Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Erbrecht

Testament schreiben: Den letzten Willen richtig aufsetzen

Testament schreiben: Wie Sie Ihren letzten Willen richtig aufsetzen

Ein Testament ist schnell geschrieben. Im Fall der Fälle sogar handschriftlich auf einem Bierdeckel. Einige Regeln müssen Sie als Erblasser aber befolgen. Anwaltaus­kunft.de zeigt Ihnen, wie Sie ein privates Testament aufsetzen und Ihren Nachlass regeln.

Die meisten Menschen meiden das Thema Tod. Sie denken nicht daran, wem sie was vererben. Nur 30 Prozent der Deutschen haben ihren letzten Willen handschriftlich festge­halten. Die Scheu, sich mit dem eigenen Tod zu befassen und seinen Nachlass zu regeln, ist verständlich. Ratsam ist sie nicht.

Jeder sollte sich mit seinem Nachlass beschäftigen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit Ihrem letzten Willen können Sie zum Beispiel nach Ihrem Tod den Famili­en­frieden wahren. Ist dieser schriftlich festge­halten, ist der Streit ums Erbe unter Verwandten weniger wahrscheinlich. Der Erblasser bestimmt, wer das Vermögen erbt. Zudem umgehen Sie die gesetz­liche Erbfolge, wenn Sie Ihre Erben schriftlich festhalten. Die Regelung des Pflicht­teils für Partner oder Kinder bleibt davon aller­dings unberührt.

Einzel- oder gemein­sames Testament: die Unter­schiede

Menschen ohne Partner setzen ein Einzeltestament auf. Eheleute und Menschen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft verfassen einen gemeinsamen letzten Willen. Dieser ist auch als „Berliner Testament“ bekannt. Darüber hinaus ist es möglich, mit seinen Kindern oder einer anderen Person, die nicht der Ehepartner ist, einen Erbvertrag zu schließen. Nur hierfür brauchen Sie einen Notar, der den Vertrag beurkundet.

Die Form: Was Sie beim Aufsetzen beachten müssen

Bei der Form des Testaments muss der Erblasser nur einige wenige Punkte beachten. Zunächst sollte Sie das Testament als solches kenntlich machen. Schreiben Sie beispielsweise “Mein letzter Wille” oder “Testament” in die Überschrift oder auf das Deckblatt. Zudem muss es ein handschriftliches Testament sein, das sie persönlich verfassen. Ein letzter Wille, den Sie auf dem Computer oder auf der Schreibmaschine schreiben, ist unwirksam.

Auch die Angabe von Ort und Datum sind ein Muss. Gleiches gilt für Ihre Unter­schrift: Sie unter­schreiben immer mit Ihrem ganzen Namen – Vorname und Nachname. „Bei einem gemein­schaft­lichen Testament setzt der eine Partner den Text handschriftlich auf. Dann unter­schreiben beide das Dokument“, sagt der Rechts­anwalt Dr. Dietmar Kurze von der Arbeits­ge­mein­schaft Erbrecht im Deutschen Anwalt­verein (DAV.) Jeder Laie kann diese Anfor­de­rungen an die Form erfüllen.

Wer nicht in der Lage ist zu schreiben, weil er krank ist oder in einer Ausnah­me­si­tuation steckt – darf sein Testament auch vor Zeugen mündlich vortragen. Hier greift unter anderem das sogenannte Bürgermeis­ter­tes­tament. Wer sich in Lebens­gefahr befindet und keinen Notar mehr aufsuchen kann, darf sein Vermächtnis vom Bürgermeister beurkunden lassen. In einer solchen Situation müssten zwei weitere Zeugen hinzu­ge­zogen werden. Die dürfen aller­dings weder im Nachlass bedacht werden, noch das Testament vollstrecken.

Wenn auch der Bürgermeister nicht mehr hinzu­ge­zogen werden kann, darf ein Testament auch vor drei Zeugen vorge­tragen werden, von denen keiner eine Amtsperson ist. Eine solche Situation sieht das deutsche Recht zum Beispiel vor, wenn jemand in einer abgesperrten Zone im Sterben liegt. Das gilt zum Beispiel auch für Reisende, die lebens­be­drohlich verletzt auf hoher See festsitzen.

Allei­nerbe, Enterben, Vermächtnis anordnen – was Sie mit einem Testament regeln können

Die oberste Regel lautet: Denken Sie gut über den Inhalt nach, bevor Sie ihren letzten Willen verfassen. So können Erblasser Freunde, Verwandte oder einer gemeinnützige Organisation Geld hinterlassen. Oder auch die eigenen Kinder enterben, sodass sie bloß den gesetzlichen Pflichtteil bekommen. Dieser garantiert den nächsten Angehörigen, vor allem den Kindern und den Ehegatten, eine Mindestbeteiligung am Nachlass. Der Wunsch des Erblassers spielt keine Rolle. Der Anspruch beträgt in der Regel Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Über den Pflichtteil hinaus aber regeln Sie Ihr Erbe aber so, wie Sie es für richtig halten. "Heutzutage gibt es nur noch wenige Inhalte, die als sitten­widrig gelten und unwirksam sind“, sagt der Experte für Erbrecht Dr. Kurze.

