Öffentlicher Dienst

Bewerbung bei der Polizei: Wer darf Ordnungshüter werden?

Polizeibehörden haben für Bewerber oft strenge Vorgaben.
Polizeibehörden haben für Bewerber oft strenge Vorgaben.

Quelle: abr68/fotolia.de

Das Vertrauen in die Polizeibehörden in der deutschen Bevölkerung ist auch in politisch turbulenten Zeiten hoch. Als Arbeitgeber genießt die Polizei ebenfall ein unschlagbares Ansehen: Einer aktuellen Studie unter deutschen Schülern mit über 20.000 Befragten zufolge möchte die junge Generation für niemanden lieber arbeiten, als für die Polizei. Sie ist der beliebteste Wunsch-Arbeitgeber unter Schülern, noch vor international erfolgreichen Großkonzernen wie adidas, BMW oder Audi.

Bewerbung bei der Polizei: Ein föderaler Dschungel von Bestimmungen

Bewusstmachen müssen sich Bewerber und Interessenten vor allem eines: Polizei ist in Deutschland Ländersache. 16 Bundesländer bedeuten 16 verschiedene Polizeibehörden (plus Bundespolizei) - jede davon hat ihr eigenes Regelwerk. Voraussetzungen, Ausschlusskritierien und Verfahren können sich wesentlich voneinander unterscheiden. Daher sollten Polizeibewerber sich stets genau über die Anforderungen der Behörde informieren, für die sie sich konkret bewerben.

Wesentliche Gemeinsamkeiten, die für sämtliche Polizeibehörden gelten, lassen sich trotz aller Ausnahmen und Unterschiede grob festhalten. Besonders Ausschlusskriterien gelten oft bundesweit, wie etwa der erste der folgenden Merkmale.

  • Keine bisherigen Straftaten
    Wer Polizist werden möchte, darf bisher nicht straffällig geworden sein. Außerdem müssen Bewerber angeben, ob es laufende oder fallengelassene Ermittlungsverfahren gegen sie gibt.
  • Geordnete wirtschaftliche Verhältnisse
    Schon allein, weil Polizisten unbestechlich bleiben sollen, müssen sie in der Lage sein, vernünftig mit Geld umzugehen. Daher werden im Bewerbungsverfahren auf die persönlichen Finanzen von Bewerbern abgefragt. Wer stark verschuldet oder sogar insolvent ist, wird mit einer Bewerbung kaum erfolgreich sein.

  • Gesundheitliche Eignung
    Wer für den Dienst bei der Polizei tauglich ist, ist einerseits bundesweit in der „Polizeidienstverordnung 300“ festgehalten. Andererseits haben natürlich auch hier die einzelnen Länder und Behörden unterschiedliche Vorgaben. Geprüft werden in Untersuchungen gesundheitliche Merkmale wie Seh- und Hörvermögen, Body-Mass-Index oder das Herz-Kreislauf-System. Auch eine körperliche Mindestgröße wird von den Polizeibehörden meist verlangt.

  • Führerschein
    Um einen Führerschein der Klasse B kommen Bewerber nicht herum, er ist bei jeder Behörde Voraussetzung für den Polizeidienst.
     
  • Altersgrenzen
    Das Höchstalter für eine Bewerbung variiert, wie so oft, nach Behörde. Für den mittleren Dienst liegt es bei ca. 25 Jahren, für gehobene Dienstlaufbahnen um die 30 Jahre. Der Spielraum kann allerdings beträchtlich sein: Während Bewerber in Rheinland-Pfalz zu Beginn der Ausbildung nicht älter als 24 Jahre sein dürfen, liegt die Obergrenze in Sachsen bei 35 Jahren, in Nordrhein-Westfalen erst bei 37 Jahren.
  • Körperschmuck
    Auch hier können Polizeibehörden unterschiedlich strikt sein. Die Daumenregel ist, dass Tätowierungen oder Piercings beim Tragen der Dienstbekleidung nicht sichtbar sein dürfen. Hier kann ebenfalls im Einzelfall entschieden werden. Wer aber sehr auffällige Tattoos oder Piercings, gerade im Kopfbereich hat, wird schlechte Chancen haben.
  • Staatsbürgerschaft
    In der Regel muss man für eine Bewerbung bei einer Polizeibehörden deutscher Staatsbürger sein. Allerdings gibt es in etlichen Bundesländern mittlerweile Ausnahmeregelungen, die auch EU-Bürgern oder Personen mit einem unbefristeten Aufenthaltstitel eine Bewerbung grundsätzlich ermöglichen. Meistens werden dann zusätzliche Anforderungen, wie etwa ein Mindestaufenthalt in der Bundesrepublik, vorausgesetzt.

