Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Finanzen

Steuererklärung: Wer muss eine abgeben und für wen ist es sinnvoll?

Die alljährliche Steuererklärung macht kaum jemand gerne. Für manche kann sie sich aber auszahlen. © Quelle: Schuppich/fotolia.com

Sie gehört nicht unbedingt zu den spannendsten Dingen, die einem für das Woche­nende einfallen: Die jährliche Steuererklärung wird oft als etwas gehandelt, das viele vor sich herschieben. Für manche Steuer­zahler gibt es aller­dings kein Entkommen; sie müssen eine Steuererklärung abgeben, und zwar bis zum Ablauf einer gewissen Frist. Andere sind zwar nicht verpflichtet, hätten davon aber finan­zielle Vorteile. Wir bringen Licht ins Dunkel und zeigen, wer eine Steuererklärung abgeben muss, wer dies tun kann und wer es tun sollte.

Früher waren es grau-grün unterlegte Formulare, heute gibt es ELSTER – das Internetzeitalter hat mittlerweile auch die Finanzämter erreicht, und die Steuererklärung, ein Sinnbild für deutsche Bürokratie, kann auf elektronischem Wege übermittelt werden. Verschiedene im freien Handel erhältliche Steuererklärungsprogramme versprechen, beim Ausfüllen der Formulare Hilfestellung zu leisten. Was der Steuerpflichtige aber zu allererst klären sollte: Muss ich überhaupt eine Steuererklärung machen?

Steuererklärung Pflicht für jeden Steuer­zahler – theore­tisch

Grundsätzlich muss jeder Steuerpflichtige, der Einkünfte erzielt hat, für das betreffende Kalenderjahr eine Steuererklärung abgeben. Steuerpflichtig ist jeder, der in Deutschland wohnt oder sich gewöhnlich in Deutschland aufhält. Diese unbeschränkte Steuerpflicht betrifft alle, Erwachsene wie auch Kinder.

„Hintergrund ist, dass das Finanzamt wissen muss, in welcher Höhe der jeweilige Steuerpflichtige welche Einkünfte erzielt hat“, erklärt Rechtsanwältin Sabine Unkelbach-Tomczak, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Steuerrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Das Finanzamt müsse auf Basis dieser Informationen die Veranlagung durchführen, also die Höhe der zu zahlenden Steuern ermitteln.

Zu unterscheiden sind sieben verschiedene Arten von Einkünften. Beispielsweise erzielen Angestellte Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit, Gewerbebetreibende Einkünfte aus Gewerbebetrieb und Freiberufler Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit. Zudem sind Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung – zum Beispiel bei Eigentümern einer vermieteten Eigentumswohnung –, Einkünfte aus Kapitalvermögen oder sonstige Einkünfte möglich.

Selbständige müssen Einkom­men­steu­ererklärung abgeben

Wer selbständig ist, muss sich um alle steuerlichen Belange selbst kümmern. Das heißt, er muss auch das Finanzamt über seine Einkünfte informieren und eine Einkommensteuererklärung abgeben. Die zu zahlende Steuer müssen Selbständige nach §37 Einkommensteuergesetz (EStG) als Vorauszahlung leisten.

Wie hoch sie ausfällt, berechnet das Finanzamt auf Basis der Einkünfte aus dem jewei­ligen Vorjahr. Die Steuern müssen dann, je nach Höhe, pro Jahr oder pro Quartal gezahlt werden. Fallen die Einkünfte niedriger aus als erwartet, kann man die Steuer­vor­aus­zahlung auf Antrag reduzieren. Anderer­seits kann das Finanzamt die Voraus­zah­lungsbeträge unter bestimmten Voraus­set­zungen im laufenden Jahr für dieses Jahr erhöhen.

Selbständige: Frist bis Ende Mai des Folge­jahres

Dass man als Selbständiger eine Steuererklärung abgeben muss, heißt allerdings nicht zwangsläufig, dass man sie auch selbst erstellen muss. Natürlich kann das auch ein Steuerberater übernehmen. Der Steuerpflichtige muss die Einkommensteuererklärung dann nur selbst unterschreiben und durch den Steuerberater elektronisch einreichen lassen. Erstellt der Steuerpflichtige die Einkommensteuererklärung selbst, muss er diese selbst auf elektronischem Wege einreichen (ELSTER).

Die entspre­chende Frist läuft bis Ende Mai des Folge­jahres. Selbständig tätige Steuer­zahler können eine Verlängerung beantragen, müssen dies aber in der Regel begründen.

