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Sportrecht

Verbot für One-Love - Vielfalt, FIFA und der DFB

Verbot fuer One Love
Die FIFA untersagt das Tragen der One-Love Armbinde. © Imago / Peter De Voecht

Wenn jede Presse gute Presse ist, hat die FIFA in Katar bisher alles richtig gemacht. Deutschland und weitere europäische Fußball­verbände wollten mit der „One-Love“– Armbinde bei der Fußball­welt­meis­ter­schaft ein Zeichen setzen. Die FIFA untersagte jedoch kurzfristig die Nutzung und droht mit sportlichen Sanktionen. Empörung und Kritik, wo Werte-Grundsätze und DFB-Reaktionen Doppelpass spielen. Dabei geht es nicht so sehr um Fußball – welche Befugnisse die FIFA hat und ob sich der Deutsche Fußballbund gegen ein Verbot der One-Love Binde rechtlich wehren kann, erklärt anwalt­auskunft.de.

Was bedeutet die One-Love Armbinde?

Zum Verständnis: Der Spielführer einer Fußball­mann­schaft ist an der sogenannten Kapitänsbinde erkennbar, die am Oberarm getragen wird. Das Merkmal der One-Love Armbinde ist, dass sie mit einem Herz bedruckt ist, dessen Inneres in Regenbo­gen­farben strahlt. Zusammen mit dem Schriftzug „One-Love“ sowie der Ziffer „1“ soll die Armbinde Ausdruck von Werten der Vielfalt und Offenheit sein: Menschen­rechte, Diversität, Frauen­rechte, gegen Diskri­mi­nierung, Rassismus und Homophobie. Die Idee entstammt dem nieder­län­dischen Fußball­verband KNVB. Die Länder Niederlande, Deutschland, Belgien, Schweiz, Wales, England und Dänemark wollten die Binde beim größten Fußball­turnier der Welt am Persischen Golf tragen.

Warum verbietet die FIFA das Tragen der One-Love Binde?

Die FIFA (Fédération Interna­tionale de Football Association), also der interna­tionale Fußball­verband, organisiert die WM. Um Einheit­lichkeit bei den Turnieren herzustellen, gibt die FIFA Regularien aus, denen die teilneh­menden Mannschaften zustimmen müssen. Als offiziellen Grund für das Verbot nennt die FIFA den Verstoß gegen das Ausrüs­tungs­re­glement – dort heißt es:

Bei FIFA-Endrunden muss der Spielführer jedes Teams die von
der FIFA bereit­ge­stellte Spielfüh­rerbinde tragen.“
(13.8.1)

Ihren eigenen Statuten zufolge bekennt sich die FIFA zu der Einhaltung und dem Schutz der Menschen­rechte, sowie die Nicht-Diskri­mi­nierung, Gleich­stellung und Neutralität (Art. 3, 4). Da dieses Bekenntnis dem Appell der One-Love Unterstützer augenscheinlich nicht entgegensteht, stellt sich die Frage, wieso die FIFA so handelt. Die signali­sierten Werte sind für viele Menschen in Europa und der Welt Ausdruck eines gemein­schaft­lichen Fußball­festes.

Welche Möglich­keiten hat die FIFA, die Armbinde zu verbieten und Spieler zu sanktio­nieren?

Bei Verstoß werde mit sportlichen Konsequenzen gedroht – laut Statut stehen mehrere Sankti­ons­mög­lich­keiten zur Wahl (Art. 14.2., 55, 55.2.b, 55.3.g). DFB - Präsident Bernd Neuendorf zufolge wurde seitens der FIFA die Gelbe Karte als Mindest­strafe kommuniziert, sollte die Binde dennoch getragen werden. Aus Sorge vor Nachteilen im Turnier entschieden sich der DFB und seine Mitstreiter, auf den Armreif zu verzichten.

