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Recht oder falsch?!

Herkunft: Hat Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden?

Die uns bekannte Darstellung des Weihnachtsmanns hat Coca-Cola erfunden. Heißt es. Aber stimmt das? © Quelle: Coca-Cola Company, offizielles Pressebild Weihnachten 2014

Coca-Cola hat ihn erfunden, den modernen Weihnachtsmann, zumindest die Darstellung: weißer Rauschebart, lächelnd und in einen rot-weißen Mantel gehüllt. So erzählt das Unter­nehmen die Entste­hungs- und Herkunfts­ge­schichte gern. Hat es somit auch die Rechte daran? Oder stimmt das alles nicht? Wir klären den Mythos auf.

Zwei Männer sind für ein Bild verant­wortlich, das ganzjährig vor unserem inneren, und alle Jahre wieder mit dem Beginn der kalten Tage auch wahrhaftig vor unserem Auge erscheint. So zumindest erzählt es die Coca-Cola Company gerne.

Der eine heißt Haddon Sundblom, genannt – wunderbar antagonistisch – „Sunny“. Er hat das personalisierte Weihnachtsfest, den menschgewordenen Christbaum geschaffen.

Sunny war ameri­ka­ni­scher Cartoonist, 1931 kreierte er für Coca-Cola einen Weihnachtsmann mit vorge­ge­benen Attri­buten: „Ein gemütlicher, älterer Herr“ sollte es sein, „mit vergnügtem Lächeln, gütigen Augen, einem wallenden Bart“ – und natürlich in die Unter­neh­mens­farben gehüllt: Rot und Weiß. So ist er noch heute zu sehen, in abertau­senden Kinderbüchern, in Filmen und Serien, in Cartoons und Zeitschriften.

Ein Lieferant von Coca-Cola als Vorlage des Weihnachtsmanns?

Coca-Cola roman­ti­siert sie nur zu gern, diese, ihre, Geschichte vom Entste­hungs­mythos des Weihnachts­manns. Dazu passend ist Sundbloms Vorlage: Ein gewisser Lou Prentiss soll das gewesen sein – der zweite zentrale Akteur. Dessen Job: Cola-Lieferant. Und fertig war die wunderbare und imageträchtige Geschichte.

Bedeutet das aber – im Umkehrschluss –, dass die Coca-Cola Company die Rechte am Weihnachtsmann besitzt?

Urheberrechtsanspruch für Coca-Cola – eventuell

„Nach deutschem Urheberrecht: Ja“, sagt Rechtsanwalt Oliver Brexl von der Arbeitsgemeinschaft Geistiges Eigentum & Medien im Deutschen Anwaltverein (DAV). Zumindest dann, wenn Coca-Cola tatsächlich der Urheber respektive Rechteinhaber wäre.

Urheberrecht

subjektiv das Recht, das den Urheber in seinen geistigen und persönlichen Bezie­hungen zu seinem Werk und in der Nutzung und Verwendung des Werkes schütztSeine Anerkennung und Ausge­staltung findet das Urheber­recht in den natio­nalen Gesetzen über das Urheber­recht und den inter­na­tio­nalen Verträgen (objek­tives Urheber­recht). Das Urheber­recht ist in …

Dann müsste die Quelle bei jeder Abbildung mit angegeben werden, so Brexl. Und er ergänzt: „Auch wenn der Weihnachtsmann durch einen anderen Künstler verändert dargestellt wird, könnte ein Urheberrechtsanspruch bestehen. Das müsste im Einzelfall beurteilt werden.“

Die entschei­dende Frage sei: Handelt es sich um eine freie Bearbeitung? Wäre dem so, dann müsse der Urheber des Weihnachts­manns nicht angegeben werden, „denn dann ist es eine persönliche geistige Schöpfung“, erklärt Rechts­anwalt Brexl. Aller­dings müsse das Werk auch als diese klar zu erkennen sein. Andern­falls sei es eine unfreie Bearbeitung – und dann dürfe nur mit der Zustimmung des Urhebers veröffent­licht werden.

