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Rente

Renten­be­scheid und Renten­aus­kunft: Was tun bei Fehlern?

Den Rentenbescheid zu prüfen ist nicht einfach, kann sich aber lohnen. © Quelle: Smith/gettyimages.de

Dass die Rente künftig nicht mehr sicher sein und für viele nicht zum Leben reichen wird, hat sich herum­ge­sprochen. Wer aber schon in den kommenden Jahren pensio­niert wird, hat in der Regel einen Anspruch auf Rente. Wie hoch diese ausfällt, hängt vom Versi­che­rungs­verlauf ab – also von der Anzahl der Arbeits­jahre, den einge­zahlten Beiträgen und den erzielten Renten­punkten. Dies ist in der Renten­aus­kunft und im Renten­be­scheid aufgeführt. Was tun, wenn sich dabei Fehler einge­schlichen haben?

Ein Lebensabend im eigenen Häuschen im Grünen: Davon träumen viele Arbeitnehmer. Ob ein Rentnerleben in den eigenen vier Wänden und ohne Geldsorgen realistisch ist, hängt nicht zuletzt von der Höhe der Rente ab, die im Rentenbescheid mitgeteilt wird. Da in die Rentenhöhe sehr viele Faktoren hineinspielen, können sich leicht Fehler einschleichen. Wir erklären, was Sie tun können, wenn Sie vermuten, dass Ihr Rentenbescheid nicht korrekt ist.

Renten­aus­kunft prüfen: Für Laien nur begrenzt möglich

Einen Renten­be­scheid erhält, wer zuvor einen Renten­antrag gestellt hat. Aus dem Bescheid geht hervor, wie hoch die Rente ist, wann sie beginnt und welche Arbeits-, Ausbil­dungs- und Erzie­hungs­zeiten angerechnet werden. Ihn zu prüfen ist empfeh­lenswert. Für Verbraucher ist das aller­dings nicht leicht. Die Bescheide wurden zwar zwischen­zeitlich etwas verein­facht, sind aber immer noch sehr kompli­ziert.

Rechtsanwältin Constanze Würfel ist Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Sie verweist zunächst auf die Rentenauskunft, die jeder Beitragszahler spätestens ab Mitte fünfzig alle drei Jahre erhält. „Die Rentenauskunft sollten Beitragszahler auf ihre Vollständigkeit hin prüfen, zum Beispiel, ob die Arbeitsjahre richtig erfasst sind.“ Flattert dann der Rentenbescheid ins Haus, sollten Versicherte die im Bescheid enthaltenen Daten mit denen aus der Auskunft abgleichen.

Bei Verdacht auf Fehler: Rechts­anwalt oder Renten­be­rater aufsuchen

Wem in der Renten­aus­kunft oder im Renten­be­scheid Diskre­panzen auffallen, sollte seinen Verdacht von einem Experten überprüfen lassen. Geht es um Fehler in der Berechnung, sind Renten­be­rater die besten Ansprech­partner. Sie haben Programme zur Verfügung, mit denen sie die richtige Rentenhöhe ausrechnen können.

Hat ein Rentner den Verdacht, dass nicht alles erfasst wurde, etwa weil bereits die Rentenauskunft einen Hinweis enthielt, dass bestimmte Zeiten oder Verdienste nicht berücksichtigt werden konnten, sollte er sich hingegen an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt für Sozialrecht wenden.

Wider­spruch einlegen bei fehler­haftem Renten­be­scheid

„Bestätigt sich der Verdacht, dass mit dem Rentenbescheid oder der Rentenauskunft etwas nicht stimmt, muss innerhalb eines Monats ab Zugang des Bescheides Widerspruch eingelegt werden“, informiert die Rechtsanwältin aus Leipzig. Das stehe auch in der Rechtsbelehrung auf der Rentenauskunft beziehungsweise dem Rentenbescheid.

Wer Wider­spruch einlegt, muss dies schriftlich tun. Zudem sollte der Wider­spruch begründet werden. Das bedeutet, es muss genau aufgeführt sein, was nach Ansicht des Versi­cherten falsch ist. Die Wider­spruchsbegründung kann auch nachge­reicht werden. Gibt die Renten­ver­si­cherung dem Wider­spruch statt, muss sie die Renten­be­rechnung korri­gieren – rückwirkend bis zu dem Datum, ab dem mit dem Bescheid Rente bewilligt wird.

Anspruch auf Nachzahlung: Bis zu vier Jahren rückwirkend möglich

„Wer seinen Renten­be­scheid rückwirkend auf Fehler unter­suchen lassen möchte, muss zunächst einen Antrag auf Überprüfung stellen. Auch dieser muss konkret begründet werden und schriftlich erfolgen“, sagt Rechtsanwältin Würfel. Zudem müsse der Versi­cherte genau angeben, für welchen Zeitraum die Rentenbezüge überprüft werden sollen. Das könne auch komplett bis zum Beginn der Renten­zahlung geschehen.