Das Verbot führt zur Frage, welche Legitimität das FIFA-Machtwort tatsächlich hat. Neben der offiziellen Begründung (die FIFA stellt die Armbinde), könne die One-Love Binde auch als politisches Statement interpretiert werden. Homose­xualität steht in Katar unter Strafe – nicht-Muslimen droht bis zu sieben Jahren Gefängnis, Muslimen sogar die Todesstrafe. Sexuelle Vielfalt, wie sie die Regenbo­gen­farben der One-Love Binde symboli­sieren, könnte ohne viel Fantasie als politischer Protest verstanden werden.

Nach den geltenden Regeln könne die FIFA die Binde zunächst verbieten, erklärt Rechts­anwalt Karl Hamacher, Mitglied des Geschäfts­füh­renden Ausschusses der Arbeits­ge­mein­schaft Sportrecht im Deutschen Anwalt­verein (DAV) :

Das Turnier­re­glement der FIFA für die WM in Katar sieht im Wortlaut vor, dass Slogans mit politischem, religiösem oder persön­lichem Inhalt nicht zur Schau gestellt werden dürfen (27.1) Sämtliche Ausrüstungs- und Beklei­dungs­ge­gen­stände müssen darüber hinaus von der FIFA bewilligt werden (27.3, 27.4).

Kurzum: die FIFA wendet die Regularien an, auf die sich die teilneh­menden Verbände geeinigt haben.

Kann der DFB gegen das Verbot rechtlich vorgehen?

Zumindest wurde der Versuch angekündigt – die Adresse wäre der interna­tionale Sports­ge­richtshof (CAS), der ein Ad-hoc Gremium für die WM einsetzt, das innerhalb von 48 Stunden über Anträge in Rechts­strei­tig­keiten urteilt.

Allerdings:  
Ein rechtliches Vorgehen gegen diese Bestim­mungen setzt zunächst voraus, dass die „One Love“-Armbinde kein Slogan mit politischem Inhalt ist. Das könnte durchaus streitig sein, wenn man die Aussage nicht als politisches Statement, sondern als bloße Wiedergabe der Grundwerte des Fußballs ansieht. Der DFB hätte folglich ein Argument“, differenziert Sportrechtler Hamacher.

Allerdings sei eine solche Auffassung nicht zwingend, denn:

Vertritt man die gegenteilige Auffassung, dass es sich um ein politisches Statement handelt, könnte man argumen­tieren, dass es Regelungen wie die der FIFA bei fast allen Sportgroß­ver­an­stal­tungen gibt. Jede Weltmeis­ter­schaft der vergangenen Jahre bezog sich auf ähnliche Regelungen, um politische und/oder religiöse Differenzen aus dem Spielge­schehen und aus dem Event rauszu­halten. Das ist sicherlich auch ein beacht­liches Interesse, was man der oben aufgeführten Argumen­tation entgegen­halten könnte.

Dadurch soll die WM auch wirklich Bühne für Fußball sein – Ein Aspekt, der Manchen bereits entschieden zu kurz kommt. Übrigens: Richtlinien im Verband sind nicht nur dann gültig, wenn sie von der FIFA kommen – auch im örtlichen Sportverein sind die geltenden Regeln bezüglich politischen Statements zu achten.

…Mund zu und „No-Discri­mi­nation“

Trotzdem werden Stimmen laut, die sich mehr Contra wünschen – zugehaltene Münder beim Gruppenfoto der DFB-Mannschaft und Politi­ke­rinnen, die sich mit der One-Love Binde im Stadion ablichten lassen, würden der FIFA kaum Paroli bieten. Die wiederum bietet Ersatz für das verbotene Stück Stoff – mit der „No-Discri­mi­nation“ - Binde.


Die Weltmeis­ter­schaft in Katar ist erst eine Woche alt. Die Debatten sind wichtig und sollten geführt werden – ohne diejenigen zu vergessen, deren Besuch in Katar womöglich dem Ballspiel gilt.

 

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Datum
Aktualisiert am
28.11.2022
Autor
red/dav
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