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Wettbewerbsfrage

Unterstützung der Konkurrenz: fristlose Kündigung erlaubt?

Quelle: Merton/gettyimages.de
Wer zum Schaden des eigenen Arbeitgebers die Konkurrenz unterstützt, riskiert eine Kündigung.
© Quelle: Merton/gettyimages.de

Wer in Konkurrenz zu seinem Arbeit­geber tritt, kann fristlos gekündigt werden. Das ist ein ungeschrie­bener Grundsatz. Schließlich muss ein Arbeit­geber keinen Wettbewerb durch einen Mitar­beiter dulden. Was gilt aber, wenn jemand eine Kundenan­frage nicht selbst nutzt, sondern an einen Wettbe­werber weiter­leitet?

Auch dann muss der Mitar­beiter mit einer frist­losen Kündigung rechnen. Er hat eine Pflicht­ver­letzung begangen. Dies auch dann, wenn ein Kollege diesen Wettbe­werber gerade erst gründet, wie das Landes­ar­beits­ge­richt in Hamm entschied (Urteil vom 4. September 2014, AZ: 8 Sa 90/14).

Kündigung nach Unterstützung der Konkurrenz

Die Mitar­bei­terin leitete eine Kundenan­frage an einen Kollegen weiter. Ihr war bewusst, dass dieser dabei war, ein eigenes Unter­nehmen zu gründen, das ein Mitbe­werber zu ihrem Arbeit­geber sein würde. Sie schickte die Anfrage zweimal an die private Mailadresse des Kollegen.

Als der Arbeit­geber dies erfuhr, nahm er an, dass sie bewusst den künftigen Konkur­renten unterstützen wollte. Er kündigte der Frau, die fünf Jahre in dem Unter­nehmen tätig war, fristlos.

Die Frau vertei­digte sich damit, dass nicht sie, sondern der Kollege den Pflicht­verstoß begangen habe. Er sei auch beim gemein­samen Arbeit­geber für die Bearbeitung der Anfrage zuständig gewesen.

Fristlose Kündigung bei schwerer Pflichtverletzung gerechtfertigt

Das Gericht bestätigte die Kündigung. Es liege eine schwere Pflichtverletzung vor. Nicht nur bei demjenigen, der selbst eine Konkurrenztätigkeit ausübt, sondern auch bei demjenigen, der dieses unterstützt.

Die Behauptung, die private Mailadresse des Kollegen sei aus Versehen benutzt worden, wertete das Gericht als Schutz­be­hauptung. Sie habe schließlich gewusst, dass der Kollege dabei gewesen sei, ein Konkur­renz­un­ter­nehmen aufzu­bauen.

Es sei auch irrelevant, dass die Frau meinte, der Kollege habe letztlich falsch gehandelt. Schon wer einen Wettbe­werber unterstützen wolle, begehe eine Pflicht­ver­letzung. Die Frau habe zweimal die private Mailadresse des Kollegen benutzt.

Abmahnung entbehrlich

Dem Arbeit­geber sei es also nicht mehr zuzumuten, die Mitar­bei­terin weiter zu beschäftigen. Durch die Weitergabe der Kundenan­frage bestehe die Gefahr, dass dem Arbeit­geber Umsatz entgehe. Die Mitar­beiter sollten eigentlich für Umsatz sorgen, statt ihn der Konkurrenz zu geben.

Auch habe der Arbeit­geber nicht die Kündigungs­frist einhalten müssen. Es bestehe die Gefahr, dass sich solche Handlungen wieder­holten, etwa bei mündlichen Anfragen. Eine vorherige Abmahnung sei auch entbehrlich gewesen. Das Vertrau­ensverhältnis sei irrepa­rabel zerstört.

Themen
Arbeit Arbeitnehmer Kündigung

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