Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Vermögen vererben

Testa­ments­voll­strecker – ihre Aufgaben, Rechte und Pflichten

Testamentsvollstrecker – alles was Sie über ihre Aufgaben, Rechte und Pflichten wissen müssen.
© Quelle: blackred/gettyimages.de

Streit um ein Erbe kennen viele Familien. Doch solchen Zank können Erblasser verhindern, indem sie einen Testa­ments­voll­strecker in ihrem Testament bestimmen. Aber Testa­ments­voll­strecker helfen nicht nur gegen Erbstreit. Sie können darüber hinaus viele andere Aufgaben im Erbfall übernehmen.

Erbstreit kann es immer geben. Dabei müssten solche Konflikte eigentlich nicht sein, zumindest gibt es Möglichkeiten, sie zu entschärfen oder sogar komplett zu umgehen. Wenn ein Erbstreit bereits im vollen Gange ist, können betroffene Familien einen Mediator einschalten. Dieser vermittelt zwischen den Parteien und hilft dabei, den Konflikt zu lösen und einen Kompromiss zu finden.

Man kann Erbstreit aber auch manchmal von vornherein verhindern, indem ein Erblasser zu seinen Lebzeiten jemanden als Testamentsvollstrecker in seinem Testament oder Erbvertrag bestimmt. In seinem letzten Willen kann der Erblasser aber auch nur eine Person oder ein Nachlassgericht damit beauftragen, einen Testamentsvollstrecker einzusetzen.

Testa­ments­voll­strecker – diese Aufgaben haben sie

Testa­ments­voll­strecker sind in rund sieben Prozent aller Erbfälle tätig. Dabei handelt es sich aber nicht nur um Erbfälle, bei denen viel Geld und Vermögen vererbt wird. Oft setzen auch Erblasser aus ganz „normalen“ Familien einen Testa­ments­voll­strecker ein, gerade, wenn der der Erbfall komplex ist und etwa auch Vermögen im Ausland umfasst. Auch bei der Versorgung von Bedürftigen kann er eine große Rolle spielen.

Meist bestimmen Erblasser ein Familienmitglied zum Testamentsvollstrecker, aber auch Rechtsanwälte oder Steuerberater übernehmen diese Aufgabe häufig. Es kann sogar von  Vorteil sein, wenn ein Testamentsvollstrecker nicht zur Familie gehört. „Das betont den Erben gegenüber, dass der Testamentsvollstrecker neutral ist und selbst keine eigenen Ziele verfolgt, sondern nur den Willen des Erblassers vertritt“, sagt der Bonner Rechtsanwalt Eberhard Rott von der Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Ein Testa­ments­voll­strecker ist also eine überpar­tei­ische Instanz, die die Wünsche oder auch Auflagen umsetzt, die der Erblasser in seinem Testament oder Erbvertrag bestimmt hat. Dabei nimmt der Testa­ments­voll­strecker den Nachlass des Verstor­benen für eine gewisse Zeit in seinen Besitz. Die Erben können dann nicht an den Nachlass, sondern müssen warten, bis der Testa­ments­voll­strecker seine Arbeit beendet hat.

Testa­ments­voll­stre­ckung: Ablauf und Dauer

Dauer­tes­ta­ments­voll­stre­ckungen dürfen maximal 30 Jahre dauern, manchmal gehen sie aber weit darüber hinaus bis zum Tod eines Erben. Das geschieht regelmäßig bei „Behin­der­ten­tes­ta­menten“. Bei einer Abwick­lungs­voll­stre­ckung endet die Arbeit des Testa­ments­voll­streckers, wenn der Nachlass abgewi­ckelt und die Erbschafts­steuer bezahlt ist. Wie lange das dauern darf, ist gesetzlich nicht geregelt.

Welche Befug­nisse haben Testa­ments­voll­strecker?

Beim Abwickeln eines Testa­ments haben Testa­ments­voll­strecker viele Befug­nisse. „Diese hängen davon ab, was der Erblasser in seinem Testament bestimmt hat“, sagt Rechts­anwalt Rott. „Hat der Erblasser nichts bestimmt, greifen die gesetz­lichen Regeln.“

Die Befug­nisse eines Testa­ments­voll­streckers sind weitrei­chend, seine Kontrolle gering. Erben können in der Zeit, in der der Testa­ments­voll­strecker den Nachlass abwickelt,  nicht darauf zugreifen. Vorschriften für seine Arbeit dürfen Erben ihm nicht machen. Er umgekehrt muss sich seine Maßnahmen von den Erben nicht geneh­migen lassen.

Testa­ments­voll­strecker – diese Pflichten haben sie

Doch so autonom Testa­ments­voll­strecker sind – alles was sie wollen dürfen sie nicht tun. Sie haben im Gegenteil klar umrissene Pflichten, die das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) definiert: Danach sind Testa­ments­voll­strecker dazu verpflichtet, den Nachlass eines  Verstor­benen ordnungsgemäß zu verwalten und allein dessen Willen umzusetzen. „Außerdem müssen Testa­ments­voll­strecker ein Nachlass­ver­zeichnis erstellen, das das Vermögen des Verstor­benen, aber auch dessen Schulden auflistet“, sagt Eberhard Rott.

