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Schwierige Formu­lierung

Stolper­fallen: Ohne Hilfe das Erbe aufschreiben

Wer sein Testament ohne Hilfe schreiben will, muss das handschriftlich tun. © Quelle: DAV

Jedem steht es frei, sein Erbe ohne Hilfe­stellung in einem Testament festzu­halten. Aller­dings gilt es dann, einiges zu berücksich­tigen. Allein die Formvor­schriften wollen beachtet werden. Der Inhalt eines Testa­ments birgt für den Verfas­senden erst Recht viel Potenzial zum Verhängnis.

Das eigenhändig aufge­setzte Testament ist „die letzte Bastion der Handschrift“, sagt Jürgen Widder. Der Rechts­anwalt ist Mitglied in der Arbeits­ge­mein­schaft Familien- und Erbrecht im Deutschen Anwalt­verein (DAV). Während zum Beispiel Gewer­be­trei­bende seit 2011 ihre Lohnsteu­ererklärung nur noch auf elektro­ni­schem Weg bei den Steuerbehörden abgeben dürfen, verhält es sich für Erblasser genau anders herum: Wer sein Testament eigenhändig verfassen will, kommt am Füllfeder­halter nicht vorbei. Er muss es mit der Hand nieder­schreiben.

Er wisse von dem Fall einer Frau, erzählt Widder, die mit der Schreib­ma­schine zum Pastor gegangen sei. Den habe sie gebeten, sein Siegel unter das getippte Schreiben zu setzen: „unwirksam“, sagt der Rechts­anwalt, „auch mit der Schreib­ma­schine getippte Testa­mente werden nicht anerkannt. Der Pastor ist außerdem keine Amtsperson. Sein Siegel hat keine Wirkung.“

Datum und Unter­schrift nicht vergessen

Ist das Testament vollständig verfasst, darf die Unter­schrift nicht fehlen. Aus der sollte sowohl der Vorname als auch der Nachname lesbar hervor­gehen. Umfasst der Nachlass mehrere Seiten, empfiehlt es sich, auf jeder dieser Seiten zu unter­schreiben. Auch das Datum ist wichtig – für den Fall, dass es mehrere Testa­mente gibt: Als gültig wird immer das jüngste befunden. Fehlt das Datum auf einem Testament, sind alle ungültig, weil nicht geklärt werden kann, welches zuletzt aufge­setzt wurde.

Ausnahme von der Pflicht zur Handschrift

Wer nicht in der Lage ist zu schreiben, weil er krank ist oder in einer Ausnah­me­si­tuation steckt – darf sein Testament auch vor Zeugen mündlich vortragen. Hier greift unter anderem das sogenannte Bürgermeis­ter­tes­tament. Wer sich in Lebens­gefahr befindet und keinen Notar mehr aufsuchen kann, darf sein Vermächtnis vom Bürgermeister beurkunden lassen. In einer solchen Situation müssten zwei weitere Zeugen hinzu­ge­zogen werden. Die dürfen aller­dings weder im Nachlass bedacht werden, noch das Testament vollstrecken.

Wenn auch der Bürgermeister nicht mehr hinzu­ge­zogen werden kann, darf ein Testament auch vor drei Zeugen vorge­tragen werden, von denen keiner eine Amtsperson ist. Eine solche Situation sieht das deutsche Recht zum Beispiel vor, wenn jemand in einer abgesperrten Zone im Sterben liegt. Das gilt zum Beispiel auch für Reisende, die lebens­be­drohlich verletzt auf hoher See festsitzen.

Formu­lie­rungen ins Verderben

Inhaltlich birgt ein eigenhändig formu­liertes Testament die größten Fallstricke, sagt Widder: „Wer gute Absichten hat, verbaut sich die vielleicht durch falsche Formu­lie­rungen.“ Klare Formu­lie­rungen seien das „A und O“ eines sicheren Nachlasses. Ist ein Testament nicht eindeutig geschrieben, muss es ausgelegt – also inter­pre­tiert werden. Das kann zwischen Erben Streit provo­zieren. „Nicht selten bleiben Familien auf ewig zerstritten, weil der Erblasser sie mit dem Testament im Unklaren gelassen hat“, berichtet der Fachanwalt für Erbrecht aus seiner Praxis. Gut gemeint sei eben nicht immer auch gut gemacht.

