Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Banken

Darf die Bauspar­kasse einen alten Vertrag kündigen?

Bei manchen Bausparern flattert derzeit überraschend die Kündigung ins Haus. © Quelle: contrastwerkstatt/fotolia.com

Bauspar­verträge galten lange als eine der solidesten Geldan­lagen. Der Bauspar­vertrag hat in den vergan­genen Jahren aller­dings an Beliebtheit eingebüßt – bei den Bauspar­kassen. Wegen der derzeit niedrigen Zinsen werden ältere, hochver­zinste Verträge für sie zum Verlust­geschäft. Deshalb kündigen immer mehr Bauspar­kassen diese Verträge. Der Bundes­ge­richtshof (BGH) hat nun entschieden, dass das rechtens sein kann. Die Deutsche Anwaltaus­kunft erklärt, was das Urteil für Bausparer bedeutet.

Noch vor ein paar Jahren war ein Bausparvertrag ein beliebtes Geschenk von Eltern an ihre jugendlichen Kinder. Es sollte ein erster Schritt zum eigenen Häuschen oder der Grundstein für eine langfristige Geldanlage sein. Letzteres hatte auch Hubert Müller aus Hannover geplant. Sein Bausparvertrag aus den späten neunziger Jahren läuft immer noch und soll das auch weiterhin tun. Nun ist ihm eine Kündigung ins Haus geflattert, inklusive eines Schecks über die gesparte Summe. Und Müller fragt sich, ob er gegen die Kündigung vorgehen kann.

Niedrigzinsphase: System Bausparen aus Bankensicht gefährdet

Bei Bausparverträgen sparen die Bankkunden zunächst eine bestimmte Summe an und können danach, wenn sie möchten, über die restliche benötigte Summe einen Kredit aufnehmen – oder weiter einzahlen.

In den vergan­genen Jahren haben sich die Bauspar­kassen von vielen älteren Bauspar­verträgen getrennt. Insgesamt sollen sie über 200.000 Verträge gekündigt haben. Da alte Verträge häufig hoch verzinst sind, nutzen viele Kunden sie nur noch als Geldanlage und verzichten auf das Darlehen. Ist die Hälfte der verein­barten Bauspar­summe angespart und damit die Zutei­lungs­reife erreicht, sparen sie einfach weiter.

Aus Bankensicht gerät damit das System Bausparen ins Wanken. Es lebt davon, dass ein Teil der Vertragsnehmer spart und der andere Teil einen Kredit aufnimmt. Die Vertragsnehmer sollen sich also gegenseitig Geld leihen. Zudem machen die hohen Zinsen die Altverträge für die Bausparkassen zum Verlustgeschäft.

Bausparvertrag gekündigt: Sparer klagen gegen Kündigung

In mehreren Fällen waren Bausparer gerichtlich gegen die Kündigung ihres Vertrags vorge­gangen. Bislang hatten die Gerichte unter­schiedlich entschieden. Der BGH in Karlsruhe hat nun in zwei Fällen zugunsten der Bauspar­kassen geurteilt.

In einem Fall hatte eine Frau Ende der Siebzi­ger­jahre einen Bauspar­vertrag über 40.000 DM abgeschlossen, also rund 20.000 Euro. 1993 trat die Zutei­lungs­reife ein. Die Frau nahm aber keinen Kredit über den Restbetrag auf. Am 1. Januar 2015 hatte sie etwa 16.000 Euro angespart. Zwei Wochen später kündigte die Bauspar­kasse den Vertrag.

Im zweiten Fall hatte die Klägerin 1999 zwei Bauspar­verträge über 160.000 DM – knapp 82.000 Euro – und 40.000 DM – rund 20.000 Euro – aufge­nommen. Im Januar 2015 kündigte die Bauspar­kasse beide Verträge, nachdem diese bereits seit mehr als zehn Jahren zutei­lungsreif waren. Beide Klägerinnen zogen gegen die Kündigungen ihrer Verträge vor Gericht.

Seite 1 von 3

Themen
Banken Bankkonto Bauprojekt Geld Sparen

Zurück

Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

zur
Startseite