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Schule und Kinder

Was gegen schlechte Schul­noten möglich ist

Gegen schlechte Schulnoten können Schüler und ihre Eltern vorgehen. © Quelle: DAV

Zwischen einer „1“ und einer „3“ liegen manchmal Welten. Insbe­sondere, wenn Schüler sich ungerecht schlecht benotet fühlen. Oft hilft schon ein Gespräch mit dem Lehrer. In ganz besonders schweren Fällen können die Gerichte helfen.

„DAS IST UNGERECHT!“ Diesen Aufschrei ihrer schul­pflich­tigen Kinder kennen viele Eltern. Besonders empört klingt er, wenn es um das Thema Schul­noten geht. Meistens ist die Aufregung grundlos, aber eben nicht immer. Doch was kann man tun, wenn die Noten des Kindes tatsächlich ungerecht sind?

„Zunächst sollte der Schüler selbst mit dem Lehrer über die Bewer­tungs­kri­terien sprechen und versuchen, eine Einigung zu finden“, empfiehlt Tobias Funk von der Kultus­mi­nis­ter­kon­ferenz. Fehler passieren - auch Lehrern. So kann immer mal etwas übersehen oder falsch bewertet worden sein. Entspre­chend schnell kann ein klärendes Gespräch die schlechte Note aus der Welt schaffen.

Dennoch gilt: „Einen Rechts­an­spruch auf Änderung einer einzelnen Note oder auf Wieder­holung einer Arbeit haben Eltern in der Regel nicht“, sagt Ursula Walther, stell­ver­tre­tende Vorsit­zende des Bundes­el­tern­rates. „Mit einer Ausnahme: Die Note hat Einfluss auf die Zeugnisnote und damit auf die Versetzung.“

Klassen­arbeit kann wiederholt werden

Was aber, wenn die ganze Klasse bei dem Test schlecht abgeschnitten hat? „Sind die Aufgaben so schwierig gewesen, dass mehrere oder gar alle Kinder einer Klasse schlecht abgeschnitten haben, kann eine Klassen­arbeit wiederholt werden“, erklärt Walther. „Diese Entscheidung darf entweder der Schul­leiter, der Lehrer oder die Fachschaft treffen, und sie ist entweder im Schul­gesetz oder einer Verordnung geregelt, oder es ist eine Verein­barung an der Schule.“ Die Regelung ist darum unein­heitlich, weil die Kultur­hoheit bei den Bundesländern liegt und entspre­chend auch die Schul­ge­setze der Länder leicht verschieden sind.

Gibt es keine Einigung mit dem Lehrer, können der Schüler selbst oder seine Eltern sich mit der Schul­leitung oder anderen Vertrau­ens­per­sonen zusam­men­setzen und versuchen, die Situation zu klären. Führt auch hier kein Weg zu einer gemein­samen Lösung können die Schulauf­sicht und das Kultus­mi­nis­terium einge­schaltet werden.

Zwei Wege, um Noten anzufechten

Auf dem recht­lichen Weg gibt es zwei unter­schied­liche Formen, mit denen Noten angefochten werden können. Zum einen ist das die formlose Beschwerde, zum anderen der formelle Wider­spruch.

Die Beschwerde ist weder an eine Frist gebunden, noch muss sie einer bestimmten Form gehorchen. Aller­dings hat sie auch keine aufschie­bende Wirkung. Eine Beschwerde kann der Schüler gegen Einzel­noten oder das Halbjah­res­zeugnis einlegen. Diese Noten dienen lediglich der Infor­mation des Schülers und haben keine unmit­tel­baren Folgen für ihn. Darum sind diese Noten keine Verwal­tungsakte.

„Zeugnisse, die über das Vorrücken oder über den weiteren Bildungsweg entscheiden, sind Verwal­tungsakte“, erklärt Ursula Walther. Gegen Verwal­tungsakte können Eltern oder volljährige Schüler innerhalb eines Monats Wider­spruch einge­legen. Damit wird die zuständige Behörde veran­lasst, die Recht- und Zweckmäßigkeit des Zeugnisses nachzuprüfen.