Möchten Sie einen Alleinerben einsetzen, liest sich Ihr Testament wie folgt:

  • Ich, [Ihr vollständiger Name], geboren am [Ihr Geburtsdatum] in [Ihr Geburtsort] setze hiermit [vollständiger Name, ggf. Geburtsname, Geburtsdatum, Geburtsort] als Alleinerben ein.

Wollen Sie einen Angehörigen enterben, müssen sie auch das handschriftlich festhalten. Ein Beispiel:

  • Hiermit enterbe ich meine(n) Sohn/ Tochter [vollständiger Name Ihres Kindes], geboren am [Geburtsdatum Ihres Kindes] in [Geburtsort Ihres Kindes]. Gleiches gilt für seine/ihre Abkömmlinge.

Gleichzeitig können Sie beispielsweise für Freunde gezielt ein Vermächtnis anordnen. Wenn Sie Ihr Testament aufsetzen, können Sie explizit verfügen, wer was bekommt. Der entsprechende Satz liest sich dann ungefähr so:

  • Meinem Freund/meiner Freundin [vollständiger Name, Geburtsdatum, Geburtsort] vermache ich [Sachwert, z.B. Auto, Gemälde, Uhr].

Die Vorgehensweise ist immer ähnlich. Neben den Erben kann der Erblasser auch viele kleine Details regeln. Zum Beispiel, dass die Erben eine Immobilie für eine gewisse Zeit nicht verkaufen dürfen. Um die Umsetzung eines solchen Willens nach seinem Tod zu garantieren, ist der Erblasser gut beraten, einen Testamentsvollstrecker einzusetzen, der die Umsetzung überwacht.

Wichtig ist darüber hinaus, dass Ihr privates Testament einfach verfasst ist. Meiden Sie rechtliche Begriffe, die juristische Laien zu oft falsch verwenden. So erschweren die Erblasser die Auslegung des Testaments nach ihrem Tod nur unnötig. Sehen Sie Bedarf für präzisen fachlichen Ausdruck, lassen Sie sich am besten von einem Fachanwalt für Erbrecht beraten.

Kann ich ein Testament ändern oder widerrufen?

Einzeltestamente lassen sich problemlos ändern. Wichtig ist, dass Sie jeden neuen Zusatz unterschreiben – immer mit dem vollständigen Namen. Sie können ein früheres Testament auch widerrufen, vernichten oder durch ein neues ersetzen. Das alte Testament verliert dann seine Gültigkeit. Bei einem gemeinschaftlichen Testament zweier Personen ist es schwieriger. Vor allem, wenn einer der beiden stirbt.

Wann bin ich testierfähig?

Oft entzündet sich an der Testierfähigkeit der Streit der Erben. „Wer keinen Zweifel aufkommen lassen will, sollte sich von einem Arzt ein Gutachten einholen“, empfiehlt Rechtsanwalt Dr. Kurze. Dieses Gutachten fügen Sie Ihrem Testament bei.

Was kostet ein Testament?

Wer ein handschriftliches Testament verfasst und dieses zu Hause aufbe­wahrt, muss mit keinerlei Kosten rechnen. Erst wenn Sie Ihr Testament bei einem Nachlass­ge­richt hinterlegen, zahlen Sie 50 Euro. Berät Sie ein Anwalt, kostet das ebenfalls. Allerdings können Sie das Honorar verhandeln. Die Gebühren für einen Notar hängen von der Höhe des Vermögens des Erblassers ab. Auch die Komplexität spielt eine bei Kalkulation eine Rolle. Umfasst das Erbe ein Unternehmen, betragen die Gebühren schnell mehrere tausend Euro liegen.

Wo sollten Sie Ihr Testament aufbe­wahren?

Ihr Testament können Sie an verschiedenen Orten lagern: Zum einen ist es möglich, das Schreiben zu Hause aufzubewahren. Wichtig ist dabei, mindestens eine Person einzuweihen. Ansonsten bleibt Ihr letzter Wille womöglich unentdeckt. Zum anderen können Sie sich für ein notarielles Testament entscheiden. Dieses liegt dann bei Ihrem Notar. Auch eine amtliche  Verwahrung ist möglich: Der Erblasser bringt seinen letzten Willen zu einem Nachlassgericht, das die Öffnung garantiert.

Zusam­men­fassung: Check­liste für Ihr Testament

  • Regeln Sie Ihr Erbe eigenhändig und handschriftlich.

  • Halten Sie immer das Datum fest.

  • Unterschreiben Sie auf jeder einzelnen Seite.

  • Verzichten Sie auf Zeichnungen.

  • Formulierungen sorgsam wählen und im Zweifel prüfen lassen,

  • Das Testament aktualisieren, wenn sich die Lebensumstände ändern und wieder unterschreiben.
Themen
Erbschaft Erbstreit Geld Steuern Vermächtnis

Zurück

Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

zur
Startseite