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Schadensersatz

Wann gibt es Schmer­zensgeld?

Für manche Verletzungen lässt sich Schmerzensgeld einklagen - aber nicht für alle. © Quelle: richterfoto/panthermedia.net

Autounfall, Hundebiss oder Körperver­letzung - in vielen Situa­tionen fragen sich Betroffene: Habe ich ein Recht auf Schmer­zensgeld? In Deutschland soll Schmer­zensgeld Opfern immate­rielle Schäden ausgleichen. Wonach richtet es sich und wie wird es berechnet?

Lässt sich Leid durch Geld aufwiegen? Diese schwierige Frage steht bei Schmerzensgeld-Prozessen immer wieder im Mittelpunkt. Denn anders als bei einem Kratzer in der Autotür oder einer kaputten Waschmaschine lässt sich der subjektiv empfundene Schaden nicht genau beziffern – der normale Schadensersatz kommt hier also nicht in Frage. Auch von der Opferentschädigung muss man hierzulande das Schmerzensgeld abgrenzen - welche Funktion hat es genau?

Schmer­zensgeld beantragen: Was soll es ausgleichen?

Das Gesetz sieht für sogenannte immaterielle Schäden einen Ausgleich vor, und zwar bei „Verletzung des Körpers, der Gesundheit, der Freiheit oder der sexuellen Selbstbestimmung“. Das bedeutet, dass eine Klage auf Schmerzensgeld keineswegs nur bei körperlichen Verletzungen in Frage kommt. Auch andere „Lebensbeeinträchtigungen“ psychischer Natur können ein Schmerzensgeld rechtfertigen. So erstritt ein Arbeitnehmer beispielsweise 3.500 Euro, weil er von seinem Arbeitgeber mit einer Videokamera überwacht wurde. In einem anderen Fall erhielt ein Mann Schmerzensgeld, weil ihm mit Verweis auf seine Hautfarbe der Zutritt zu einer Diskothek verweigert worden war.

Warum ist das Schmer­zensgeld in Deutschland so viel niedriger als in den USA?

Die Höhe der in Deutschland zugesprochenen Schmerzensgelder hat sich in den vergangen Jahren verändert. „Früher war das Schmerzensgeld bei schweren Verletzungen häufig deutlich zu gering und bei Banalitäten vergleichsweise hoch. Heute sind die Dimensionen deutlich angemessener“, sagt Rechtsanwalt Professor Dr. Bernd Hirtz vom Deutschen Anwaltverein (DAV). Trotzdem sind die Summen noch immer weit entfernt von den medial nicht immer korrekt dargestellten, spektakulären Schmerzensgeldurteilen aus den USA – zum Beispiel den legendären 2,9 Millionen Dollar, die eine Frau 1994 in New Mexiko zugesprochen bekam, nachdem sie sich einen heißen Kaffee von McDonalds über die Oberschenkel gekippt hatte.

Solche Urteile sind in Deutschland nicht möglich, weil das Schmer­zensgeld hierzu­lande eine grundsätzliche andere Funktion hat. „Anders als in den USA hat das Schmer­zensgeld in Deutschland keine strafende Funktion, sondern es soll einen Ausgleich schaffen“, sagt Prof. Hirtz vom DAV.

Schmer­zens­geld­ta­belle: Wie bemisst sich die Höhe?

Aller­dings gibt es auch in Deutschland kein klares Berech­nungs­modell zur Festsetzung des Schmer­zens­geldes – es muss immer vom Gericht indivi­duell festgelegt werden. Die Grundlage dabei bilden sogenannte Schmer­zens­geld­ta­bellen. Dabei handelt es sich um Sammlungen von Urteilen zum Schmer­zensgeld, die nach Körperteilen oder Verlet­zungen geordnet sind. Hat man beispiels­weise einen Armbruch erlitten, kann man hier nachsehen, wie viel Schmer­zensgeld die Gerichte in vergleich­baren Fällen zugesprochen haben.

Aller­dings lässt sich fast nie ein Fall 1:1 übertragen. Neben dem Ausmaß der Verlet­zungen und Lebens­be­einträchtigungen spielen bei der Höhe des Schmer­zens­geldes zum Beispiel auch die Vermögensverhältnisse der Betei­ligten und der Grad des Verschuldens eine Rolle.

Nicht jede Schmerzensgeldklage hat Erfolg. Immer wieder bestätigen Gerichtsentscheidungen, dass gewisse alltägliche Lebensrisiken einfach zu akzeptieren sind. So scheiterte beispielsweise die Schmerzensgeldklage von Angehörigen einer älteren Dame, die bei einem Saunabesuch einen Schwächeanfall erlitten hatte und in der Folge verstorben war. Auch ein misslungener Haarschnitt alleine rechtfertigt keine Ausgleichszahlung.

Wer mit Hilfe eines Anwalts oder einer Anwältin selbst Schmerzensgeld einklagen will, sollte den entstandenen Schaden immer rechtzeitig dokumentieren. „Bei gesundheitlichen Schäden sollte unbedingt ein ärztliches Attest eingeholt werden, dass Art und Umfang der Verletzung dokumentiert“, sagt Rechtsanwalt Hirtz vom DAV.

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Themen
Gericht Schadensersatz Schmerzensgeld

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