Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Arbeitszeit

Wer Kernar­beitszeit verletzt, riskiert Kündigung

Kernarbeitszeit heißt Anwesenheitspflicht für Angestellte - wer sie verletzt, riskiert ernsthafte Konsequenzen © Quelle: Westend61/gettyimages.de

Kernar­beitszeit von 9 bis 14 Uhr, die restlichen Arbeits­stunden können im Rahmen von Gleitzeit abgeleistet werden – Regelungen wie diese werden in vielen Arbeits­verträgen vereinbart. Die Angestellten sind damit freier in ihrer Tages­planung als bei starren Arbeits­zeit­re­ge­lungen. Vorsicht: Das heißt nicht, dass sie die Arbeits­zeiten generell auf die leichte Schulter nehmen dürfen. Wer die Kernar­beitszeit verletzt, muss schlimms­ten­falls mit einer Kündigung rechnen.

Verletzung der Kernar­beitszeit ist Pflicht­verstoß

„Wer zu den Kernarbeitszeiten nicht am Arbeitsplatz ist, begeht einen Pflichtverstoß“, informiert Rechtsanwältin Dr. Nathalie Oberthür von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht vom Deutschen Anwaltverein (DAV). „Arbeitgeber können ihre Angestellten dafür abmahnen.“ Kommt ein Angestellter trotz Abmahnung wiederholt zu spät oder verlässt den Arbeitsplatz zu früh, drohe ihm die fristlose Kündigung.

Wie oft der Angestellte abgemahnt werden muss, bevor der Arbeit­geber ihn entlassen kann, hängt vom Einzelfall ab. „Es kommt darauf an, wie schwer­wiegend die Pflicht­verstöße sind“, erklärt Anwältin Oberthür. „Angenommen, ein Angestellter wird abgemahnt, weil er zwanzig Minuten zu spät kommt. Verletzt er die Kernar­beitszeit ein zweites Mal um nur einige Minuten, wird das nicht für eine Kündigung ausreichen. Kommt er aber wiederholt für einen großen Zeitraum zu spät oder verlässt den Arbeits­platz zu früh, kann das eine Kündigung recht­fer­tigen.“

Kernar­beitszeit verletzt? Besonders schwer­wiegend bei Störung des Betrieb­sab­laufs

Wer die Kernar­beitszeit verletzt, riskiert vor allem dann ernste Konse­quenzen, wenn dadurch der Betrieb­sablauf gestört wird – das heißt, wenn die anderen Mitar­beiter ihrer Arbeit nicht in vollem Umfang nachgehen können. „Das gilt zum Beispiel, wenn die Teilnehmer eines Meetings auf einen Kollegen warten müssen, bevor sie beginnen können, oder die Arbeit auf einer Baustelle nicht starten kann, bevor alle Mitar­beiter da sind“, erklärt die Anwältin aus Köln.

Ausgleich mit Überstunden nicht möglich

Kann ein Arbeitnehmer es mit Überstunden ausgleichen, wenn er die Kernarbeitszeit verletzt hat? „Nein“, sagt Anwältin Oberthür. „Der Sinn einer Kernarbeitszeit ist, dass in dieser Zeit alle Mitarbeiter ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Das heißt, dass sie dann am Arbeitsplatz sind.“ Ein Arbeitgeber lege die Kernarbeitszeit meist aus betrieblichen Gründen fest, zum Beispiel für die Zeitspanne, in der das Kundenaufkommen besonders hoch ist.

Verletzt ein Arbeit­nehmer die verein­barte Kernar­beitszeit, fehlt seine Arbeits­kraft dann, wenn sie besonders dringend gebraucht wird. Überstunden zu anderen Tages­zeiten können das naturgemäß nicht ausgleichen. „Das heißt: Auch wer viele Überstunden angesammelt hat, kann abgemahnt werden, wenn er die Kernar­beitszeit verletzt“, warnt Dr. Nathalie Oberthür.

Verspätung vorher­sehbar? Abmahnung möglich

Wichtig: Eine Abmahnung droht in der Regel nur, wenn der Angestellte selbst dafür verantwortlich ist, dass er die Kernarbeitszeit verletzt hat. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn er zu spät zur Arbeit kommt, weil er verschläft. „Auch in Fällen, in denen ein Arbeitnehmer für den Grund der Verspätung per se nichts kann, sie aber hätte voraussehen können, droht eine Abmahnung“, warnt Dr. Nathalie Oberthür. „Wenn beispielsweise ein Bahnstreik einige Tage im Voraus angekündigt wird, müssen Arbeitnehmer dafür sorgen, dass sie trotzdem rechtzeitig am Arbeitsplatz sind. Gleiches gilt für Glatteis im Winter. Auch darauf müssen Arbeitnehmer vorbereitet sein und zum Beispiel früher losfahren oder auf den Öffentlichen Nahverkehr umsteigen.“

Verspätungen so früh wie möglich bekannt geben

Wer absehen kann, dass er es nicht recht­zeitig zu Arbeits­beginn oder zu Beginn der Kernar­beitszeit zum Arbeits­platz schafft, sollte seinem Arbeit­geber so schnell wie möglich Bescheid geben. Fehlt ein Arbeit­nehmer unent­schuldigt, steigt die Wahrschein­lichkeit einer Abmahnung.

Unver­schuldete Verletzung der Kernar­beitszeit: keine Abmahnung

Was passiert nun, wenn ein Arbeitnehmer für eine Verspätung nichts kann? „Wer die Kernarbeitszeit unverschuldet verletzt, muss in der Regel nicht mit ernsten Konsequenzen rechnen“, sagt Rechtsanwältin Oberthür. „Doch auch hier kommt es auf den Einzelfall an.“ Unvorhergesehene Unwetter oder ein Autounfall gelten unter Umständen als sogenannte höhere Gewalt – Abmahnungen sind dann eher selten die Folge.

Themen
Abmahnung Arbeitnehmer Arbeitsplatz Kündigung Streik

Zurück

Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

zur
Startseite