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Ausbildung

Berufs­aus­bil­dungs­bei­hilfe bei dualem Studium möglich

Welche finanziellen Hilfen stehen Auszubildenden zu? © Quelle: MonkeyBusiness/fotolia.com

Im Rahmen der Ausbildung kann man verschiedene Formen der Förderung erhalten. Teilweise schließen sich diese – etwa Berufs­aus­bil­dungs­bei­hilfe und BAföG – gegen­seitig aus. Es muss genau geprüft werden, welchen Anspruch man hat. Und man sollte nicht jede behördliche Entscheidung akzep­tieren.

Die meisten Auszu­bil­denden wird diese Frage beschäftigen: Wann und welchen Anspruch hat man auf Berufs­aus­bil­dungs­bei­hilfe?

Rechtlich gesehen hat ein (angehender) Auszubildender gegenüber der Bundesagentur für Arbeit dann einen Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe, wenn ein Teil der betrieblichen Berufsausbildung bereits vor der Einschreibung als Studierender eines dualen Studiums absolviert  wird. Für den praktischen, vorgelagerten Teil, hat man diesen Anspruch ab der Einschreibung dann stattdessen auf BAföG. Die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) informiert über eine Entscheidung des Landessozialgerichts Rheinland-Pfalz vom 28. April 2016 (AZ: L 1 AL 84/14).

Duales Studium: Berufs­aus­bil­dungs­hilfe oder BAföG?

Die Frau schloss einen Ausbildungsvertrag zur Winzerin ab und wurde zunächst sechzehn Monate in einem Winzerbetrieb ausgebildet. Der Rest der Ausbildung absolvierte sie im Rahmen eines dualen Studiums Weinbau und Oenologie (Bachelor of Science) an der Hochschule Ludwigshafen/Rhein und in kurzen Praxisabschnitten im Betrieb.

Zum dualen Studium war die Frau bereits vorläufig zugelassen worden. Einschreiben konnte sie sich aber erst nach Abschluss der sechzehnmonatigen Praxisphase. Trotz ihres Einkommens aus der Ausbildungsvergütung und des anzurechnenden Einkommens der Eltern erfüllte sie die finanziellen Voraussetzungen für eine Berufsausbildungsbeihilfe. Sie stellte bei der Bundesagentur für Arbeit einen entsprechenden Antrag. Diese lehnte jedoch ab. Die praktische Ausbildung gehöre zum dualen Studium. Für Ausbildungen im Rahmen eines Studiums sei die Förderung nach dem Gesetz ausgeschlossen.

Nach Ablehnung ihres Widerspruchs gegen den Bescheid klagte die Frau beim Sozialgericht in Trier. Sie begründete ihre Klage damit, dass ihr die alternative Förderung des Studiums nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) erst nach der Einschreibung als Studentin möglich sei. Außerdem fände der praktische Teil größtenteils vor dem Studium statt.

Wann erhält ein Auszu­bil­dender Berufs­aus­bil­dungsförderung?

Die erste Instanz ist dem gefolgt und hat die Bunde­s­agentur für Arbeit verur­teilt, Berufs­aus­bil­dungs­bei­hilfe für den Ausbil­dungs­ab­schnitt vor der Einschreibung als Studentin zu bewil­ligen. Hiergegen wandte sich die Bunde­s­agentur mit der Berufung.

Berufs­aus­bil­dungs­bei­hilfe könne nicht gewährt werden, weil die Ausbildung Teil des Studiums sei, für das ein gesetz­licher Ausschluss der Förderung bestehe.

Das Landessozialgericht in Mainz hat die Entscheidung des Sozialgerichts in Trier bestätigt. Jedenfalls dann, wenn ein wesentlicher Teil der Ausbildung bereits vor Beginn des Studium stattfinde, die persönlichen Voraussetzungen vorlägen und die Vorgaben des Berufsbildungsgesetzes erfüllt seien, könne eine Förderung nicht mit dem Argument ausgeschlossen werden, das Studium stehe gegenüber der betrieblichen Berufsausbildung im Vordergrund. Vielmehr finde dann durch die spätere Einschreibung als Studierender ein Statuswechsel statt, der erst ab diesem Zeitpunkt die Förderung durch Berufsausbildungsbeihilfe ausschließe. Eine Förderung könne dann nach Einschreibung nur noch über das Bundesausbildungsförderungsgesetz BAföG erfolgen.

Voraus­set­zungen für eine Berufs­aus­bil­dungs­bei­hilfe sind weiterhin:

-    anerkannter Ausbil­dungs­beruf

-    Ausbil­dungs­vertrag und Eintragung in das Verzeichnis der jeweils zuständigen Kammer.

Der Fall zeigt, dass es sich lohnt, für seine Ansprüche zu kämpfen – auch gegen Bescheide. Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte für Sozialrecht helfen dabei.

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