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Fußball bei der Arbeit

WM-Tipps für Arbeit­nehmer

Wie viel Fußballfreude im Büro erlaubt ist, bestimmt meistens der Arbeitgeber. © Quelle: DAV

Während der WM dreht sich das Leben vieler Fans nur um ein Thema – natürlich auch bei der Arbeit. Aber was tun, wenn der Chef ein Fußball-Muffel ist? Die Anwaltaus­kunft erklärt, welche Rechte Fußballfans bei der Arbeit haben.

Darf ich bei der Arbeit WM-Spiele anschauen oder Live-Ticker verfolgen?

Wenn Sie das Pech haben, während eines Spiels arbeiten zu müssen, dürfen Sie nicht einfach nebenbei Fußball schauen. Grundsätzlich sind Sportübertra­gungen ein privates Vergnügen: Sie dürfen nur mit ausdrücklicher Erlaubnis Ihres Chefs am Arbeits­platz die WM verfolgen. Die Begründung: Fernsehen lenkt von der Arbeit ab. Das muss der Arbeit­geber nicht hinnehmen.

Wer auf das Bild verzichten kann, hat aber unter Umständen eine andere Möglichkeit, die Spiele zu verfolgen: im Radio. Zumindest hat das Bundes­ar­beits­ge­richt 1986 entschieden, dass es kein generelles Radio­verbot geben dürfe (Urteil vom 14. Januar 1986; AZ.: 1 ABR 75/83). Aller­dings müssen die Arbeit­nehmer ihre Arbeit trotz Radio­sound im Ohr gewis­senhaft und konzen­triert verrichten können. Dass dies bei Fußballübertra­gungen gelingt, darf bezweifelt werden.

Vorsicht geboten ist auch, wenn Arbeitnehmer über ihren Büro-Computer nach Fußballergebnissen und Texten rund um die WM recherchieren und im Internet surfen. „Auch das ist in der Arbeitszeit nicht erlaubt, sondern nur in der Arbeitspause möglich – allerdings auch nur, wenn der Arbeitgeber die private Nutzung des Büro-Computers erlaubt“, sagt der Rechtsanwalt Reinhard Schütte von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Festgelegt ist das häufig in den Betriebsvereinbarungen oder im Arbeitsvertrag. Erlaubt der Chef die private Nutzung des Internets nicht, muss man bis nach Feierabend warten, um sich auf den neuesten Stand der Dinge in Sachen WM zu bringen und zu Hause recherchieren. Verstöße können abgemahnt werden und im Wiederholungsfall auch zur Kündigung führen.

Ist Alkohol am Arbeits­platz erlaubt?

Sie haben die offizielle Geneh­migung zum WM-Schauen bekommen und möchten dazu passend mit den Kollegen ein Bier aufmachen? Vorsicht! Ein kühles Blondes im Büro kann die Stimmung erheblich steigern – aller­dings senkt es in der Regel in gleichem Maß die Arbeits­kraft. Der Arbeit­geber muss deshalb keine eindeutig betrun­kenen Arbeit­nehmer dulden und kann sie nach Hause schicken oder sogar abmahnen. In manchen Betrieben gilt zudem ein absolutes Alkohol­verbot – zum Beispiel beim Führen von Fahrzeugen und Maschinen. Bevor die feuchtfröhliche Fußballparty startet, sollte man sich deshalb sicher sein, dass der Arbeit­geber zur WM beim Alkohol­konsum eine Ausnahme macht.

Darf ich meinen Arbeits­platz in Schwarz-Rot-Gold schmücken?

Es spricht nichts dagegen, während der WM die eigene Fußballlei­den­schaft deutlich sichtbar zu zelebrieren. Aller­dings sollten Sie auch in diesem Fall Ihren Chef fragen – und zwar bevor Sie Deutsch­land­fahnen aus dem Bürofenster hängen und auf ihrem Schreib­tisch einen schwarz-rot-goldenen Altar errichten.

