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Sensation in München

Kunstfund: Wem gehören die Gemälde?

Zum Münchner Kunstfund gehören viele Bilder der Klassischen Moderne. © Quelle: www.wikipedia.de

Jahrelang schlummerten hunderte Kunstwerke in einer Münchner Wohnung. Bis der Zoll auf den Bewohner aufmerksam wurde und einen sensationellen Fund zu Tage förderte: Wertvolle Bilder, die teils völlig unbekannt sind. Doch nun stellt sich die Frage: Wem gehören die Werke?

Es sind 1.406 Gemälde, die ein Mieter offenbar jahrelang in seiner Wohnung in München-Schwabing gehortet hat. Dieser Mieter ist der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, der in den 1930er und 40er Jahren im Auftrag der Nationalsozialisten Kunstwerke ins Ausland verkauft hat.

Die in dem Fall ermittelnde Augsburger Staatsanwaltschaft sagte am Dienstag, dass zu dem Fund Bilder gehörten, die die Nationalsozialisten als „Entartete Kunst“ brandmarkten und Werke, die jüdischen Familien abgepresst oder geraubt wurden. Ihr Wert ist immens.

Als „entartet“ galten den Nationalsozialisten Kunstwerke insbesondere der Klassischen Moderne. Sie beschlagnahmten viele dieser Bilder aus deutschen Museen und zeigten sie in der Ausstellung „Entartete Kunst“ im Jahr 1937. Im Anschluss beauftragten sie Kunsthändler mit dem Verkauf, um Geld in ihre Kassen zu bekommen.

Unter den jetzt gefundenen Bildern befinden sich auch ältere Artefakte. Und es sind Bilder darunter, von denen noch nicht einmal die Kunst-Welt etwas geahnt hat, darunter zum Beispiel ein bislang unbekanntes Selbstportrait des Expressionisten Otto Dix.

Wem gehören die Bilder?

Die Besitzverhältnisse an den Bildern sind kompliziert und unklar. So ist zum Beispiel umstritten, ob etwa deutsche Museen Bilder für sich reklamieren können, die ihnen einst gehört haben und die nun in dem Kunstfund aufgetaucht sind. Bei dieser Frage handelt es sich um juristisches Neuland. Nach Ansicht von Professor Peter Raue, Berliner Rechtsanwalt und Mitglied im Deutschen Anwaltverein (DAV), könnten Museen diese Bilder durchaus für sich reklamieren: „Wenn der ‚Dieb‘ noch im Besitz der Bilder ist, können Museen diese Bilder beanspruchen.“

Sind die Bilder aus den Museen aber etwa über Kunsthändler wie Hildebrand Gurlitt an Dritte verkauft worden, können die Museen sie nicht zurückbekommen. Eine Rückabwicklung des Verkaufs hat dann keine Chance. Als die Nazis die sogenannte „Entartete Kunst“ aus den Museen verkaufen ließen, deckten sie ihr Tun durch ein Gesetz von 1938. Daher gelten alle etwa ins Ausland getätigten Verkäufe als rechtmäßig.

Schwierig ist an der jetzigen Situation, dass die Herkunft vieler Bilder noch unklar ist, die Informationen über die Besitzverhältnisse sind lückenhaft. Die ermittelnde Augsburger Staatsanwaltschaft sagt denn auch: „Die Ermittlungen sind in tatsächlicher wie rechtlicher Hinsicht aufwändig, schwierig und dauern an.“

Restitutionsansprüche nicht per se

Obwohl es moralisch auf der Hand liegt, haben zum Beispiel jüdische Erben nicht per se Restitutionsansprüche an den Kunstwerken, die jetzt in München entdeckt wurden. Die Washingtoner Erklärung zur Raubkunst von 1998 umfasst nur an den Staat gerichtete Verpflichtungen. Das heißt, nur Bilder, die etwa in deutschen Museen hängen und einst ihren jüdischen Besitzern gestohlen wurden, können restituiert, also zurück gegeben werden. Besitzen Privatpersonen solche Bilder, ist die Situation nicht von der Washingtoner Erklärung abgedeckt. Aber hier sagt der Kunstmarktkenner Peter Raue: „Die Washingtoner Erklärung hat auch faktisch Auswirkungen auf private Besitzverhältnisse.“

Es wird wohl noch sehr lange dauern, bis geklärt ist, wem die Gemälde aus diesem sensationellen Kunstfund gehören. Und auch künftig wird dieses Thema noch viele beschäftigen, schließlich gelten noch mindestens 10.000 Kunstwerke als verschollen.

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Eigentum

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