Familienrecht

Kindesunterhalt: So kommen Eltern zu ihrem Recht

Besonders Alleinerziehende haben Schwierigkeiten, ihre Unterhaltsansprüche durchzusetzen.
Besonders Alleinerziehende haben Schwierigkeiten, ihre Unterhaltsansprüche durchzusetzen.

Quelle: altanaka/fotolia.com

Untersuchungen zeigen: Lediglich ein Drittel der unterhaltspflichtigen Väter oder Mütter zahlt regelmäßig den vollen Unterhalt für die Kinder. Geld, das bei Erziehung und Versorgung dringend benötigt wird. Ausbleibender Kindesunterhalt muss und sollte nicht hingenommen werden. Wir zeigen, was Anwälte für Sie tun können, wenn sich der Ex-Partner weigert, angemessenen Unterhalt zu zahlen.

Vermögensauskunft: Unnachgiebig Offenlegung fordern

Bevor rechtliche Schritte unternommen werden müssen, sollten Betroffene vom Unterhaltsschuldner eines unnachgiebig verlangen: Eine umfassende Auskunft über Einkünfte und Vermögen. Der Schuldner ist sogar dazu verpflichtet, seine Einkünfte und sein Vermögen komplett offenzulegen. Oft wird dabei vermutet, der Gläubiger würde Einkommensquellen verschweigen, um dadurch um angemessene Zahlungen herumzukommen.

Aber die Auskunftspflicht ist in Unterhaltsfragen sehr umfangreich. Da wird es schwer, Dinge zu verbergen. Selbst wenn der Schuldner freiberuflich ist – spätestens bei der Vorlage der Steuererklärungen der letzten drei Jahre, mit sämtlichen Anlagen, bleibt wenig unentdeckt. Das Recht auf Auskunft muss nur konsequent gefordert werden. Hier kann ein anwaltlicher Beistand bereits enorme Hilfe leisten, da Gläubiger nicht selbst auf die Einhaltung sämtlicher Formalitäten achten müssen, was den Hauptteil dieses Vorgangs ausmacht. Anwälte kennen die Fristen und wissen, welche Form Gesuche und Dokumente haben müssen.

Elternteil weigert sich zu zahlen - konsequent klagen!

Weigert der Schuldner sich, seinen Pflichten nachzukommen, kann eine Klage helfen. Spätestens jetzt benötigen Betroffene einen Anwalt und das nicht ohne Grund: Unterhaltsprozesse sind oft langwierig und emotional belastend – gleichzeitig ist der Unterhaltsberechtigte nicht selten darauf angewiesen, möglichst schnell an „sein“ Geld zu kommen. Eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt für Familienrecht hat schon unzählige vergleichbare Fälle gesehen und verhandelt. Und kann mit professionellem Sachverstand und viel Erfahrung möglichst schnell eine möglichst gute Lösung erstreiten, was bis zu einer Unterhaltsklage gegen den säumigen Vater oder die säumige Mutter gehen kann.

Für Durststrecken: Unterhaltsvorschuss beantragen

Bei allen Maßnahmen kann es natürlich trotzdem vorkommen, dass das Einkommen des Vaters oder der Mutter unterhalb des sogenannten Selbstbehalts liegt und damit nicht ausreichend ist, um Kindesunterhalt zu bezahlen - überhaupt oder den vollen Satz, den die Düsseldorfer Tabelle vorschreibt. Oder, dass trotz Verurteilung zur Zahlung der Unterhaltsanspruch nicht erfolgreich zwangsvollstreckt werden kann, weil es kein pfändbares Einkommen oder Vermögen gibt. Hinzu kommt: Auch ein erfolgreicher Prozess kann sich über Monate hinziehen, in denen die Kinder natürlich Geld brauchen.

Für solche Fälle gewährt das Unterhaltsvorschussgesetz (UVG) Kindern einen Unterhaltsvorschuss, diesen muss man beim Jugendamt beantragen. Der Unterhaltsvorschuss ist niedriger als der Mindestsatz der Düsseldorfer Tabelle, außerdem wird das Kindergeld angerechnet.

Der Unterhaltsvorschuss liegt für Kinder bis fünf Jahre bei monatlich 150 Euro, bei 201 Euro für Kinder bis elf Jahre und bei 268 Euro für ältere Kinder und Jugendliche.

Ab Juli 2017 wird es beim Unterhaltsvorschuss einige Neuerungen geben: Dann zahlt das Jugendamt den Vorschuss nicht mehr nur 72 Monate, auch die zeitliche Limitierung bis zum 12. Lebensjahr des Kindes entfällt. Einen monatlichen Unterhaltsvorschuss können Kinder dann bis zu ihrem 18. Geburtstag bekommen.

Allerdings:  Wer komplett von Hartz IV lebt, bekommt nur dann einen Unterhaltsvorschuss, wenn seine Kinder noch sehr klein sind. Alleinerziehende im Hartz-IV-Bezug mit älteren Kindern haben keinen Anspruch, Aufstocker mit einem Einkommen von mindestens 600 Euro brutto pro Monat dagegen schon.

Besonders beim Kindesunterhalt sollten Eltern sich stets bewusst sein: vieles hängt vom Einzelfall ab. Eine qualifizierte Rechtsberatung kann den entscheidenden Unterschied machen.

Peter Riepshoff Barbara Romann Claus-Uwe Derichs Christoph A.B. Löhning Jörg Demmig

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