lassen. So kann man sich schon vorher informieren und viele  Fragen klären.

In Ausnahmefällen entscheidet das Familiengericht für begleitenden Umgang. Das bedeutet: Das Kind darf den anderen Elternteil nur sehen, wenn eine dritte Person anwesend ist, zum Beispiel ein Jugendamtsmitarbeiter.

Silvia Wunderle Cornelia Maetschke-Biersack Max Postulka Dorothea Plank Markus Weishaupt

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