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Amphetamin

Crystal Meth: Welche Strafen drohen bei Besitz?

Das Zeug kann ganz schön in Schwierigkeiten bringen: Methamphetamin alias Crystal Meth. © Quelle: Kaesler Media/fotolia.com

Laut Unter­su­chungen haben sich die Fälle, bei denen Metham­phetamin, besser bekannt unter dem Begriff Crystal Meth, in Deutschland sicher­ge­stellt wurde, zwischen 2008 und 2014 verzehn­facht. Wir zeigen, welche Strafen bei Konsum und Besitz von Crystal Meth drohen.

Seit 2008 wird Crystal Meth in Deutschland laut Betäubungs­mit­tel­gesetz (BtMG) als „verkehrsfähiges, aber nicht verschrei­bungsfähiges Betäubungs­mittel“ klassi­fi­ziert. Bei verkehrsfähigen Drogen ist der Handel mit dem Wirkstoff nicht grundsätzlich verboten, da dieser als Ausgangs­stoff in der Arznei­mit­tel­her­stellung zum Einsatz kommt. Der Besitz der Droge Crystal Meth ist nichts­de­sto­trotz streng verboten, außer man erhält eine ausdrückliche Erlaubnis des Bundes­in­stituts für Arznei­mittel und Medizin­pro­dukte.

Drogenfund bei Volker Beck: Verfahren einge­stellt

Im März 2016 geriet der Grünen-Politiker und Bundestagsabgeordnete Volker Beck in Berlin in eine Polizeikontrolle, bei der 0,6 Gramm einer "betäubungsmittelsuspekten" Substanz gefunden wurden. Dabei soll es sich um Crystal Meth gehandelt haben. Nach dem Bekanntwerden des Drogenfunds - die genaue Substanz ist bis heute nicht bekannt - erklärte Beck seinen Rücktritt von den Ämtern als innen- und religionspolitischer Sprecher seiner Fraktion sowie als Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe. Zunächst hatte die Bundestagsverwaltung die Aufhebung der parlamentarischen Immunität Becks aus formalen Gründen abgelehnt, später allerdings den Wünschen der Berliner Staatsanwaltschaft entsprochen und die Immunität aufgehoben. Das eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde allerdings im April 2016 von der Staatsanwaltschaft aufgrund "geringer Schuld" eingestellt. Beck zahlte außerdem eine Geldbuße in Höhe von 7000 Euro.

Ermittlungsverfahren bei Crystal-Fund: Strafmaß hängt an vielen Faktoren

Wird man mit Crystal Meth erwischt, leitet die Staats­an­walt­schaft ein Ermitt­lungs­ver­fahren ein – wie bei jedem Fund von verbo­tenen Betäubungs­mitteln. Welches Strafmaß genau droht und wie das Verfahren abläuft, hängt von vielen Faktoren ab.

1. Menge und Wirkungsgehalt der sichergestellten Drogen

In Deutschland liegt der Grenzwert für eine „geringe Menge“ Crystal Meth bei fünf Gramm Metam­fe­tamin-Base. Base meint, dass nicht die Menge insgesamt entscheidend ist, sondern der Wirkstoff­gehalt ausschlag­gebend. Wer also sechs Gramm Crystal Meth in der Tasche hat, muss nicht zwangsläufig die „geringe Menge“ überschritten haben.

Rechts­anwalt Carsten Hoenig ist Mitglied der Arbeits­ge­mein­schaft Straf­recht im Deutschen Anwalt­verein (DAV) und erklärt: „Die Richt­linien des Bundes­ge­richtshofs sind aller­dings ohnehin unver­bindlich, entscheiden dürfen Tatrichter unabhängig. Aber in der Regel halten sie sich daran, und zwar auch bundesweit.“

2. Vorgeschichte des Beschuldigten

Wie bei anderen Straf­taten auch, spielt bezüglich des Strafmaßes die Vorge­schichte des Beschul­digten eine entschei­dende Rolle. Mögliche Vorstrafen auch im Bezug auf Betäubungs­mittel sind dabei beispiels­weise wichtig.

Unter Beachtung verschie­dener Kriterien kann das Ermitt­lungs­ver­fahren in einer Freiheits­s­trafe von bis zu fünf Jahren münden – oder aber direkt einge­stellt werden. Dann ist die Zahlung einer Geldstrafe denkbar, doch kommt man unter Umständen auch ganz ohne Folgen aus der Sache raus.

3. Unterschiede je nach Bundesland

Die Unter­schiede beim Strafmaß zwischen den Bundesländern seien Rechts­anwalt Hoenig zufolge erheblich: „Während Bayern tradi­tionell Betäubungs­mit­tel­de­likte gnadenlos verfolgt, geschieht dies in Sachsen vor allem in Bezug auf die synthe­ti­schen Drogen wegen der Nähe zu Tsche­chien.“ Dort seien die Labore, in denen Drogen in großen Mengen herge­stellt würden. „In Berlin und anderen Großstädten ist man da eher zurückhaltend bei den Sanktionen“, so der Berliner Rechts­anwalt.

Die Folgen: Von Knast bis Entzug der Fahrerlaubnis

Wie schon angesprochen, variiert das Strafmaß je nach Vorge­schichte, Menge und auch Bundesland. Wer aber zu einer Haftstrafe verur­teilt wird, kann unter Umständen statt­dessen eine Drogen­the­rapie durchführen. Carsten Hoenig erklärt: „Der Grundsatz ‚Therapie statt Strafe’ gilt immer dann, wenn durch die Therapie die Resozia­li­sie­rungs­aus­sichten besser sind als bei einer Inhaf­tierung. Dazu müsste unter anderem aber auch eine erheb­liche Drogenabhängigkeit gegeben sein.“

Abgesehen von straf­recht­lichen Maßnahmen kann der Fund von Drogen auch zum Entzug der Fahrer­laubnis führen – selbst dann, wenn die Ermittler die Drogen nicht im Fahrzeug gefunden haben. Gemäß der Fahrer­laub­nis­ver­ordnung liegt bei nachge­wie­senem Konsum von Crystal generell keine Fahreignung mehr vor. Dies gilt gleichermaßen für alle „harten Drogen", wie Amphet­amine, Kokain oder Heroin. 

Besitz von weichen Drogen zum Eigenkonsum kann straffrei bleiben

Doch drohen strafrechtliche und verkehrsrechtliche Konsequenzen auch beim Konsum oder Besitz so genannter weicher Drogen, wie etwa Cannabis. Hier können Sie nachlesen, welche Regeln für den Besitz und Konsum von Cannabis gelten und welche Strafen drohen. Und hier finden Sie Informationen rund um die Folgen für die Fahrerlaubnis.

Sollten Sie in derlei Probleme geraten sein, finden Sie hier über die Anwaltssuche kompetenten Rat. Wichtig ist die frühe Kontaktaufnahme, so dass Sie ein Rechtsbeistand von Beginn des Verfahrens beraten und vertreten kann. In der Anwaltssuche können Sie gezielt nach einem Strafverteidiger spezialisiert auf Betäubungsmittelstrafrecht suchen.

Themen
Drogenmissbrauch

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