Ein Recht auf private Deko am Arbeits­platz gibt es für Arbeit­nehmer nämlich nicht. Als Eigentümer der Räumlich­keiten kann der Arbeit­geber das Schmücken des Arbeits­platzes unter­sagen. Die Dekoration mit leicht entflamm­barem Material kann zudem die Brand­schutz­be­stim­mungen verletzen. Wer trotz eines ausdrücklichen Verbots zu sehr Farbe bekennt, dem droht Ärger. Unter Umständen verstößt man damit gegen den Arbeits­vertrag und kann sogar abgemahnt werden.

Muss mir mein Chef WM-Urlaub gewähren?

Auch wenn der Fußball-Kult bei jeder Weltmeisterschaft größer zu werden scheint: Einen Rechtsanspruch auf WM-Urlaub gibt es selbstverständlich nicht – weder bezahlt noch unbezahlt. Wenn man unbeschwert die WM genießen möchte, sollte man seinen Urlaub rechtzeitig beantragen. Wer im WM-Fieber einen spontanen Trip nach Brasilien plant, muss darauf hoffen, dass er gerade nicht dringend gebraucht wird und nicht zu viele Kollegen die gleiche Idee hatten.

„Der Arbeit­geber muss Urlaubswünsche des Arbeit­nehmers zwar generell berücksich­tigen, er kann sie aber auch ablehnen, wenn wichtige betrieblich Gründe dagegen sprechen – zum Beispiel ein wichtiges Großprojekt“, sagt Rechtsanwältin Dr. Barbara Reinhard vom Deutschen Anwalt­verein. „Ein solcher Grund kann auch darin liegen, dass bereits zu viele andere Kollegen im Urlaub sind.“ Ist der Urlaub aller­dings erst einmal genehmigt, können Sie die WM an der Copacabana oder im heimi­schen Garten unbesorgt genießen: Ihr Chef darf Sie in der Regel nicht aus dem Urlaub zurückrufen.

Eine schlechte Idee ist es übrigens, für das WM-Vergnügen eine Arbeitsunfähigkeit vorzutäuschen. „Wer sich ohne Grund krank­schreiben lässt und dann braun­ge­brannt am Flughafen erwischt wird, riskiert eine Kündigung“, sagt die Arbeits­recht­lerin Dr. Reinhard aus Frankfurt.

Muss ich während der WM-Spiele für meinen Arbeit­geber erreichbar sein?

Die diesjährige WM ist arbeit­neh­mer­freundlich: Durch die Zeitverzögerung gegenüber Brasilien haben viele Arbeit­nehmer beim Anstoß der Spiele am Abend schon frei. Doch auch dann droht eine empfind­liche Störung des Fußballvergnügens: Viele Arbeit­nehmer sind heute auch in ihrer Freizeit für ihren Arbeit­geber erreichbar – vor allem über dienst­liche Smart­phones, die auch privat genutzt werden. Was tun, wenn in der Verlängerung des WM-Finales plötzlich die Nummer des Chefs auf dem Handy­display blinkt?

„Grundsätzlich müssen Arbeit­nehmer in ihrer Freizeit nicht für den Chef erreichbar sein – und damit auch nicht ans Telefon gehen und keine E-Mails beant­worten“, sagt Rechtsanwältin Dr. Barbara Reinhard.

Ausnahmen gelten bei Berufen, in denen eine Rufbereitschaft vorgesehen ist – zum Beispiel bei Ärzten. Hier ist eine Erreichbarkeit zu bestimmten Zeiten in der Freizeit ein Teil der beruflichen Pflichten. „Solche Bereitschaften sind in Arbeits- und Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen ganz genau geregelt“, sagt Dr. Reinhard vom DAV. „Zudem gibt es Dienst- oder Einsatzpläne, die genau festlegen: Muss ich zur Verfügung stehen oder nicht?“ 

Die Rufbereitschaft  wird auch finanziell abgegolten. Sie muss so organisiert sein, dass die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten nicht überschritten und die Regelungen zur Ruhezeit und Nachtarbeit eingehalten werden. Im Normalfall können Sie das Handy also klingeln lassen und sich wieder ganz entspannt dem Spiel widmen.

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Arbeitnehmer Arbeitsplatz Fußball WM

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