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Invalidität

Private Unfall­ver­si­cherung: Wann zahlt sie, für wen ist sie sinnvoll?

Private Unfallversicherungen zahlen nur unter bestimmten Voraussetzungen - und die sind eng gesteckt. © Quelle: King/corbisimages.com

Es ist ein Szenario, vor dem sich die meisten Menschen fürchten: Einen Unfall zu haben und für eine lange Zeit invalide zu sein. Das würde nicht nur die eigene Lebens­planung zunich­te­machen, sondern für viele auch den finan­zi­ellen Ruin bedeuten. Eine Invalidität kann hohe Kosten nach sich ziehen: Allein ein Haus behin­der­ten­ge­recht umzubauen, kann schnell sechs­stellige Beträge verschlingen. Viele fragen sich deshalb, ob eine private Unfall­ver­si­cherung für sie sinnvoll ist – und wann sie zahlt.

Versichern kann man sich in Deutschland gegen so gut wie jedes Risiko. Ob das immer sinnvoll ist, kommt auf das eigene Sicherheitsbedürfnis und die persönliche Lebenssituation an. Gegen Invalidität nach einem Unfall möchte sich wohl jeder gerne absichern. Aber Vorsicht: Eine Unfallversicherung zahlt nicht automatisch bei einem Unfall – im Gegenteil, die Kriterien der Versicherer werden teilweise sehr eng ausgelegt.

Unfall­ver­si­cherung: Für die meisten sinnvoll

„Die Unfallversicherung ist sicherlich eine der Versicherungen, die sehr sinnvoll und erschwinglich ist“, sagt Arno Schubach, Rechtsanwalt für Versicherungsrecht und Mitglied im Geschäftsführenden Ausschuss der Arbeitsgruppe Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Denn bei Unfällen sei das Invaliditätsrisiko sehr groß.

Eine Unfallversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu haben, schließt sich dabei nicht aus. Mit der Berufsunfähigkeitsversicherung ist das Einkommen abgesichert – es soll sichergestellt werden, dass die Versicherten ihren Lebensstandard halten können. „Die Kosten, die eine Invalidität nach sich zieht, kann man aus den Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherung aber nicht finanzieren“, ergänzt Rechtsanwalt Schubach. Deshalb seien beide Versicherungen parallel zueinander empfehlenswert.

Versi­che­rungs­summe bei der Unfall­ver­si­cherung abhängig vom Lebens­standard

In welcher Höhe die Versi­che­rungs­summe einer Unfall­ver­si­cherung abgeschlossen werden sollte, hängt vom indivi­du­ellen Lebens­standard ab. Jeder sollte überschlagen, welche Kosten im Falle der Invalidität drohen könnten, wenn man zum Beispiel Eigentümer eines Hauses oder einer Wohnung ist. „Eine Grund­summe von 200 000 Euro inklusive Progression, bei der die Versi­cherung im Höchstfall mit 500 000 Euro oder mehr einspringt, halte ich für empfeh­lenswert und auch erschwinglich“, sagt der Rechts­anwalt aus Frankfurt. Bei einem höheren Lebens­standard könnten auch Versi­che­rungs­s­ummen ab 500 000 Euro bis hin zu 1 Million Euro oder sogar mehr sinnvoll sein.

Progression: Niedrigere Progression sinnvoll

In den meisten Fällen werden Unfall­ver­si­che­rungen nicht nur über eine Grund­summe, sondern auch über eine Progression abgeschlossen. Kommt es zu einem Unfall, steigt bei einer progres­siven Unfall­ver­si­cherung die Leistung mit zuneh­mendem Invaliditätsgrad überpro­por­tional, teilweise auf ein Vielfaches der Versi­che­rungs­summe.

