Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Kunstobjekte

Kunst schätzen lassen: Wie sollte man vorgehen?

Auf Dachböden finden sich manchmal wertvolle Gegenstände. © Quelle: Anders/panthermedia.net

So mancher Erbe staunt nicht schlecht, wenn er den Dachboden oder Keller eines verstor­benen Verwandten entrümpelt. Mitunter findet er dort ein Sammel­surium an Bildern, Möbeln, Schmuck oder Büchern. Wie viel diese Gegenstände wert sind, können Laien oft nur schwer einschätzen. Deshalb sollten sie sich an Experten wenden.

Dachböden, Keller und Wohnungen bergen so manchen Schatz. Manchmal finden sich dort sogar Kunstgegenstände, die Historiker und Kunstwelt in helle Aufregung versetzen. So staunte die Welt über die Gemälde in Cornelius Gurlitts Münchner Wohnung oder über die Bilder der US-amerikanischen Fotografin Vivian Maier, die jahrelang auf einem Dachboden lagerten.

Natürlich sind nicht alle Funde so spektakulär und kunst­his­to­risch bedeutsam wie diese beiden. Dennoch: Auch für private Haushalte kann es sich lohnen, Erbstücke der Eltern oder Großeltern schätzen zu lassen. Inter­essant ist so eine Schätzung manchmal auch für dieje­nigen, die Kunst­ob­jekte auf Auktionen, bei Antiquaren oder Antiquitätenhändlern kaufen.

Wie arbeiten Sachverständige?

Man kann Kunst­ge­genstände in Auktionshäusern schätzen lassen, aber auch Museen beraten manchmal und geben erste Hinweise. Sie erstellen aller­dings keine Gutachten. Diese fertigen etwa öffentlich verei­digte Sachverständige an. An die Adressen von Gutachtern gelangt man über die Industrie- und Handels­kammern oder über den Bundes­verband der öffentlich bestellten und verei­digten sowie quali­fi­zierten Sachverständigen e.V.

Dr. Frithjof Hampel ist Bundes­fach­be­reichs­leiter in diesem Verband und spezia­li­siert auf Kunst, Antiquitäten und Juwelen. Mehrmals in der Woche reist er durchs Land, um Gegenstände für Privat­leute, Anwälte, Testa­ments­voll­strecker, Versi­che­rungen oder Insti­tu­tionen zu schätzen. Für seine Auftrag­geber stuft er den Wert von Hausrat, Teppichen, antiken Möbeln, Porzellan oder Bildern ein. Die Gegenstände fotogra­fiert er nicht nur, sondern erstellt auch eine Bestands­liste. Darin hält er fest, aus welchem Material sie sind, welcher Epoche sie entstammen und wie sie erhalten sind.

Besonders oft ermittelt Frithjof Hampel den Wert privater Erbschaften. Dabei wollen Erben einen Nachlass manchmal unter sich aufteilen, sind sich aber über den Wert der einzelnen Gegenstände unsicher. Andere planen den Verkauf der kompletten Erbschaft und beauftragen Frithjof Hampel, weil sie wissen wollen, wie viel Geld der Verkauf einbringen könnte. Beauftragt wird er auch in den Fällen, in denen sich Erben um den Wert eines Nachlasses streiten.

Was ist der Verkehrswert?

Bei seiner Arbeit legt Hampel den Verkehrswert der Gegenstände fest. Das ist der vergleichbare Wert, den ein Aukti­onshaus als Mindest­gebot setzt. Dieser Wert kann weit unter dem Wieder­be­schaf­fungswert eines Gegen­standes liegen, also dem Laden­preis - eine Enttäuschung für viele Erben. „Oft überschätzen die Leute den Wert der Kunst­ge­genstände oder Antiquitäten“, weiß Frithjof Hampel.