Antrag gut begründen

Wichtig ist es, den Antrag gut zu begründen. In der Vergan­genheit haben die Gerichte unter anderem folgenden Widersprüchen statt­ge­geben: Eine Klassen­arbeit durfte nicht gewertet werden, weil in der Woche schon drei andere Arbeiten geschrieben wurden. In einem anderen Fall war die Note nicht zulässig, weil die Arbeits­mappe, die in die Zeugnisnote miteinfließen sollte, doch nicht mitbe­wertet wurde. Oder eine Abschluss­arbeit musste wiederholt werden, weil es in dem Raum während der Prüfung über 30 Grad warm war. Bei solchen Mängeln im Verfahren kann es für den klagenden Schüler eine Wieder­ho­lungsprüfung geben.

Das Verwal­tungs­ge­richt überprüft zunächst, ob die Bedin­gungen regulär sind, darf aber auch eine inhalt­liche Kontrolle vornehmen. Das Haupt­problem ist dabei der Bewer­tungs­spielraum. „Ob Fehler so gravierend sind, dass es eine ‚5‘ gibt, oder ob es trotz der Fehler noch für eine ‚4‘ reicht, das ist gerichtlich nicht überprüfbar“, sagt Wilhelm Achelpöhler, Fachanwalt für Verwal­tungs­recht und Mitglied im Deutschen Anwalt­verein. „Richter sind keine Lehrer, darum kann man beim Verwal­tungs­ge­richt auch keine bestimmte Note einklagen“, sagt er. Dennoch gibt es Maßstäbe, an denen sich die Richter orien­tieren können. „Was wissen­schaftlich vertreten werden kann, darf nicht als falsch gewertet werden.“ Lassen sich dem Lehrer aber solche Mängel in der Bewertung nachweisen, ist die Arbeit neu zu korri­gieren.

Ein Wider­spruch vor dem Verwal­tungs­ge­richt sichert die Rechte des Bürgers gegenüber staat­lichen Instanzen. Der Schritt vor Gericht, da sind sich die Experten einig, sollte dennoch nur bei äußerst gravie­renden Fällen gegangen werden. Im Vorfeld lässt sich schon viel Ärger und Frust besei­tigen, wenn versucht wird, eine Einigung zu finden. Ursula Walther sagt: „Die Grund­regel lautet: lösungs­ori­en­tiere Gespräche ohne Vorwürfe.“ Und damit ist sicher auch dem Kind am besten geholfen.

Bei nicht bewer­teter Leistung: Vermerk im Zeugnis erlaubt

Übrigens: Wird einem Legasthe­niker beim Abitur die Möglichkeit eingeräumt, dass seine Recht­schreib­leis­tungen nicht bewertet werden, dann darf dies im Abitur-Zeugnis vermerkt werden. Das hat im Juli 2015 das Bundes­ver­wal­tungs­ge­richt in Leipzig entschieden und damit ein Urteil des Verwal­tungs­ge­richts München bestätigt.

Den Leipziger Richtern lagen die Klagen von drei Abitu­ri­enten aus Bayern vor. Auf ihren Zeugnissen war vermerkt worden, dass wegen einer „fachärztlich festge­stellten Legasthenie“ die Recht­schreib­leistung der Betrof­fenen nicht gewertet worden sei. Durch diesen Eintrag fühlten sich die Kläger diskri­mi­niert.

Der Vorsit­zende Richter des Leipziger Senats, Werner Neumann, sagte in der Urteilsbegründung, die Schüler hätten sich für den sogenannten Noten­schutz entschieden. Dadurch würden die allgemein geltenden Bewer­tungsmaßstäbe für sie außer Kraft gesetzt. Dies stelle jedoch eine Ungleich­be­handlung zum Beispiel mit anderen Legasthe­nikern dar, die auf den Noten­schutz verzich­teten und eine schlechtere Beurteilung riskierten und in Kauf nähmen. Deshalb sei es statthaft, die Nicht­be­ur­teilung der Recht­schreibung zu vermerken.

Grund­vor­aus­setzung sei jedoch, dass es für solche Vermerke eine gesetz­liche Grundlage im Schul­gesetz gibt. Ein minis­te­ri­eller Erlass alleine reiche nicht aus, entschieden die Leipziger Richter. (AZ: 6 C 33.14 und 6 C 35.14)

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