Arno Schubach zufolge ist es in den meisten Fällen ratsam, in die Grund­summe zu inves­tieren und eine niedrige Progression zu wählen. „Um von einer hohen Progression zu profi­tieren, müssten Versi­cherte zu einem extrem hohen Grad oder gar zu 100 Prozent invalide sein“, erklärt der Rechts­anwalt. Es komme sehr selten vor, dass Versi­cherte nach einem Unfall unter einem Invaliditätsgrad von mehr als 50 Prozent litten – es sei denn, sie verlören beide Augen, beide Beine oder blieben querschnittsgelähmt.

Meist bekämen Versi­cherte mit einer vergleichs­weise höheren Grund­summe mehr heraus, als wenn die Grund­summe niedrig und statt­dessen aber die Progression höher gestaffelt ist.

Unfall­ver­si­cherung: Nur plötzliche, von außen kommenden Ereig­nisse abgesi­chert

In diesem Zusam­menhang stellt sich die Frage, wann eine Unfall­ver­si­cherung zahlt. Denn anders als gedacht zählt in diesem Kontext nicht alles als Unfall, was landläufig so bezeichnet wird. Damit die Versi­cherung einspringt, muss ein Unfall im Sinne der Bedin­gungen vorliegen. Das bedeutet, man erleidet durch ein plötzlich von außen kommendes Ereignis einen Gesund­heits­schaden. Wenn jemand zum Beispiel lange Zeit auf einem Traktor Rüttelbe­we­gungen ausge­setzt war und dann einen Bandschei­ben­vorfall erleidet, gilt das nicht als „plötzlich“.

Ob plötzlich oder nicht, ist allerdings nicht das Hauptproblem wenn es darum geht, Ansprüche gegen Versicherungen geltend zu machen. Problematischer ist das „äußere Ereignis“. Zieht man sich beispielsweise beim Joggen einen Bänderriss zu, ohne dass irgendwas anderes passiert, wäre der Unfall nicht versichert. Tritt man hingegen auf eine Kante und passiert dann etwas, wäre das ein Versicherungsfall.

Unfall­an­zeige: Ursachen benennen äußerst wichtig

Wie bei allen Versicherungsfällen stellt sich in so einem Fall die Frage nach dem Beweis. Diesen zu erbringen kann sehr schwierig sein. Typischerweise kann während eines Prozesses das Gericht den Versicherungsnehmer anhören. Rechtsanwalt Schubach erklärt: „Meistens ist eher das Problem, dass der Versicherte den ‚äußeren Einfluss‘ gar nicht bemerkt und seine Unfallanzeige abgegeben hat, ohne anzugeben, etwa über eine Wurzel oder eine Kante gestolpert zu sein.“

Die meisten kämen erst einmal nicht auf den Gedanken, dass sie auch die Ursache für ihren Laufunfall benennen müssten. Theore­tisch ist es zwar möglich, die Unfall­an­zeige im Nachhinein zu ändern und Details hinzuzufügen. Ob das Gericht den Versi­cherten dann für zuverlässig hält, ist aber fraglich.

Unfall­ver­si­cherung zahlt nur bei dauer­hafter Beeinträchtigung

Wichtig ist zudem: Eine Unfall­ver­si­cherung springt nicht ein, wenn der Versi­cherte sich „lediglich“ vorüberge­hende Blessuren zugezogen hat. Sie zahlt nur bei Invalidität, also bei dauer­hafter Beeinträchtigung. Wenn der Versi­cherte keinen Dauer­schaden behält, bekommt er auch kein Geld.

Man kann in der Unfall­ver­si­cherung sich aber auch für andere Szenarien absichern lassen: zum Beispiel die Übergangs­leistung für den Fall, dass man infolge eines Unfalls mehr als ein halbes Jahr lang schwer beeinträchtigt ist. Tagegeld wäre eine weitere Option für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Das sind aller­dings alles Leistungen, bei denen man sich sehr genau überlegen muss, ob es sinnvoll ist, dafür eine Prämie zu zahlen. Die wichtige Kernleistung in der Unfall­ver­si­cherung ist schließlich die Invalidit

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