Überprüft die Rentenversicherung den Rentenbescheid und kommt dabei heraus, dass bisher zu wenig Rente gezahlt wurde, kann der Rentner sich freuen: Rückwirkend kann man Nachzahlungen für einen Zeitraum von bis zu vier Jahren ab Beantragung der Überprüfung erhalten.

Zu viel Rente erhalten: Renten­ver­si­cherung kann Beträge zurückfordern

Einen Renten­be­scheid im Nachhinein nach unten zu korri­gieren, ist ebenfalls möglich. Die Hürden dafür sind aber sehr hoch. Wenn die Renten­ver­si­cherung selbst feststellt, dass sie bei der Berechnung einen Fehler gemacht hat, kann sie die Renten­be­rechnung grundsätzlich korri­gieren. In der Regel ist dies aber nur für die Zukunft möglich.

Es sei denn, der Versi­cherte wusste von der Falsch­be­rechnung, hat wissentlich falsche Angaben gemacht oder hat der Renten­ver­si­cherung wichtige Infor­ma­tionen vorent­halten. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Pensionär neben der Rente Einkommen erzielt und dies nicht angibt.

Dann kann die Renten­ver­si­cherung die Renten­be­rechnung korri­gieren. Und zwar ab dem Zeitpunkt, an dem sich die entspre­chenden Umstände geändert haben. Im Fall des verschwie­genen Rentners wäre es die Zeit, in der er das zusätzliche Einkommen bezogen hat. Die zu viel gezahlte Rente muss der Rentner dann zurückerstatten. Hier gilt aller­dings eine Verjährungs­frist von vier Jahren ab dem Zeitpunkt, ab dem der Aufhe­bungs- und Erstat­tungs­be­scheid unanfechtbar geworden ist.

Unver­schuldet zu viel Rente erhalten: Rückzah­lungs­an­spruch verjährt nach einem Jahr

Anders sieht es aus, wenn der Rentner seiner Pflicht nachge­kommen ist und alle Veränderungen in seinen Einkom­mensverhältnissen angegeben hat, die Renten­ver­si­cherung diese Infor­mation aber nicht in die Berechnung hat einfließen lassen.

In diesem Fall kann sie die Renten­be­rechnung nur innerhalb eines Jahres ab Kenntnis von den veränderten Umständen korri­gieren. „Ist bereits ein Jahr vergangen, ohne dass die Versi­cherung den Renten­be­scheid geändert hat, dann kann der Rentner einwenden, dass er darauf vertrauen durfte, dass alles seine Richtigkeit hat“, sagt Rechtsanwältin Würfel. Eine Korrektur der Renten­be­rechnung sei dann nur für die Zukunft möglich.

Rente: Existenz­mi­nimum ist sicher

Dabei ist wichtig: Auch wenn der Rentner Rückzah­lungen leisten muss, kann ihm seine Rente maximal zur Hälfte gestrichen werden. Der Renten­be­zieher darf durch die Aufrechnung nicht zum Grund­si­che­rungsempfänger werden. Zum Nachweis muss der Rentner eine Beschei­nigung vom Sozialamt einholen, die besagt, dass die Grund­si­cherung durch die Aufrechnung gefährdet ist.

In diesem Fall muss der Renten­be­zieher die geschul­deten Beträge zwar trotzdem zurückzahlen. Es dauert aller­dings länger, bis die Renten­ver­si­cherung ihre Rückfor­derung reali­siert hat.

Konflikt mit Renten­ver­si­cherung? Anwalt kontak­tieren

Sie vermuten, dass in Ihrer Rentenauskunft oder in Ihrem Rentenbescheid nicht alles zu Ihren Gunsten berechnet wurde? Die Rentenversicherung fordert von Ihnen Rente zurück? Ihre Bezüge wurden gekürzt, und Sie fühlen sich deswegen ungerecht behandelt? Lassen Sie sich bei Konflikten mit der Rentenversicherung von einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt für Sozialrecht beraten. In unserer Anwaltssuche finden Sie einen Experten in Ihrer Nähe.

Checkliste: Das ist bei Verdacht auf Fehler im Rentenbescheid zu tun:

• Renten­be­scheid mit Renten­aus­kunft vergleichen

• Bei Diskre­panzen: Renten­be­scheid von Experten prüfen lassen

• Bei Fehlern: Wider­spruch einlegen (Wider­spruch­frist beachten!)

• Bei Wunsch nach rückwir­kender Unter­su­chung: Antrag auf Überprüfung stellen

Themen
Altersvorsorge Rente Rentenversicherung

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