Steuererklärung für Rentner Pflicht

Wichtig: „Nach dem sogenannten Alterseinkünftegesetz müssen seit dem 1. Januar 2005 auch Rentner eine Steuererklärung abgeben“, informiert Rechtsanwältin Unkelbach-Tomczak. Seit diesem Zeitpunkt würden die Renten mit einem stetig steigenden Anteil besteuert. Hintergrund sei das Ziel, die Steuerpflichtigen während der Erwerbsphase zu entlasten und den im Rentenalter ohnehin niedrigeren Einkommensteuersatz dann auch für die Renten anzusetzen.

Ab dem 1. Juli 2016 müssen zudem mehr Rentner als bislang Einkom­men­steuer zahlen. Der Grund sind steigende Renten: In Westdeutschland erhalten Rentner dann 4,25 Prozent und in Ostdeutschland 5,95 Prozent mehr Geld.

Auch für das Jahr des Todes muss übrigens eine Steuererklärung eingereicht werden – das müssen die Erben übernehmen.

Angestellte: Arbeit­geber übermittelt Infor­ma­tionen ans Finanzamt

Eine Steuererklärungspflicht gilt grundsätzlich auch für Angestellte. Hier muss aber zunächst der Arbeitgeber tätig werden: „Bei Arbeitnehmern hat der Arbeitgeber die Erklärungspflicht gegenüber dem Finanzamt“, sagt die Rechtsanwältin aus Frankfurt. Er habe monatlich die Lohnsteuer für den Arbeitnehmer zu berechnen, diese vom Lohn abzuziehen und einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen.

Mit dem Lohnsteu­er­abzug ist die Einkom­men­steuer für nicht­selbständige Steuer­pflichtige (Arbeit­nehmer) abgegolten. Der Arbeit­nehmer hat seine Pflichten erfüllt, solange sein Arbeit­geber alles richtig macht.

„Der Arbeit­nehmer ist aber trotzdem der Steuer­schuldner und im Zweifel auch vom Finanzamt in Anspruch zu nehmen“, fügt Rechtsanwältin Unkelbach-Tomczak hinzu.

Auch für manche Angestellte verpflichtend

Angestellte, für die der Arbeitgeber die Lohnsteuer einbehalten hat, müssen nur unter bestimmten Voraussetzungen eine Einkommensteuererklärung abgeben. Das gilt zum Beispiel für jene, die bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig tätig sind, die sich im entsprechenden Jahr haben scheiden lassen oder die weitere Einkünfte beziehen, zum Beispiel aus Vermietung und Verpachtung.

Diese und weitere Voraussetzungen, die eine Steuerklärung erforderlich machen, sind unter §46 Absatz 2 Nr. 1 bis 7 EStG zusammengefasst. Diese Pflichtveranlagung ist innerhalb der vierjährigen Festsetzungsfrist durchzuführen.

Angestellte: Vielfach Steuerrückzah­lungen

Was manchen als lästige Pflicht erscheint, kann sich finan­ziell auszahlen. „Erzielt jemand Verluste, zum Beispiel weil seine Eigen­tums­wohnung nicht vermietet wurde oder die Aktien sich negativ entwi­ckelt haben, kann sich dies steuer­min­dernd auswirken“, sagt Rechtsanwältin Unkelbach-Tomczak.

Wer angestellt ist und sich in der genannten Liste (§46 Absatz 2 Nr. 1 bis 7 EStG) nicht wiederfindet, kann dennoch eine Steuererklärung abgeben. Angestellte können dann Steuerermäßigungsgründe geltend machen, die Arbeitgeber nicht berücksichtigt haben beziehungsweise von denen sie nichts wussten, beispielsweise Werbungskosten. Viele bekommen vom Finanzamt Geld zurück.

Freiwillige Steuererklärung: Vier Jahre Zeit

Angestellte müssen dazu beim Finanzamt einen Antrag auf Veran­lagung stellen. Das erfolgt automa­tisch, wenn sie die Einkom­men­steu­ererklärung abgeben. Es ist dann Aufgabe des Finanzamts, die Steuererklärung einschließlich Antrag anzunehmen. Entscheiden sich Angestellte dafür, die Erklärung freiwillig abzugeben, haben sie insgesamt vier Jahre Zeit. Die Frist beginnt mit Ablauf des Veran­la­gungs­zeit­raums, also des Kalen­der­jahres, für das die Steuererklärung gilt.

Dass man jedes Jahr eine Steuererklärung abgeben muss, wenn man einmal vom Finanzamt veranlagt wurde, trifft nicht zu. Wer einmal freiwillig eine Steuererklärung abgegeben hat, kann sich jedes Jahr aufs Neue entscheiden, ob er wieder eine abgeben möchte oder nicht.

Themen
Arbeitnehmer Freiberufler Geld Steuererklärung Steuern

Zurück

Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

zur
Startseite