Dass die Herkunft des Weihnachtsmanns auf Coca-Cola zurück geht, ist unwahrscheinlich

Zudem gibt es Unter­schiede zwischen dem ameri­ka­ni­schen und dem deutschen Urheber­recht. In Deutschland ist der Urheber immer die natürliche Person, in unserem Fall wäre es also „Sunny“. In den USA gilt dagegen der Satz „Work made for hire“, wonach die Rechte vom Urheber gegebe­nen­falls komplett auf den Arbeit­geber übergehen: auf Coca-Cola in unserem Fall.

Auch in Deutschland ist das von der rechtlichen Systematik her weitgehend möglich, „dennoch kann das Urheberpersönlichkeitsrecht nie ganz vom Künstler losgelöst werden“, sagt Oliver Brexl. „Das ist zum Beispiel dann wichtig, wenn ein Werk erfolgreicher ist, als ursprünglich gedacht. Dann können finanzielle Nachforderungen beim Auftraggeber gestellt werden.“

Doch in welchem Kinderbuch steht schon unter dem Bild des Weihnachts­manns „Quelle: Coca-Cola Company“ oder gar: Haddon Sundblom? Tatsächlich gab es bereits vor dem koffe­in­hal­tigen Weihnachtsmann vergleichbare Zeich­nungen und Veröffent­li­chungen – mit optischen Ähnlich­keiten; und sogar ein Werbe­vorbild aus der Getränkein­dustrie. Aber nachein­ander.

Der Weihnachtsmann könnte deutscher Herkunft sein

Der Weihnachtsmann könnte eine deutsche Erfindung sein, zumindest hat der Karika­turist Thomas Nast deutsche Wurzeln, wanderte aus der Pfalz samt Familie im Alter von fünf Jahren in die große, unbekannte Neue Welt aus.

Nast schuf die erste bildliche Darstellung des „Uncle Sam“, Natio­nal­figur der Verei­nigten Staaten, verfei­nerte aber auch Jahr für Jahr „seinen“ Weihnachtsmann, erlangte jedoch erst postum größere Berühmtheit, als das Getränkeun­ter­nehmen White Rock Beverages im Jahr 1923 für sein Ginger Ale warb und als Vorlage Nasts Entwürfe gewählt haben soll; einen Weihnachtsmann, weißer Rauschebart und roter Mantel.

Die Mythen rund um den modernen Weihnachtsmann gehen quer durch die Konti­nente und Jahrzehnte – und quer durch Blogs und Artikel im Internet. Genau zu bestimmen ist der Urheber wohl nicht mehr.

Coca-Cola popularisierte den uns bekannten Weihnachtsmann

Das Unter­nehmen White Rock gibt es auch heute noch, aller­dings beschränkt auf den ameri­ka­ni­schen Markt. Dass man auf ihrer Inter­netseite die Funktion „Where to buy“ anklicken kann, sagt einiges über den Erfolg der Firma aus. Cola aber, haben sie auch im Sortiment.

Demgegenüber der Getränkegigant Cola-Coca Company: Ein Jahres­umsatz von über 35 Milli­arden US-Dollar, ein Markt von über 200 Ländern und 230 unter­schied­liche Getränkemarken. Vielleicht lassen sich die Fragen um den Weihnachtsmann so beant­worten: Coca-Cola hat ihn wohl nicht erfunden, ob sie ihn kopierten sei aber dahin­ge­stellt.

Sicher ist, dass sie ihn weltweit populär gemacht haben und, dass es dem Image der Marke sicher nicht abträglich war. Und so fährt auch in diesem Jahr wieder der Weihnachtsmann im Cola-Truck durch die Lande, anstatt sich von Rentieren ziehen zu lassen, wie in vielen Weihnachts­ge­schichten. Aber ein roter Schlitten mit Schreib­schrift-Aufdruck und geladenen Getränken? Das passt dann doch nicht.

Haben auch Sie Probleme mit dem Urheberrecht? Hier finden Sie unsere Expertonnen und Experten.

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