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Akade­mische Titel

Verlust des Doktor­titels reicht nicht für Rauswurf

War der Doktortitel entscheidend für die Einstellung? In dem verhandelten Fall war das nicht so - dem Kläger durfte nach Ansicht der Richter daher auch nicht fristlos gekündigt werden. © Quelle: DPA

Ein anonymes Schreiben kostete einen Kaufmann in Düsseldorf den Doktor­titel und den Job. Letzteres zu Unrecht, befand nun das Landes­ar­beits­ge­richt.

Das unbefugte Führen eines Doktor­titels berechtigt den Arbeit­geber nicht zum Rauswurf eines Angestellten. Das hat das Landes­ar­beits­ge­richt in Düsseldorf deutlich gemacht. Ein Abtei­lungs­leiter eines Maschi­nen­bau­un­ter­nehmens war fristlos gefeuert worden, nachdem das Land Nordrhein-Westfalen ihm das Führen seines Doktor­titels einer privaten US-Universität untersagt hatte.

Der Arbeit­geber habe nicht nachweisen können, dass ihn der Abtei­lungs­leiter arglistig getäuscht habe, befand das Gericht. Zudem habe das Unter­nehmen nicht dargelegt, dass der Titel für die Einstellung des Diplom-Kaufmanns entscheidend gewesen sei, und sein Verlust somit auch die Entlassung recht­fertige (Az.: 2 Sa 950/13).

Ein Waschkorb voller Unter­lagen

Ein anonymer Hinweis­geber hatte den 50-Jährigen beim Wissen­schafts­mi­nis­terium und bei seinem Arbeit­geber angeschwärzt.

Der Diplom-Kaufmann konnte aber eine Doktor­arbeit vorweisen und einen Waschkorb voller Unter­lagen, die er dafür benötigt haben will. Auch die Meldebehörde habe den „Dr.“ anstandslos in den Perso­nal­ausweis einge­tragen. Die Promo­ti­ons­ur­kunde von 2005 habe er bei der Einstellung vorgelegt, räumten die Vertreter des Unter­nehmens ein.

Er habe den Titel nicht gekauft, sondern die Doktor­arbeit nach „bestem Wissen und Gewissen“ selbst geschrieben, beteuerte der Kläger, der die Steuer­ab­teilung des Unter­nehmens geleitet hatte. Zehn Monate habe er wegen der Doktor­arbeit im Beruf ausge­setzt. Vom Verbots­schreiben des NRW-Wissen­schafts­mi­nis­te­riums und von seiner frist­losen Entlassung sei er völlig überrascht worden: „Für mich ist das ein absoluter Alptraum.“

Die Kündigung war ohnehin nichtig

Das anonyme Schreiben sei dem Unter­nehmen vermutlich gerade recht gekommen, vermutete der Kläger. Nach der Übernahme durch einen US-Investor seien die Abtei­lungs­lei­ter­stellen reihen­weise abgebaut worden. Die fristlose Kündigung war ohnehin wegen eines Formfehlers nichtig: Es fehlte die Anhörung des Betriebsrats.

Der Kaufmann einigte sich mit seinem Arbeit­geber am Montag (25. November) schließlich auf einen Vergleich: Bis November 2014 bekommt er freige­stellt volles Gehalt und fast 50 000 Euro Bonus, außerdem ein gutes Zeugnis und monatlich fast 600 Euro als Ersatz für den Dienst­wagen. Dann endet das Arbeitsverhältnis. Das Landes­ar­beits­ge­richt in Düsseldorf hatte sich in zweiter Instanz mit dem Fall befasst.

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Arbeitnehmer Arbeitsplatz Kündigung Universität

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