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Echt Recht?!

Wie verbindlich ist eine Tischre­ser­vierung?

In unserer Serie "Echt Recht?!" beantwortet Rechtsanwalt Swen Walentowski Ihre Fragen. © Quelle: DAV

Eine Tischre­ser­vierung nicht wahrzu­nehmen ohne abzusagen ist unhöflich – aber kann sie auch recht­liche Folgen haben? Rechts­anwalt Swen Walen­towski hat sich für unseren Leser Marc B. die Rechtslage angeschaut.

Lieber Marc B.,

die meisten Menschen haben wohl schon einmal eine Reser­vierung verfallen lassen – sei es im Kino, im Hotel oder eben im Restaurant. In der Regel hat das keine negativen Konse­quenzen. Trotzdem ist die Reser­vierung eines Tisches im Restaurant nicht so unver­bindlich, wie sie auf den ersten Blick erscheint.

Denn rechtlich kann man eine Reser­vierung als eine vorver­trag­liche Verhandlung betrachten: Gast und Gastronom sprechen darüber, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Bewir­tungs­vertrag abschließen wollen.

Gericht: Gastronom hat Anspruch auf Schadensersatz

So sah es vor einigen Jahren zumindest das Landgericht Kiel, das über die Klage eines Restaurantbesitzers zu entscheiden hatte (AZ: 8 S 160/97). Der Wirt forderte Schadensersatz von einem Gast, der per Fax gleich für vier Tage hintereinander einen Tisch für fünf Personen gebucht hatte und dann nicht erschienen war – ohne abzusagen. Der Restaurantbesitzer forderte als Ausgleich den Betrag, den eine vergleichbare Zahl von Gästen angeblich durchschnittlich in seinem Restaurant ausgeben würde.

Das Gericht entschied, dass die Klage grundsätzlich berechtigt sei und sprach dem Restau­rant­be­treiber Anspruch auf Schadensersatz zu – aller­dings nur in Höhe des sogenannten Vertrau­ens­schadens. Das heißt: Der Wirt hätte sich in diesem Fall alle Kosten ersetzen lassen können, die nur dadurch entstanden waren, dass er auf das Erscheinen der Gäste vertraut hatte – zum Beispiel Kosten für einen spezi­ellen Tisch­schmuck, ein speziell einge­kauftes Menü. Solch Vorbe­rei­tungen hatte das Restaurant in diesem Fall aber nicht getroffen und ging am Ende auch deshalb leer aus.

Entgan­gener Gewinn lässt sich schwer nachweisen

Den vom Restau­rant­be­sitzer gefor­derten Schadensersatz für den entgan­genen Gewinn lehnte das Gericht vollständig ab. Denn hier lässt sich – wie so oft bei Schadenser­satz­for­de­rungen – der tatsächliche Schaden nur schwer beweisen: Selbst wenn Gäste erscheinen, ist ja völlig unklar, wie viel sie tatsächlich verzehren und am Ende bezahlen würden. Zudem ist schwer nachweisbar, dass tatsächlich alle Tische des Restau­rants dauerhaft belegt wären – selbst wenn das Lokal ausre­ser­viert ist.

Fazit

Wer eine Reser­vierung im Restaurant nicht wahrnimmt, kann rein theore­tisch mit Schadenser­satz­for­de­rungen belangt werden. In der Praxis passiert das selbst bei größeren Gruppen aller­dings nur sehr selten. Wer sein Lieblings­re­staurant schätzt, sagt eine Reser­vierung selbst­verständlich trotzdem recht­zeitig ab, damit der Wirt die Plätze ander­weitig besetzen kann.

Anders sieht die Sache natürlich dann aus, wenn man im Voraus die Leistungen des Restau­rants fest bestellt hat, zum Beispiel das Essen für 100 Gäste einer Hochzeits­feier. Erscheinen hier nur 80 Personen, muss man trotzdem alles bezahlen – abzüglich der Summe, die das Restaurant durch die kleinere Gästezahl spart.

Mit besten Grüßen

Ihr Swen Walen­towski

Themen
Echt Recht? Restaurant Vertrag

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