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Lizenzpflichten

Public Viewing zur WM: Rechtslage für Veran­stalter

Quelle: Xu/corbisimages.com
Große, internationale Sportereignisse unterliegen – zumindest in Deutschland – ausschließlich dem Urheberrecht.
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Im Hinterhof mit der Nachbar­schaft, in der Kneipe, auf öffent­lichen Plätzen: Fußball-Weltmeis­ter­schaften werden hierzu­lande als Massen­spek­takel veran­staltet. Aber wann wird aus der privaten WM-Party eine lizenz­pflichtige Veran­staltung? Worauf Wirte achten müssen, wenn sie die WM für ihre Gäste übertragen wollen: Ein Überblick.

Wer die WM übertragen will, braucht eine Fifa-Lizenz – oder?

Ja, aber nicht per se. Zunächst gilt: Fifa-Recht hat keinen Gesetzescharakter. Große, internationale Sportereignisse unterliegen – zumindest in Deutschland – ausschließlich dem Urheberrecht. Eine Lizenzpflicht besteht für Veranstalter deshalb nur, wenn die vom Urheberrecht vorgesehen ist.

Fußballspiele an sich sind nicht urheber­rechtlich geschützt. Ihre Übertragung hingegen schon. Lizenzträger sind hierzu­lande deshalb eigentlich ARD und ZDF. Die Rundfunk­an­stalten strahlen die WM im deutschen Fernsehen aus. Ihre Rechte an der Übertragung haben die Anstalten wiederum aber an die Fifa abgetreten.

Konsequenz für Veranstalter: Die Fifa vergibt zwar die Lizenzen. Aber das Urheberrecht definiert, wer überhaupt eine Lizenz braucht.

Für wen schreibt das Urheber­recht Lizenzen vor?

Das Urheberrecht benennt nur ein einziges Kriterium: Eintrittsgeld. Nur wer seine Gäste Eintritt zahlen lässt, braucht demnach eine Fifa-Lizenz. Im Umkehrschluss bedeutet das: Alle Veranstalter, die keinen Eintritt verlangen, können sich die Sorgen um eine Lizenz sparen. Sie brauchen keine, sie können die WM ohne weiteres übertragen: Das gilt für die WM-Feier unter Nachbarn genauso wie für die Übertragung in der Kneipe ums Eck.

Wer (trotzdem) einen Lizenz­vertrag mit der Fifa abschließt, muss sich daran halten - auch an die Regeln, die strenger sind als es das deutsche Recht wäre. So setzt die Fifa den Veran­staltern beispiels­weise enge Grenze, was Sponsoren angeht.

Welche Lizenzen brauche ich außerdem?

Auch Fußballhymnen können urheber­rechtlich geschützt sein. Wenn außerdem in der Halbzeit die Gäste mit Musik beschallt werden, ist schnell die GEMA mit von der Partie. Die Verwer­tungs­ge­sell­schaft kassiert Gebühren für das öffent­liche Abspielen von Musik. Anlässlich der Fußball-WM unter­scheidet die Gesell­schaft zwischen zwei Veran­staltern, an denen sich ihre Tarife orien­tieren:

  1. Public Viewing ohne Veranstaltungscharakter. Darunter fallen laut GEMA zum Beispiel Wirte, die in ihrer Kneipe für ihre Gäste eine Leinwand aufbauen als auch Einzelhändler, die auf einem Fernseher die WM-Spiele laufen lassen.
  2. Public Viewing mit Veranstaltungscharakter. Hier rechnet die GEMA solche Veranstaltungen ab, die im größeren Stil umworben, umgesetzt und für die Eintrittsgelder verlangt werden.

Für Public Viewing zur Fußball-WM - sowohl mit als auch ohne Veran­stal­tungs­cha­rakter - bietet die GEMA Sonder­tarife für Veran­stalter an. Diese können die Tarife auch noch kurzfristig abschließen.

Wer seine Veran­staltung auf einem öffent­lichen Platz statt­finden lassen will, braucht über die GEMA-Lizenz hinaus außerdem die üblichen Geneh­mi­gungen und Konzes­sionen: zum Beispiel eine Ausschank­ge­neh­migung und eventuell auch die Erlaubnis, um die Sperrzeit zu verkürzen.

Public Viewing: Fazit

Eine Fifa-Lizenz brauchen nur Veranstalter, die von ihren Gästen Eintritt kassieren. Für derlei Sonderveranstaltungen zur WM werden auch GEMA-Gebühren fällig. Wer keinen Eintritt verlangt, braucht keine Fifa-Lizenz, unter Umständen aber eine der GEMA: immer dann, wenn der Fernseher oder ein anderes Übertragungsgerät extra zur WM aufgestellt wird. Wer ohnehin das ganze Jahr über seine Gäste beschallt und dafür Gebühren an die GEMA abtritt, muss keine Sonder-Gebühr für die Weltmeisterschaft zahlen.

Themen
Bußgeld Urheberschaft WM

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