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Häusliche Gewalt: Was Betroffene tun können

Mann ballt Faust, Frau sitzt mit Armen vor Gesicht auf Bett
Häusliche Gewalt ist weit verbreitet. © Canva

Was macht die Polizei?

Die Beamten befragen zunächst das vermeintliche Opfer und den vermeint­lichen Täter. Bestätigt sich die Verdachtslage eines Falles von häuslicher Gewalt, nehmen die Polizisten die Ermitt­lungen auf. Ist die Frau bereit, auszusagen, organi­sieren die Beamten nach Rücksprache mit der Staats­an­walt­schaft möglichst schnell eine Zeugen­ver­nehmung der Frau durch den Ermitt­lungs­richter.

Das ist deshalb so wichtig für die Ermittler, weil sehr viele Opfer häuslicher Gewalt, nachdem sich der erste Schock über das Erlebte gelegt hat, die Aussage verweigern. Dies ist rechtlich möglich, wenn die Frau mit dem Mann verheiratet oder mit ihm verlobt ist.

Auch die Beiordnung eines Rechts­anwalts für das Opfer kann nach Erfahrung der Strafrechtlerin helfen, die notwendige Unterstützung zu leisten, sodass die Aussage­be­reit­schaft erhalten bleibt. Das ist aber längst keine Garantie, so Rechts­an­wältin Landgraf: „Häufig haben die Frauen Angst, dass ihr Partner erneut gewalttätig wird. Oder sie sind wirtschaftlich abhängig von ihm, es sind noch gemeinsame Kinder im Spiel und sie scheuen deshalb eine Aussage. Auch Scham lässt viele Frauen so einiges unter den Teppich kehren und vorschieben, der Mann habe sich geändert und ihm tue es ja auch leid.“ Habe das Opfer allerdings vor dem Ermitt­lungs­richter ausgesagt, könne diese Aussage vor Gericht verwendet werden. Eine Aussage vor der Polizei habe diese Wirkung nicht, wenn sich die Frau später auf ein bestehendes Zeugnis­ver­wei­ge­rungsrecht beruft.

Häusliche Gewalt: Wer muss gehen?

„Die Polizei kann ein Kontakt­verbot und einen Platzverweis aussprechen“, erklärt Rechts­an­wältin Landgraf. Das Kontakt­verbot gelte meist zunächst für drei Tage. Der Mann muss dann die gemeinsame Wohnung verlassen. Unter Aufsicht der Polizisten darf er ein paar Sachen zusammen­packen. Die Beamten nehmen ihm den Schlüssel zur Wohnung ab.

Auch der Aufenthalt in einem Frauenhaus kann dem Opfer helfen: „In dieser Zeit hat die Frau dann Zeit und Ruhe, um sich zu überlegen, was sie weiter unternimmt“, sagt die Münchner Strafver­tei­digerin. Sie könne vor dem Zivilgericht einen Antrag auf Erlass eines Gewalt­schutz­be­schlusses stellen. „Der Täter muss dann Abstand halten und hat ein striktes Kontakt­verbot“, fügt die Anwältin hinzu. Dieses sei meist auf sechs Monate befristet, könne aber verlängert werden.

Verstößt er gegen das Kontakt­verbot, ist das eine Straftat. Nach §2 Gewalt­schutz­gesetz droht bis zu ein Jahr Haft. Diesen Gewalt­schutz­antrag können Betroffene beim zuständigen Amtsgericht stellen.

Der Gewalt­schutz­be­schluss hat auch eine wichtige Beweis­funktion, wenn es zu einer Scheidung kommen sollte und es um das Sorge- und Umgangsrecht geht. „Manchmal rüttelt der Gewalt­schutz­be­schluss den Mann auch schon auf und er fängt eine Therapie an“, sagt Rechts­an­wältin Landgraf. Ihrer Erfahrung nach ist eine Trennung aber meist die einzige langfristige Lösung für die Frau bei übergriffigen Männern, um in Frieden leben zu können.

Wenn die Frau bei ihrer Aussage bleibt, kommt es irgendwann zu einem Gerichts­ver­fahren.

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Datum
Aktualisiert am
20.11.2023
Autor
vhe
Bewertungen
12271
Themen
Drogen­miss­brauch Ehe Familie Straftat

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