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Plädoyer

Warum man Cannabis legali­sieren soll

Sollte es legal sein, Cannbis zu kaufen und zu konsumieren? Ja, meint Prof. Thomas Fischer. © Quelle: Thomas Fischer

Über eine Legali­sierung des Umgangs mit Cannabis wird in der deutschen Gesell­schaft disku­tiert, als ob es sich um eine zivili­sa­to­rische Grundent­scheidung handele. Das ist unange­bracht. Ob – verkürzt gesagt – in der Anlage zum Betäubungs­mit­tel­gesetz (BtMG) der Wirkstoff „THC“ aufgeführt ist oder nicht, hat im Ergebnis keine ernst­hafte Bedeutung für die Volks­ge­sundheit.

Vorteile psychoa­tiver Substanzen wiegen für die meisten Menschen für Gefährdungen auf

Gegen eine Legalisierung von Cannabis sprechen Gründe. Es sind ganz überwiegend dieselben Gründe, die gegen eine Legalisierung von Whisky, Bier, Valium, Serotonin-Abbauhemmern, Kaffee, Nikotin, vergorenen Früchten oder zahllosen anderen Substanzen sprechen: Der Mensch wird durch übermäßigen Konsum solcher Substanzen kurzfristig arbeitsunfähig, emotional enthemmt, in seinem Sozialverhalten schwerer berechenbar; langfristig möglicherweise abhängig, psychisch geschädigt, gefährlich für andere, in seiner (Arbeits-)Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, körperlich krank.

Für Milliarden von Menschen – um nicht zu sagen: praktisch alle – wiegen die Vorteile psychoaktiver Substanzen die Nachteile und Gefährdungen auf: Drei Gläser Riesling erscheinen dem Europäischen Gourmet alle Gefährdungen des Alkoholismus wert; und die Leichtigkeit des Cannabisrauschs vergeht einer Milliarde Dauerkonsumenten weltweit nicht dadurch, dass allenthalben auf derselben Welt auch Elend, Kriminalität und Krankheit durch Rauschmittelsucht existieren. Die pharmazeutische Industrie überschüttet die Welt mit psychoaktiven Substanzen; die Grenzen zwischen illegalem und legalem Markt erscheinen vielfach willkürlich und zufällig.

Cannabis: Langzeit­folgen weniger schwer­wiegend als bei legalen Drogen

Cannabis ist im Vergleich zu den meisten bekannten Rausch­drogen minder gefährlich. Bis auf Ausnahmen, die deutlich weniger häufig sind als die krank­hafte Sucht nach Vanil­leeis oder Erdnuss­kernen, gibt es keine Tendenz zur Dosis­s­tei­gerung. Körperliche Abhängigkeit tritt nicht ein. Gefährlich wirkende Folgen des unmit­tel­baren Konsums (zum Beispiel Aggres­sivitätsstei­gerung) kommen kaum vor; Langzeit­folgen chronisch überstei­gerten Konsums (Verfla­chung der Persönlichkeit; Arbeitsunfähigkeit; in seltenen Fällen psycho­tische Erkran­kungen) liegen weit unterhalb der Folgen, die durch legale Drogen verur­sacht werden.

Prohi­bition oft kontra­pro­duktiv

Prohi­bition hat sich im Laufe der Straf­rechts­ge­schichte als das unwirk­samste und am meisten kontra­pro­duktive Mittel der „Bekämpfung“ von – so genanntem „übermäßigen“ – Rausch­mit­tel­konsum erwiesen. Sie erzeugt ihrer Natur nach einen „Schwarz­markt“; dieser verspricht exzep­tio­nelle Gewinn­spannen für jeden, der das – faktisch geringe – Straf­bar­keits­risiko in Kauf zu nehmen bereit ist.

Die so genannte „Bekämpfung der organi­sierten Krimi­nalität“ durch Illega­li­sierung des Marktes für Rausch­mittel erzeugt in wider­sin­niger Weise genau das, was sie zu „bekämpfen“ vorgibt. Die martia­lische Aufrüstung eines „War on Drugs“, der mit unend­lichem Aufwand an Personal und Geld seit Jahrzehnten geführt wird, hat keineswegs zum Rückgang des Marktes, vielmehr zu seiner steten Ausweitung geführt.

Die Prohibitionspolitik bezüglich Cannabis hat eine Vermischung mit anderen, unvergleichlich gefährlicheren Drogen in einem gemeinsamen illegalen Markt zur Folge und erzeugt so selbst viele jener Gefahren, die sie verhindern will: Unkontrollierte Beimischung von gefährlichen oder gesundheitsschädlichen anderen Substanzen, Bezugsquellen-Identität, ständiges Angebot zum „Aufstieg“ in härtere Drogen. Überdies führt sie dazu, dass es an vernünftiger Aufklärung über einen verantwortungsvollen Gebrauch fehlt. Die Botschaft, jeglicher Konsum von Cannabis sei die Vorstufe zu Verelendung und Drogensucht, ist falsch; sie wird von den Adressaten (insbesondere Jugendlichen) nicht geglaubt.

Legali­sierung von Cannabis-Produkten: Schritt zur Ratio­na­li­sierung der Drogen­po­litik

Mindestens 2.500.000 Menschen in Deutschland konsu­mieren nach zurückhal­tenden Schätzungen regelmäßig (!) Cannabis als Rausch­mittel. Zahlreiche Länder haben in den letzten Jahren den Gebrauch von canna­bi­noiden Rausch­mitteln legali­siert, ohne dass sich irgendwo die zuvor vorher­ge­sagten Szenarien einer massiven Ausweitung des Drogen­markts und der sozialen Folgen von Rausch­mit­telabhängigkeit nachweisen ließen.

Die Prohi­bition von Cannabis scheint ganz überwiegend ideolo­gisch motiviert. Die bekannten Argumen­ta­tionen mit der angeb­lichen „kultu­rellen Fremdheit“ (versus der angeblich gut beherrschten jahrhun­der­te­langen Kultur des Alkohol­trinkens) sind eher fern liegend. Eine Legali­sierung von Canna­bis­pro­dukten – Verkauf durch lizen­sierte Händler, Zulassung der Herstellung für den privaten Gebrauch – wäre ein Schritt zur Ratio­na­li­sierung der Drogen­po­litik insgesamt.

Lesen Sie hier das Plädoyer von Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, gegen eine Legalisierung von Cannabis.

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Cannabis Drogenmissbrauch Jugendliche Plädoyer Straftat

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