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Arbeitsschutz

Wie warm darf es im Büro sein?

Schon ab 26 Grad muss der Arbeitgeber für Abkühlung sorgen. © Quelle: Myers/corbisimages.com

An heißen Sommer­tagen kann das Büro zur Sauna werden. Die Anwaltaus­kunft verrät, welche Tempe­ra­turen am Arbeits­platz erlaubt sind.

Viel Sonne macht den Sommer perfekt  – solange man nicht arbeiten muss. Im nicht klima­ti­sierten Büro kann die Sommer­hitze zur Qual werden. Doch was tun, wenn das Hemd am Körper klebt und der Schweiß auf die Tastatur tropft? Während Schüler ab einer bestimmten Tempe­ratur automa­tisch auf Hitzefrei hoffen können, müssen Arbeit­nehmer deutlich mehr aushalten. Grundsätzlich darf ein Arbeit­geber bestimmen, wo er seine Mitar­beiter einsetzt – auch an heißen Orten.

Raumtemperatur nicht über 26 Grad

Allerdings gibt es gesetzlich bestimmte Grenzen. Welche Lufttemperaturen im Büro zumutbar sind, definiert die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 sehr detailliert. Demnach soll die Raumtemperatur am Arbeitsplatz nicht höher als 26 Grad sein. Auch wenn der Arbeitgeber nicht verpflichtet ist, eine Klimaanlage einzubauen, muss er dafür sorgen, dass diese Marke möglichst nicht überschritten wird, zum Beispiel durch den Einbau von Sonnenschutzvorrichtungen an den Fenstern.

Übersteigt die Lufttem­pe­ratur 30 Grad, müssen sich Arbeit­geber noch inten­siver um den Schutz ihrer Mitar­beiter kümmern – zum Beispiel durch Lüften in den frühen Morgen­stunden oder das Bereit­stellen von Getränken. Die Vorgaben in der Arbeitsstättenregel sind aller­dings nur allge­meine Richt­werte: Wenn Mitar­beiter durch Hitze besonders gefährdet sind, muss der Arbeit­geber unter Umständen auch schon bei gerin­geren Tempe­ra­turen Schutzmaßnahmen veran­lassen oder die Mitar­beiter freistellen – zum Beispiel bei einer Schwan­ger­schaft.

Luftduschen und Schutzkleidung gegen die Hitze

Endgültig nicht mehr als Arbeitsraum geeignet ist ein Büro laut Arbeitsstättenregel, wenn das Thermometer mehr als 35 Grad anzeigt. Die Verordnung nennt drastische Gegenmaßnahmen, die der Arbeitgeber bei Hitze ergreifen kann, darunter Luftduschen, Wasserschleier und Hitzeschutzkleidung. In den meisten Büros ist der Einsatz dieser technischen Vorrichtungen eher unrealistisch. Auch die selbstkühlende Dienstkleidung eines japanischen Textilherstellers mit eingebautem Lüfter  dürfte in den wenigsten deutschen Betrieben vorrätig sein.

Hat der Arbeitgeber keine Mittel, um die Arbeitsbedingungen erträglicher zu machen, können Beschäftigte einen Ausweichraum verlangen. Ist auch das nicht möglich, müssen sie frei bekommen. „Arbeitnehmer müssen unzumutbare Arbeitsbedingungen nicht hinnehmen“, sagt Rechtsanwalt Dr. Thilo Wagner von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Arbeit im Freien bei Hitze: Auch hier gibt es Regelungen

Natürlich arbeiten nicht alle deutschen Arbeitnehmer in Büros – was gilt, wenn sich die Arbeit größtenteils im Freien abspielt, zum Beispiel bei Kellnern, Gärtnern oder Bauarbeitern? Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber, eine Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz durchzuführen. Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Arbeitsplätze im Freien bei jeder Witterung sicher benutzt werden können und die Gesundheit der Beschäftigten nicht gefährdet ist. Bei Arbeiten im Freien und starker Hitze müssen außerdem die Bedürfnisse älterer oder leistungsgeminderter Beschäftigter besonders berücksichtigt werden. Es werden dann ergänzende Maßnahmen erforderlich, z. B. verkürzte Einsatzzeiten, keine Alleinarbeit. Im Extremfall können ältere oder leistungsgeminderte Mitarbeiter bei starker Hitze nicht im Freien beschäftigt werden. Aber auch die Beschäftigten müssen nach ihren Möglichkeiten für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Sorge tragen. Sie haben Unterweisungen der Arbeitgeber ernst zu nehmen und deren Weisungen zu folgen.

Erreichen die Temperaturen 30 Grad und mehr, sollten zu, Beispiel auf Baustellen kühle Getränke zur Verfügung stehen. Besonders schwere Arbeiten sollten in die Morgenstunden gelegt werden, bei steigenden Temperaturen sind pro Stunde fünf bis zehn Minuten Pause in einem kühlen oder zumindest schattigen Bereich sinnvoll. Für Arbeitsbereiche im Inneren von Bauwerken ist gute Belüftung wichtig und bei dauerhaften Aufenthalten in Baumaschinen, LKW und Baggern sollten Klimaanlagen genutzt werden.

Auch bei Hitze: Nicht einfach gehen, sondern erst den Chef fragen

Bevor man aus der Büro-Sauna flüchtet, sollte man dem Arbeit­geber jedoch Zeit lassen, Abhilfe zu schaffen und die Tempe­ratur zu senken. Auch bei tropi­schen Bedin­gungen gilt: Ohne Rücksprache mit dem Chef sollte man keines­falls einfach die Arbeit nieder­legen. „Einfach nach Hause zu gehen stellt eine Verletzung des Arbeits­ver­trages dar und kann eine Abmahnung oder Kündigung zur Folge haben“, sagt Rechts­anwalt Dr. Thilo Wagner.

Gemeinsam mit dem Arbeit­geber dürfte sich auch an den heißesten Sommer­tagen eine Lösung für schwit­zende Büromen­schen finden lassen: zum Beispiel ein Arbeits­nach­mittag im kühlen Schatten am See mit dem Laptop auf dem Schoß.

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