 

Ausschluss vom Auswahlverfahren: Klagen können erfolgreich sein 

Gerade wenn es um die Erfüllung der körperlichen Voraussetzungen geht, konnten abgelehnte Polizeibewerber in den letzten Jahren immer wieder vor Gericht erfolgreich gegen einzelne Regelungen protestieren. Vor allem die „Mindestgröße“ ist hier ein gerichtlich hart umkämpfter Posten: Im August 2017 verpflichtete das Verwaltungsgericht Düsseldorf das Land NRW dazu, drei Polizeibewerberinnen zum weiteren Auswahlverfahren zuzulassen - obwohl die jungen Frauen die für die Landespolizei vorgeschriebene Mindestgröße von 1,63 Meter um wenige Zentimeter verfehlten. 

Ein ähnlicher Fall wurde im März 2016 auch vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen verhandelt. Dort bekam ein Mann Recht, dem zwei Zentimeter für das geforderte Mindestmaß von 1,68 Meter fehlten – er musste ebenfalls von der Landespolizei NRW zum Einstellungstest zugelassen werden.

Polizeidienst trotz Tattoo: Bewerber erstreitet sich Zugang zum Bewerbungsverfahren

Den linken Unterarm eines jungen Mannes, der sich für die Polizeiausbildung in Nordrhein-Westfalen bewarb, zierte das Tattoo eines großen Löwenkopfs. Der Bewerber wurde abgelehnt, das zuständige Landesamt störte sich nicht an dem Motiv, aber an der Größe des Tattoos. Größer als ein "durchschnittlicher Handteller" dürfen diese nicht sein. Großflächige Tätowierungen im sichtbaren Bereich stellten laut den Richtlinien der Behörde einen "absoluten Eignungsmangel" dar.  

Doch diese Begründung - und der Ausschluss des Mannes vom Bewerbungsverfahren - ist rechtswidrig. Das entschied das Verwaltungsgericht Düsseldorf in einem Eilverfahren und verpflichtete das Land gleichzeitig, den Bewerber zum weiteren Auswahlverfahren für angehende Polizisten zuzulassen (AZ: 2 L 3279/17).

Im Hinblick auf die Akzeptanz von Tätowierungen ließe sich ein gesellschaftlicher Wandel feststellen. Auf solche Trends müsse der Dienstherr bei der Einstellung von Bewerbern eingehen. Schließlich gebe es nach Ansicht der Richter eine "augenfällige Zunahme von Tätowierungen gerade an den Armen".

Urteil: Silikon-Implantate schließen nicht vom Polizeidienst aus

Vor dem gleichen Gericht konnte sich im November 2016 auch eine Frau aus Dortmund ihren Zugang zum Auswahlverfahren erstreiten. Vorher war sie aus medizinischen Gründen abgelehnt worden. Der Grund: ihre Brüste enthielten Silikon-Implantate. Ein Polizeiarzt hatte die Klägerin im Frühjahr 2014 wegen der Implantate als nicht tauglich für den Polizeidienst eingestuft. Laut der dortigen Dienstvorschrift gelten Frauen mit Brustimplantaten wegen erhöhter Verletzungsgefahr als nicht geeignet für den Polizeidienst. Doch verschiedene Gerichte hatten zuletzt immer wieder zugunsten von Frauen mit Implantaten entschieden. Nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in Bayern und Baden-Württemberg.

Wer gegen eine Ablehnung im Bewerbungsverfahren klagen möchte, sollte anwaltliche Beratung suchen, die mit den Voraussetzungen der jeweiligen Behörden vertraut ist. Gerade bei jüngeren Bewerbern kann der Anwalt/ die Anwältin außerdem klären, ob ein Antrag auf Prozesskostenhilfe gestellt werden kann. Eine in der Sache erfahrene Rechtsfachkraft kann außerdem genau prüfen, welche Argumentation und Vorgehensweise vor Gericht die meisten Erfolgsaussichten hat. Passenden Rechtsbeistand finden Sie in unserer Anwaltssuche, wo sowohl lokal, als auch nach Rechtsgebiet passgenau gesucht werden kann.

 

 

Kerstin Stenchly Jürgen Dietermann Stefanie Boelck Volker Scheinert Steffen Dahlenburg

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