Vermächtnis

die Zuwendung eines einzelnen Vermögensvor­teils durch eine einseitige oder vertrag­liche Verfügung von Todes wegen an eine Person (Vermächtnis­nehmer; § 1939 BGB)Anders als der Erbe ist der Vermächtnis­nehmer weder Gesamt­rechts­nach­folger des Erblassers noch erhält er durch die Verfügung von Todes wegen und den Tod des Vermächtnis­gebers eine dingliche …

Ein Beispiel: Der Erblasser schreibt, „das Haus vermache ich meinem Sohn, das Geld auf dem Bankkonto erbt meine Tochter“.  Hier sei schwierig, sagt Widder, dass nicht zwischen „vererben“ und „vermachen“ unterschieden würde. Sowohl Sohn als auch Tochter sind wohl eigentlich als Erben vorgesehen – also als Rechtsnachfolger des Erblassers mit allen anhaftenden Rechten und Pflichten. Indem der Verfasser dem Sohn aber etwas vermacht, löst er den Sohn aus der Rolle des Rechtsnachfolgers heraus. Damit hätte sein Sohn ausschließlich Anspruch auf das Haus, während seine Tochter neben dem Bankkonto den gesamten, übrigen Nachlass erben würde.

Eine bessere Formu­lierung sei deshalb diese, so der Rechts­anwalt: „Meinen Sohn und meine Tochter setze ich zu gleichen Teilen zu meinen Erben ein. Das Haus weise ich durch Teilungs­an­ordnung meinem Sohn zu, das Guthaben auf dem Bankkonto meiner Tochter.“

Keine Pfeil­dia­gramme und Zeich­nungen

Verwirrung können auch Zeich­nungen in Testa­menten stiften. Zulässig sind sie ohnehin nicht, wie das Oberlan­des­ge­richt in Frankfurt in einem Urteil heraus­ge­stellt hat (AZ: 20 W 542/11). In dem Fall hatte ein Erblasser in seinem Testament versucht, mit Pfeilen zu dokumen­tieren, wer wie in der Erbfolge berücksichtigt werden soll. Das Gericht hob darauf das Testament mit der Begründung auf, Pfeil­ver­bin­dungen könnten jederzeit abgeändert werden. Im Gegensatz zur Handschrift, urteilten die Richter, die dokumen­tiere nachprüfbar die Identität des Schreibers.

Testament aktua­li­sieren

Für alle Nottes­ta­mente gilt: Sie sind zeitlich befristet und verlieren nach drei Monaten ihre Gültigkeit. Rechts­anwalt Widder gibt für alle Testa­mente zudem zu bedenken: „Kein Testament ist für die Ewigkeit gemacht.“ Jeder Erblasser täte gut daran, in regelmäßigen Abständen darüber nachzu­denken, ob  „sein letzter Wille“ auch wirklich der aktuelle letzte Wille ist. Veränderte Leben­sumstände verlangten mitunter, dass man die früheren Überle­gungen im Testament neu überprüfen müsse.

Checkliste: Was Erblasser berücksichtigen müssen, wenn sie ein Testament ohne Hilfe aufsetzen wollen. Ein schneller Überblick.

  • Das Testament darf ausschließlich per Hand geschrieben sein
  • Das Datum muss festgehalten werden
  • Auf jeder Seite des Testaments unterschreiben
  • Zeichnungen gehören nicht ins Testament
  • Formulierungen sorgsam wählen und im Zweifel prüfen lassen
  • Das Testament aktualisieren, wenn sich die Lebensumstände ändern
Themen
Erbschaft Erbstreit Testament

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