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Kleingedrucktes

Verbraucher – nehmt euch Zeit!

Viele Verbraucher verlassen sich darauf, dass im Kleingedruckten nur die üblichen Klauseln zu finden sind und unterschreiben, ohne es zu lesen. © Quelle: Buchinho/corbisimages.com

In unserer Kolumne Kleingedrucktes schreiben wir in loser Folge über kuriose oder ärgerliche Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Verträgen. Dieses Mal: Die Verbraucher unserer Tage bilden sich viel darauf ein, mündig zu sein und umsichtig zu konsumieren. Doch mit diesem Selbstbild ist es nicht weit her. Forscher haben herausgefunden, dass sich Verbraucher im Internet nur eineinhalb Sekunden lang die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Verträgen ansehen, bevor sie zustimmen. Aber Eile und Sorglosigkeit können böse Folgen haben.

Verbraucher sollten sich die Verträge genau ansehen, die sie eingehen - damit sie nicht über den Tisch gezogen werden, damit andere sie nicht übervorteilen. Allein die Vernunft und das Eigeninteresse gebieten also ein sorgfältiges Studium des Kleingedruckten – sollte man  zumindest meinen. Die Wahrheit sieht aber ganz anders aus. Das kann etwa der britische Professor und Computerwissenschaftler Tom Rodden belegen.

Rodden hat nämlich herausgefunden, dass sich Verbraucher im Internet ganze 1,5 Sekunden lang die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Verträgen ansehen, bevor sie ihr Häkchen vor den Satz „Ich habe die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen und akzeptiert" setzen und den Vertrag abschließen. Drei Lidschläge lang lesen, besser gesagt überfliegen Verbraucher also die teils umfangreichen Konvolute voller Hinweise und Bestimmungen.

Bemerkungen für die Ewigkeit

Wie schnell Kunden im Internet sind und wie wenig sie das Kleingedruckte interessiert, demonstriert auch ein Experiment, über das der britische „Guardian“ kürzlich berichtet hat.

Dabei bot die Sicherheitsfirma F-Secure Internetnutzern einen kostenlosen Wlan-Hotspot in einem Café an. Das Unternehmen hatte das Kleingedruckte für diesen Deal mit ungewöhnlichen Passagen ausgestattet, so zum Beispiel: „Mit der Benutzung dieses Dienstes willigen Sie ein, Ihr erstgeborenes Kind F-Secure zu überlassen. Zeitpunkt und Nutzungsart werden vom Unternehmen festgelegt. Falls keine Kinder produziert werden, wird stattdessen ihr Haustier genommen. Diese Bemerkungen gelten für die Ewigkeit.“ Diese Klausel hatten offenbar nicht alle Nutzer gelesen, immerhin sechs stimmten zu.

Ähnliches in puncto mangelnder Sorgfalt von Verbrauchern förderte auch der Aprilscherz einer wiederum britischen Firma zutage. Dabei schmuggelte das Unternehmen, ein Spielehändler, aus Spaß einige kuriose Passagen in seine AGB und forderte darin etwa von den Kunden, die am 1. April 2010 in dem Online-Shop einkauften, die Abtretung ihrer Seele. 90 Prozent der Kunden hatten damit kein Problem oder hatten die Passagen überlesen und stimmten zu. Knapp 7.500 Seelen hätte der Teufel so bequem einsammeln können.

Was folgt daraus? Wer als Verbraucher seine Seele, sein Kind – wahlweise sein Haustier – behalten und sich vor bösen Überraschungen schützen will, die aus Verträgen folgen können, sollte sich unbedingt Zeit für das Kleingedruckte nehmen.

Themen
Allgemeine Geschäftsbedingungen Kleingedrucktes Verbraucher Vertrag

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