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Fußball & Justiz

Die Anwälte der Anhänger

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02:22

Der harte Kern der deutschen Fußballfans hat einen zweifel­haften Ruf: Randale, Geldstrafen und Stadion­verbote machen immer wieder Schlag­zeilen. Eine Gruppe von Anwälten will die Rechte der Fußballfans stärken.

800 Zuschauer haben sich an diesem Sonntag­mittag in das Sport­forum Hohenschönhausen verirrt. Der BFC Dynamo spielt gegen Altlüdersdorf. Oberliga Nordost, fünfte Spiel­klasse.

Das Sport­forum ist ein Stadion aus einer anderen Zeit. Das Bier wird noch bar bezahlt. Wenn ein Tor fällt, greift der Platzwart zu Pappkärtchen und ändert den Spiel­stand an der verwit­terten Anzei­ge­tafel per Hand. Auf der Tribüne steht ein Mann mit dunklem Haar, Jeans und Sneaker.

René Lau ist Fußballfan, seit er zum ersten Mal mit sieben Jahren und an der Hand seines Großvaters das Sport­forum betreten hat. Im Oktober 1972 war das, Dynamo gewann 3:0 und zog in die 3. Runde der Europa League ein. Seither ist Lau Fan.

Somit ist es nur konse­quent, dass er sich auch beruflich mit seinem Lieblings­sport beschäftigt: René Lau ist Anwalt und vertritt Fußballfans, die beispiels­weise nach Besuchen von Fußballspielen mit Geldstrafen oder – für jeden einge­fleischten Fan viel schlimmer – mit Stadion­ver­boten belegt werden. Und er ist Teil der Arbeits­ge­mein­schaft Fananwälte, gegründet vor zweieinhalb Jahren und aktuell in Mannschaftsstärke im gesamten Bundes­gebiet verteilt: elf Anwältinnen und Anwälte, von Lörrach bis Rostock, von Berlin bis Köln.

Immer wieder kommt es in Fußballstadien zu Gewalt

„Der Fußballfan wird in der Öffent­lichkeit oft als ein randa­lie­rendes Etwas darge­stellt, das er nicht ist“, sagt René Lau und erklärt damit auch die Motivation zur Gründung der Arbeits­ge­mein­schaft. Dem „einsei­tigen Bild des Fans als Sicher­heits­risiko“ solle entge­gen­ge­wirkt werden, heißt es auf der eigenen Homepage. Seit einigen Jahren kommt es in unschöner Regelmäßigkeit immer wieder zu bildge­wal­tigen und somit auch fernsehtaug­lichen Ausschrei­tungen unter Fangrup­pie­rungen oder gegen die Polizei. Auch Teile der Fans von René Laus Lieblings­mann­schaften gelten als gewalt­bereit. Eine Auswahl:

  • März 2010, Hertha BSC" target="_blank">Hannover 96 – Dynamo Dresden, Hannover. 18 Anhänger der Dresdner werden am Rande des DFB-Pokalspiels in Gewahrsam genommen, zwei verhaftet. Nur ein Großaufgebot der Polizei kann nach eigenen Angaben schwere Krawalle verhindern. Dresden wird daraufhin für die Folgesaison aus dem Pokalwettbewerb ausgeschlossen.
  • August 2013, Schalke 04 – Paok Saloniki, Gelsenkirchen. In der zweiten Halbzeit stürmt eine Hundertschaft Polizisten den Schalke-Block. Dort soll eine mazedonische Flagge gezeigt worden sein, die Fans des griechischen Gegners provozieren sollte. Es habe sich um „volksverhetzende Tatbestände“ gehandelt, so die Polizei später.

Die Arbeits­ge­mein­schaft Fananwälte war über diesen letzten Polizei­einsatz und die nachträgliche Recht­fer­tigung „besorgt“ und forderte in einem offenen Brief an den nordrhein­westfälischen Innen­mi­nister Ralf Jäger, dass eine unabhängige Ermitt­lungs­kom­mission das „indivi­duelle Fehlver­halten einzelner Polizei­be­amter“ unter­suchen solle. Unabhängig von diesem konkreten Vorfall fordert die Arbeits­ge­mein­schaft  unter anderem mehr Dialog­be­reit­schaft von Vereins- und Verbands­seite mit den Fangrup­pie­rungen.

Die Liga und die Vereine sehen Handlungs­bedarf

Fananwalt Lau hält das Vorgehen gegen die Fanszene für unange­messen. „Die Gewalt vor 20, 30, 40 Jahren war schlimmer als sie heute ist.“ Das habe zum einen mit den besseren Stadien zu tun, zum anderen aber auch mit der besseren Gesell­schafts­kultur: „Heute ist es schick mit einem Prosecco in der VIP-Lounge zu sitzen“, so Lau. Nur habe der Fußball inzwi­schen eine viel größere mediale Aufmerk­samkeit – und damit auch die negativen Vorfälle.

Der Deutsche Fußballbund (DFB) teilt diese Einschätzung offen­kundig nicht und sieht durchaus Handlungs­bedarf. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat vor der Saison angekündigt, in der nun laufenden Spielzeit eine „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber gewalt­be­reiten Fans verfolgen zu wollen. Auf einem „Sicher­heits­gipfel“ beschloss der DFB zudem kürzlich gemeinsam mit der Deutschen Fußball Liga und 53 von 54 Profi­ver­einen verschärfte Sanktionen gegen gewalt­be­reite Fans.

Immer neue Mandanten melden sich

Eine ehrliche und intensive Debatte zwischen Fanver­tretern, der Liga und der Politik stehe seit Jahren aus. Die Gründung der Arbeits­ge­mein­schaft Fananwälte mache sich aber in jedem Fall bezahlt, sagt René Lau. „Ich vertrete eine Vielzahl von Fussballfans unter­schied­lichster Vereine und es kommen jede Woche neue dazu." Das zeige, dass die Probleme der Fußballfans in recht­lichen Belangen immer weiter steigen würde – ob diese nun berechtigt seien oder nich, so Lau.

An diesem für die Jahreszeit ungewohnt milden Sonntagnach­mittag gab es keine Ausein­an­der­set­zungen auf den Rängen. Im Sport­forum Hohenschönhausen hatte Herr Lau dennoch gut zu tun. Mit Jubeln. An der alten Anzei­ge­tafel hängen am Ende zwei schiefe Ziffern: unter „Heim“ eine 4, unter „Auswärts“ eine 0.

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