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Langzeit­besuch in der JVA: Wem ist das erlaubt?

Gefängnisaufenthalte stellen Beziehungen auf eine harte Probe. © Quelle: bibi/fotolia.com

Wer eine Haftstrafe verbüßen muss, wird für lange Zeit von seinem sozialen Umfeld getrennt. Das kann in manchen Fällen berechtigt sein – die Beziehung zum (Ehe)partner und zur Familie spielt für die Resozia­li­sierung nach der Haft jedoch eine wichtige Rolle. Um es den Inhaf­tierten zu ermöglichen, ihre Beziehung auch während der Haftzeit weiterzuführen, sieht der Straf­vollzug gewisse Möglich­keiten vor. Eine davon: Der Langzeit­besuch, auch Intim­besuch genannt.

Auch wer noch nie jemanden im Gefängnis besucht hat, dürfte aus Fernsehserien oder Kinofilmen eine Vorstellung davon haben, wie der Besuch in einer Justizvollzugsanstalt (JVA) abläuft: Man wird durchsucht und darf dann den Inhaftieren im Besucherraum treffen, wo sich viele Häftlinge und ihre Besucher gegenübersitzen – unter den wachsamen Augen eines Beamten. Für Paare oder Familien, die sich etwas Privatsphäre wünschen, ist das kaum eine dauerhafte Lösung.

Langzeit­besuch: Intimsphäre inklusive

Für solche Fälle sieht das Strafvollzugsrecht die Möglichkeit eines Langzeitbesuchs in der JVA vor. Dabei können der Häftling, sein Partner und gegebenenfalls die Kinder oder teilweise auch nahe Familienangehörige ein paar Stunden gemeinsam in einer speziellen Zelle verbringen. Solche Räume sind in der Regel etwas freundlicher eingerichtet als normale Zellen, sie erinnern eher an ein Wohnzimmer.

Auch Übernach­tungen können erlaubt sein. Das Besondere daran: Der Besuch wird nicht überwacht. Einen solchen Langzeit­besuch muss der Inhaf­tierte beantragen. Ob und unter welchen Voraus­set­zungen ein Inhaf­tierter Langzeit­besuch bekommen darf, hängt von vielen verschie­denen Faktoren ab – diese unter­scheiden sich stark von Bundesland zu Bundesland.

„Im Grunde kann man sagen: Die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern haben nur gemeinsam, dass sie den Häftlingen die Resozialisierung erleichtern sollen und das Menschenrecht im Vordergrund steht“, sagt Michaela Landgraf, Anwältin für Strafrecht und Vorstandsmitglied des Münchner Anwaltvereins sowie Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Strafrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Am Strafvollzug bemesse sich das Grundrecht am deutlichsten.

Nur förderungswürdige Kontakte

Ob ein Langzeit­besuch erlaubt wird, hängt immer vom Einzelfall ab. Eine wichtige Voraus­setzung ist sehr gute Führung des Inhaf­tierten. Entscheidend ist auch, für welches Verbrechen der Häftling verur­teilt wurde und wie Gutachter ihn einschätzen. Und wer darf zu Besuch kommen?

„In Bayern, eines der Länder mit den strengsten Regeln im Straf­vollzug, ist Langzeit­besuch in der Regel nur für Ehepartner erlaubt oder für Menschen, die in einer längeren, stabilen Beziehung leben“, sagt die Straf­rechts­ex­pertin. Es habe einen Grund, dass diese Form der Besuche auch Ehebe­suche genannt werden. Inhaf­tierte dürften zum Beispiel keinen Langzeit­besuch von einer Freundin bekommen, die sie erst seit Kurzem kennen.

In Nordrhein-Westfalen ist das ähnlich. Langzeit­besuch in der JVA dürfen Verhei­ratete oder Partner in eheähnlichen Bezie­hungen bekommen. Dort sind aller­dings auch enge Famili­en­mit­glieder wie Eltern oder Geschwister zu einem unbeauf­sich­tigten Besuch zugelassen.