Der Wert bestimmt sich zum Beispiel nach der Nachfrage. Mangelt es an dieser, drückt das den Preis. Das ist aktuell bei vielen Porzel­lanen oder Teppichen so, denn sie entsprechen oft nicht mehr dem Zeitgeist. „Vor kurzem hat mich ein Erbe einen handgeknüpften Perser­teppich schätzen lassen“, erzählt Frithjof Hampel. „Seine Eltern hatten den Teppich in den 60er Jahren in einem Fachgeschäft für rund 60.000 D-Mark gekauft. Obwohl der Teppich von hoher handwerk­licher Qualität war, konnte ich seinen Verkehrswert nur auf 1.200 Euro festlegen.“

Was beein­flusst den Wert von Kunst?

Mode, Nachfrage und wie gut ein Gegenstand erhalten ist – all diese Faktoren beeinflussen den Wert von Kunstgegenständen. „Aber auch Krisen zum Beispiel in Politik oder Wirtschaft bestimmen den Wert. Nach der Wirtschaftskrise 2008 etwa konnte man Kunstgegenstände kaum verkaufen, denn der Markt dafür war zusammengebrochen“, erklärt die Rechtsanwältin Inger-Kristina Wegener von der Arbeitsgemeinschaft Geistiges Eigentum und Medien im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Darüber hinaus spielt für den Wert auch so etwas schwer Greif­bares wie der immate­rielle Wert eine Rolle. „Es sind auch soziale Übereinkünfte, die den Wert definieren“, sagt die Hamburger Rechtsanwältin Inger-Kristina Wegener. „Das kann man sehr gut am Fall des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi sehen. Die Qualität seiner Bilder war überragend. Aber da die Werke keinem spezi­fi­schen Maler zuzuordnen waren, sind sie wertlos. Die Qualität sagt also nicht unbedingt etwas über den Preis aus.“

Wer haftet, wenn sich der Sachverständige irrt?

Wolfgang Beltracchi brachte nicht nur sich, sondern auch den renom­mierten Kunst­his­to­riker Werner Spies in Nöte. Denn Spies erkannte ein vermeintlich von Max Ernst stammendes, in Wahrheit aber von Beltracci gemaltes Bild, nicht als Fälschung. Das zeigt: Auch Fachleute können irren. Besonders bitter ist diese Erkenntnis für Privat­leute, die durch falsche Urteile von Experten unter Umständen viel Geld verlieren. So erging es etwa einer Frau, die einen Teppich von einem Auktio­nator schätzen ließ. Dieser taxierte den Teppich auf 900 Euro. Die Frau verkaufte für diesen Preis, doch bei einer Auktion brachte der Teppich 7,2 Millionen Euro ein. Schadensersatz für den finan­zi­ellen Verlust musste der Auktio­nator der Frau nicht zahlen, wie ein Gericht entschied (AZ: 14 U 764/12).

„Bei falschen Einschätzungen haften nach Paragraph 839a des Bürgerlichen Gesetzbuches zumindest gerichtlich bestellte Gutachter nur dann, wenn sie grob fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt haben“, sagt Rechtsanwältin  Wegener. Als grob fahrlässig könnte gelten, wenn ein Sachverständiger ein Bild mit unsicherer Herkunft nur nach dessen Stil beurteilt, aber versäumt, das Werk noch zusätzlich in einem Labor untersuchen zu lassen. In solchen speziellen Laboren analysieren die Mitarbeiter etwa die Leinwand oder die Farbe, denn beides gibt Aufschluss über das Alter eines Bildes.

Sind Sie auf Facebook? Dann liken Sie die Anwaltauskunft.

Themen
Eltern Erbschaft Erbstreit Familie Kunst

Zurück

Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Mobilität
Sünden am Steuer: So verlieren Sie schnell Ihren Führerschein
Gesellschaft
DSGVO: Was Sie über den neuen Datenschutz wissen müssen
Wohnen
Wann ein befristeter Mietvertrag gültig ist
Beruf
Gehaltsverhandlung: Das sollten Arbeitnehmer wissen
Mobilität
Rote Ampel überfahren und erwischt – was nun?
zur
Startseite