Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Schulkonflikte

Schule: Eltern können Wider­spruch gegen Strafe für ihr Kind einlegen

Den Hof fegen, nachsitzen, vom Unterricht ausschließen - wie dürfen Lehrer Schüler bestrafen? © Quelle: Fuse/gettyimages.de

Nachsitzen und Hof kehren: Lehrer dürfen in einem gewissen Maß durchaus Strafen verhängen, um Störenfriede unter den Schülern zur Besinnung zu bringen. Doch was können Eltern tun, wenn sie eine Sanktion für überzogen halten?

Halten Eltern eine Strafe des Lehrers für ihr Kind für überzogen, können sie Wider­spruch beim Verwal­tungs­ge­richt dagegen einlegen. Das gilt etwa für Ordnungsmaßnahmen wie das Kehren des Schul­hofes, die meist mit Vorlauf angekündigt werden. Der Wider­spruch hat aufschie­bende Wirkung, sprich die angedrohte Sanktion tritt erstmal nicht in Kraft. Darauf weist der Rechts­anwalt Wilhelm Achelpöhler hin, Anwalt für Verwal­tungs­recht in Münster und Mitglied im Deutschen Anwalt­verein (DAV).

Richter müssen dann entscheiden, ob die Sanktion angemessen ist oder nicht. Halten Eltern Reaktionen von Lehrern für ungerechtfertigt, können sie sich im ersten Schritt an die Schulleitung wenden und Beschwerde einlegen. Dann wird die Schulkonferenz darüber beraten.

Dürfen Lehrer Schüler nachsitzen lassen, vom Unter­richt ausschließen oder ihnen einen Schul­verweis erteilen?

Jede Sanktion des Lehrers muss verhältnismäßig sein. Auf der untersten Stufe können Lehrer pädagogisch reagieren: „Sie können einen Schüler in eine andere Klasse schicken oder bis zu zwei Stunden nachsitzen lassen“, nennt Achelpöhler als Beispiele. Alles über diese Zeitdauer hinaus sei unverhältnismäßig.

Als Zweites können Lehrer Ordnungsmaßnahmen ergreifen und das Kind etwa längere Zeit vom Unter­richt ausschließen. Als schärfste Ordnungsmaßnahme gilt der Schul­verweis.

„Außerdem dürfen Lehrer noch eingreifen, um Gefahren abzuwehren“, sagt Achelpöhler. Das gilt beispielsweise, wenn Schüler auf der Klassenfahrt Drogen nehmen und damit sich oder andere gefährden. In diesem Fall darf der Lehrer den Schüler nach Hause schicken.

Am Mittwoch hat das Amtsge­richt Neuss einen Lehrer wegen Freiheits­be­raubung verur­teilt. Der Pädagoge hatte einer lauten Schul­klasse eine Straf­arbeit aufge­brummt. Nach dem Unter­richt mussten die Sechstklässler ihre Arbeiten einzeln abgeben. Dabei hatte der Lehrer mehrere Schüler daran gehindert, den Raum zu verlassen. Einer von ihnen hatte schließlich per Handy die Polizei gerufen. Vom Vorwurf der Körperver­letzung wurde der Lehrer im Prozess aber freige­sprochen.

Themen
Eltern Jugendliche Kinder Kinderrechte Schule

Zurück