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"Zettel-Testament"

Testament: Ernst­hafter Testier­wille muss erkennbar sein

Unsicherheit mit Blick auf ein Testament können zu Streitigkeiten in der Familie führen - und vermieden werden, wenn das Testament bestimmte Vorgaben erfüllt. © Quelle: arvitalya/gettyimages.de

„Ich habe gedanklich schon mein Testament gemacht“: Dieser Satz ist oft von Menschen zu hören, die eine bedroh­liche oder unange­nehme Situation durch­leben mussten – und ist meist nur dazu da, um die durch­lebte Gefahr zu illus­trieren. Jeder weiß, dass es natürlich nicht ausrei­chend ist, ein Testament nur gedanklich zu machen. Damit es gültig ist, muss es nicht nur schriftlich errichtet werden, sondern auch bestimmte Vorgaben erfüllen. Vor allem muss aus dem Schriftstück deutlich hervor­gehen, dass der Erblasser damit auch wirklich ein Testament verfassen wollte.

Wie muss ein Testament aussehen? Viele wissen darüber nicht so genau Bescheid. Fakt ist: Auf einem Bierdeckel verfasst ist es nicht gültig. Auch zwei kleine Zettel, die fehler- und lückenhaft beschriftet sind, erfüllen nicht die Anforderungen an einen gültigen letzten Willen. So hat das Oberlandesgericht (OLG) Hamm am 27. November 2015 entschieden (AZ: 10 W 153/15).

Testament aus zwei Zetteln: Erbschein abgelehnt

Im zugrun­de­lie­genden Fall verstarb eine verwitwete Frau im Alter von 98 Jahren und hinterließ eine Tochter sowie vier Enkel­kinder, die von dem im Jahr 2009 vorver­stor­benen Sohn H. der Erblas­serin abstammten. Sie war Eigentümerin eines Hausgrundstücks.

Einige Monate nach dem Tod der Erblas­serin legten die Enkel zwei Schriftstücke aus dem Jahr 1986 vor und beantragten einen Erbschein. Sie gingen davon aus, damit gültige Testa­mente zu besitzen, aus denen sich eine Erbein­setzung ihres verstor­benen Vaters H. ergebe, an dessen Stelle sie als Miterben zu gleichen Teilen getreten seien. Bei einem dieser Schriftstücke handelte es sich um einen ca. 8x10 Zenti­meter großen, per Hand ausge­schnit­tenen Zettel mit handschrift­licher Aufschrift. Darunter folgten die Angabe 1986 und ein Schriftzug mit dem Nachnamen der Erblas­serin.

Auf dem zweiten Schriftstück, einem mehrfach gefal­teten Stück Perga­ment­papier, finden sich die gleichen Worte in leicht abgewan­delter Anordnung. Der Antrag der Enkel blieb aller­dings erfolglos: Das Amtsge­richt Lübbecke, an das sich die Enkel wandten, stellte keinen Erbschein aus. Zu Recht, wie das OLG Hamm entschied. Es könne nicht mit hinrei­chender Sicherheit festge­stellt werden, dass es sich bei den beiden Schriftstücken um letzt­willige Verfügungen der Erblas­serin handele.

Gültiges Testament muss Testierwillen deutlich zeigen

Die Begründung des Gerichts: Die Errichtung eines Testa­ments setzt einen ernst­lichen Testier­willen des Erblassers voraus. Er müsse eine rechts­ver­bind­liche Anordnung für seinen Todesfall treffen wollen, bloße Entwürfe eines Testa­ments reichten nicht aus. Im vorlie­genden Fall zweifelte das Gericht am ernst­lichen Testier­willen der Erblas­serin. Da lag unter anderem daran, dass die vermeint­lichen Testa­mente nicht auf einer üblichen Schreib­un­terlage, sondern auf einem ausge­schnit­tenen Stück Papier und einem gefal­teten Bogen Perga­ment­papier geschrieben worden waren.

Schreib­fehler machen Testament unglaubwürdig

Auch mit Blick auf die äußere und inhalt­liche Gestaltung sei es fraglich, ob man bei den Dokumenten wirklich von einem Testament ausgehen könne, wie das Gericht infor­mierte. Die Überschrift enthalte gravie­rende Schreib­fehler, im Text fehle ein vollständiger Satz – und das, obwohl die Erblas­serin der deutschen Sprache in Schrift und Grammatik hinrei­chend mächtig gewesen sei.

Letzter Wille auf Zetteln: Eher Entwurf denn Testament

Gegen das Vorliegen von Testa­menten spreche zudem der Umstand, dass beide Schriftstücke auf das Jahr 1986 datiert seien, so das Gericht. Ein Grund für die Errichtung von zwei inhaltlich nahezu identi­schen Testa­menten innerhalb eines Jahres sei nicht ersichtlich. Dass zwei inhaltlich ähnliche Schriftstücke auf ungewöhnlichen Schreib­un­ter­lagen vorliegen, spricht dem Gericht zufolge vielmehr dafür, dass es sich lediglich um schriftlich dokumen­tierte Vorüberle­gungen oder Entwürfe handelt.

Schließlich seien die Schriftstücke mit diversen unwich­tigen und wichtigen Unter­lagen ungeordnet in einer Schatulle aufge­funden worden. Auch dies lasse nicht notwendig auf einen ernst­haften Testier­willen beim Verfassen der Schriftstücke schließen. Die Erblas­serin müsse die Schriftstücke nicht bewusst aufbe­wahrt, sondern könne diese lediglich vergessen haben.

Die Verstorbene habe nach 1986 zwar kein weiteres abwei­chendes bezie­hungs­weise klarstel­lendes Testament errichtet – dies sei aber ebenfalls nicht aussagekräftig. Hierzu hätte aus Sicht der Erblas­serin nur dann eine Motivation bestanden, wenn es sich bei den beiden Schriftstücken bereits um Testa­mente gehandelt hätte. Gerade dies sei aber, wie beschrieben, nicht sicher festzu­stellen.

Gültiges Testament erstellen? Anwaltlich beraten lassen

Fazit: Ein Testament muss einige Kriterien erfüllen, damit es gültig ist. So muss unter anderem deutlich daraus hervor gehen, dass der Erblasser mit dem Dokument wirklich seinen Nachlass regeln und sich nicht bloß Notizen machen wollte. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich von einem Anwalt für Erbrecht beraten lassen, bevor er ein Testament aufsetzt. Hier finden Sie eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt in Ihrer Nähe. Sie können Sie dabei unterstützen, ein rechtlich einwandfreies Testament zu errichten und sie in weiteren erbrechtlichen Fragen beraten.

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Erbstreit Familie Testament

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