Poten­zielle Besucher werden im Vorfeld genau unter die Lupe genommen. Wenn ein Inhaf­tierter den Besuch von einer Person beantragt, zu der er eine enge Beziehung unterhält, prüft der Sozial­ar­beiter der JVA den Besuchsanwärter in einem persönlichen Gespräch.

Ob der Besuch letztlich genehmigt wird, hängt auch davon ab, für welche Straftat der Inhaf­tierte verur­teilt wurde. Sitzt er wegen häuslicher Gewalt in Haft und beantragt den Besuch von seiner Ehefrau, kann es schwierig werden.

Auch wenn schon Langzeit­be­suche statt­fanden, bei denen es zu Zwischenfällen kam, ist ein weiterer Besuch eher unwahr­scheinlich. Das kann der Fall sein, wenn der Besucher zum Beispiel versucht hat, dem Inhaf­tierten Drogen zu übergeben.

Intim­besuch nur bei längeren Haftzeiten

Ob ein Langzeit­besuch erlaubt ist oder nicht kommt auch auf die Haftzeit an. Im bevölkerungs­reichsten deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen sind Langzeit­be­suche ab einer Haftzeit von drei Monaten möglich – sogar für Unter­su­chungshäftlinge.

In Bayern hingegen sind Langzeit­be­suche weit überwiegend nur in den JVAs vorge­sehen, in denen Menschen lebenslänglich oder für mehrere Jahre inhaf­tiert sind. Eine Ehe kann dann naturgemäß nur aufrecht­er­halten werden, wenn man sich regelmäßig sieht.

Wichtig sind solche Besuche auch, wenn sich die Haftzeit dem Ende zuneigt. Damit sich Verurteilte später wieder leichter ins Berufs- und Privatleben eingliedern können, dürfen sie teilweise sogar Urlaub von der Haft bekommen. „Häftlinge, die zum Beispiel einen Betrieb leiten, können dann für eine begrenzte Zeit an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, also sogenannte Freigänger werden“, erklärt Rechtsanwältin Landgraf. Auch kurzzeitiger Freigang, um Bewerbungsgespräche zu absolvieren, sei möglich. In diesem Rahmen könnten auch Treffen mit dem Partner oder der Familie stattfinden.

Entscheidend ist auch die JVA

Um einen Langzeit­besuch zu organi­sieren, braucht die JVA natürlich entspre­chende Räumlich­keiten. Ob diese in allen Haftan­stalten vorhanden sind, ist ebenfalls Ländersache. Nicht jede JVA hat die finan­zi­ellen, räumlichen und perso­nellen Kapazitäten, um Langzeit­be­suche zu organi­sieren.

Häftlinge in Nordrhein-Westfalen können sich glücklich schätzen. Hier sind für Langzeit­be­suche geeignete Räume in fast jeder JVA vorhanden. Andern­falls werden sie für die entspre­chende Zeit in eine andere Haftan­stalt verlegt.

Sicherheit im Vorder­grund

Auch während des Besuchs gelten hohe Sicher­heits­vor­keh­rungen. So dürfen die Langzeit­be­sucher, wie jeder andere Besucher auch, nichts mit ins Gefängnis hinein nehmen. Um das sicher­zu­stellen, werden sie gründlich durch­sucht. Auch Kinder sind von den Kontrollen nicht verschont – bei ihnen werden sogar die Windeln und das Spielzeug kontrol­liert. Zudem gibt es in den für Langzeit­be­suche ausge­stat­teten Räumen einen Notruf­knopf.

Fazit: Die Möglichkeit eines Langzeit­be­suchs ist ein wichtiges Mittel, um die Inhaf­tierten dabei zu unterstützen Bezie­hungen zu erhalten, die ihnen später die Wieder­ein­glie­derung in den Alltag erleichtern. Damit den Häftlingen und den Besuchern nichts passiert, sind die Sicher­heits­vor­keh­rungen sehr hoch. Ob ein Langzeit­besuch in der JVA genehmigt wird oder nicht, wird nach einer gründlichen Prüfung des Einzel­falls entschieden.

Themen
Ehe Haft Liebe Partnerschaft

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