Gegenüber den Erben sind Testa­ments­voll­strecker nachweis­pflichtig, sie müssen ihnen Auskunft über ihre Arbeit geben. Auch sind sie bei länger dauernden Testa­ments­voll­stre­ckungen dazu verpflichtet, eine jährliche Rechnungs­legung zu führen. All diese Pflichten müssen Erben aller­dings einfordern.

Verstoßen Testa­ments­voll­strecker gegen ihre Pflichten oder üben ihre Aufgaben schlampig oder zum Nachteil der Erben aus, können diese sie haftbar machen. Testa­ments­voll­strecker haften mit eigenem Vermögen, daher sollten sie zumindest über eine Haftpflicht­ver­si­cherung verfügen.

Der Unter­schied zwischen einer Abwick­lungs­voll­stre­ckung und einer Dauer­tes­ta­ments­voll­stre­ckung

Erblasser sind kaum in dem begrenzt, was sie in ihrem Testament vorgeben dürfen, weswegen die Aufgaben eines Testamentsvollstreckers sehr vielfältig sein können. Ihre  Aufgaben werden aber auch von der Form der Testamentsvollstreckung bestimmt, die der Erblasser gewählt hat. Man unterscheidet dabei zwei Formen:

Die üblichste Form ist die Abwicklungsvollstreckung. Dabei wickelt der Testamentsvollstrecker den Nachlass ab und teilt Geld und Vermögen unter den Erben auf. Besonders diese Art der Vollstreckung bietet sich an, um Streit unter Erben zu verhindern und zwischen ihnen zu vermitteln.

Bei der Dauertestamentsvollstreckung verwaltet der Testamentsvollstrecker den Nachlass eines Verstorbenen für eine bestimmte Zeit. In dieser Zeit ruht das Vermögen aber nicht, denn der Testamentsvollstrecker kann und muss dann sogar das Vermögen mehren und beispielsweise Geld anlegen oder Immobilien vermieten.

Wann ist eine Dauer­tes­ta­ments­voll­stre­ckung sinnvoll?

Die Motive von Erblassern, Dauer­tes­ta­ments­voll­stre­ckungen zu bestimmen, sind vielfältig: „Mancher Erblasser will etwa einem Kind Vermögen hinter­lassen und dieses von einem Testa­ments­voll­strecker verwalten lassen, bis es volljährig ist“, sagt Rechts­anwalt Rott.   

Auch wer verhindern will, dass der Erbteil eines Erben mit Steuerschulden sofort an das Finanzamt fällt, bestimmt in seinem letzten Willen oft eine Dauertestamentsvollstreckung. Unter der Verwaltung eines Testamentsvollstreckers ist der Erbteil vor dem Zugriff des Finanzamtes geschützt, man wartet dann die Zahlungsverjährung ab.  

„Häufig wählen Familien aus dem Adel oder der Großindustrie diese Form der Testa­ments­voll­stre­ckung, um einen Nachlass zusam­men­zu­halten“, erklärt Erbrechtss­pe­zialist Eberhard Rott. „Man verhindert so, dass ein Nachlass geteilt und dabei zum Beispiel große Ländereien zerrissen oder Unter­nehmen zerschlagen werden.“

Können Erben einen Testa­ments­voll­strecker entlassen?

Erben, die mit der Arbeit des Testa­ments­voll­streckers unzufrieden sind, können ihn nicht entlassen, seine Entlassung aber beim Nachlass­ge­richt beantragen. Für schlechte Arbeit können sie den Testa­ments­voll­strecker belangen und Schadensersatz von ihm fordern.

„Aber es ist schwierig, einen Testa­ments­voll­strecker zu entlassen. Das ist nur bei einer sehr schweren Pflicht­ver­letzung möglich“, erklärt Rechts­anwalt Rott. Eine schwere Pflicht­ver­letzung könnte ein Testa­ments­voll­strecker dann begehen, wenn er etwa eine Immobilie aus dem Nachlass deutlich unter Wert verkauft und damit das Erbe schmälert. Oder sich Vermögen selbst einver­leibt – und sei es auch nur als Darlehen.

Themen
Ehe Erbschaft Erbstreit Familie Geld

Zurück

Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Mobilität
Sünden am Steuer: So verlieren Sie schnell Ihren Führerschein
Gesellschaft
DSGVO: Was Sie über den neuen Datenschutz wissen müssen
Wohnen
Wann ein befristeter Mietvertrag gültig ist
Beruf
Gehaltsverhandlung: Das sollten Arbeitnehmer wissen
Mobilität
Rote Ampel überfahren und erwischt – was nun?
zur
Startseite